Stärken und Stolpersteine
Stärke und Stolperstein haben bei dir dieselbe Wurzel
Fast alles, was dich stark macht, hat eine Kehrseite. Das ist bei jedem Typ so. Bei dir sieht man es besonders deutlich.
Deine Vorbereitung macht dich sicher. Dieselbe Vorbereitung macht es dir schwer, umzuschwenken, wenn im Raum etwas anderes passiert als geplant.
Deine Überzeugung gibt anderen Orientierung. Dieselbe Überzeugung lässt manchmal keinen Platz für eine zweite Meinung.
Du musst keine deiner Stärken aufgeben. Es geht darum, sie in den Momenten nicht zu überziehen, in denen sie dir schaden.
Was dich stark macht
Sechs Stärken fallen beim Typ Stratege besonders auf. Vermutlich erkennst du dich in den meisten wieder.
- Du hast eine klare Linie
Dein Publikum weiß jederzeit, worauf du hinauswillst. Du fängst mit deiner Empfehlung an und alles Weitere stützt sie. Wer dir zugehört hat, kann deine Kernaussage danach meistens in einem Satz wiedergeben.
- Du überzeugst mit Substanz
Du vertrittst deinen Standpunkt mit Nachdruck und du hast die Zahlen dazu. Wer dir widersprechen will, muss sich vorbereiten. Das verschafft dir Respekt, gerade bei Menschen, die selbst sachlich denken.
- Du bist gut vorbereitet
Zahlen, Argumente und Ablauf sitzen. Du weißt, wie lange jeder Teil dauert, und du überziehst selten. Wenn du sagst, du brauchst zehn Minuten, dann brauchst du zehn Minuten.
- Du führst Entscheidungen herbei
Deine Präsentationen enden mit einem klaren nächsten Schritt: wer, was, bis wann. Wo andere eine Diskussion offen auslaufen lassen, fragst du nach der Entscheidung.
- Du gibst Orientierung
In unsicheren Lagen bist du die Person, die sagt, wo es langgeht. Teams schätzen das, besonders wenn viel gleichzeitig passiert. Du nimmst anderen damit eine Last ab.
- Du holst Runden zurück zur Sache
Wenn eine Besprechung sich im Kreis dreht, fragst du, was jetzt eigentlich entschieden werden soll. Abschweifungen bekommen bei dir wenig Raum. Das spart allen Zeit.
Wo es eng wird
Die Stolpersteine des Strategen zeigen sich selten in der Vorbereitung. Sie zeigen sich im Kontakt mit anderen, vor allem dann, wenn jemand anderer Meinung ist.
- Einwände fühlen sich wie Angriffe an
Du hast viel Zeit in deinen Plan gesteckt. Wenn jemand ihn in Frage stellt, hörst du schnell „Du hast schlecht gearbeitet“, obwohl gemeint war „Ich habe eine Frage“. Deine Antwort klingt dann schärfer, als du sie meinst.
- Wenig Raum für andere
Weil dein Plan steht, fühlen sich andere nicht eingebunden. Sie stimmen im Meeting zu und bringen ihre Bedenken später, beim Kaffee oder in einer Mail an deinen Chef. Dort kannst du nicht mehr darauf reagieren.
- Starr unter Druck
Wenn etwas nicht läuft wie geplant, hältst du am Plan fest, statt umzuschwenken. Du wiederholst dein stärkstes Argument und erwartest, dass es beim dritten Mal überzeugt. Meistens überzeugt es beim dritten Mal weniger als beim ersten.
- Lauter statt klarer
Bei Gegenwind gehst du mit Stimme und Tempo nach oben. Du meinst damit Entschlossenheit. Dein Gegenüber hört Druck und macht zu.
- Zahlen ohne Menschen
Deine Argumente sind sachlich richtig, erreichen aber nicht jeden. Wer im Raum vor allem wissen will, was die Entscheidung für sein Team bedeutet, findet in deiner Vorlage oft keine Antwort darauf.
- Vorbereitet auf den Inhalt, nicht auf den Widerspruch
Du kennst deine Folien in- und auswendig. Auf die drei unangenehmsten Fragen bist du aber oft nicht vorbereitet, weil du deinen Plan für schlüssig hältst. Genau diese Fragen kommen dann.
Woran du merkst, dass eine Stärke kippt
Im Moment selbst ist die Grenze zwischen Stärke und Stolperstein schwer zu sehen. Ein paar Signale helfen dir.
Du hörst dich sagen: „Wie ich vorhin schon gesagt habe …“ Du unterbrichst jemanden, bevor er seinen Einwand fertig formuliert hat. Du merkst, dass dein Kiefer fest wird oder deine Arme verschränkt sind.
Oder ein Signal nach dem Meeting: Alle haben zugestimmt, aber niemand fängt an. Das ist selten Faulheit. Meistens war die Zustimmung nicht echt.
Welches dieser Signale kennst du von dir?
Eine Stärke kippt dort, wo du sie gegen die Menschen im Raum einsetzt statt für die Sache.
Was du nicht ändern musst
Du musst nicht weicher werden. Du musst keine Geschichten erzählen, die nicht zu dir passen, und deine Vorbereitung nicht über Bord werfen.
Was sich lohnt, ist ein einziger Zusatz. Du lernst, mit dem Moment umzugehen, in dem jemand anderer Meinung ist. Darum geht es in den folgenden Kapiteln aus verschiedenen Blickwinkeln: im Meeting, auf der Bühne, als Chef, vor dem Vorstand und unter Druck.