Nervosität und Druck
Man sieht dir die Nervosität selten an
Ein zittriger Einstieg oder eine leise Stimme passen nicht zu dir. Wenn du unter Druck gerätst, merkt man es anders.
Bei dir zeigt sich Druck als mehr Kontrolle. Du sprichst schneller, deine Stimme wird härter, du unterbrichst öfter. Du hältst dich enger an deine Folien und lässt weniger Fragen zu.
Typische Sätze in diesem Zustand sind „Das haben wir eh alles geprüft“ oder „Lassen Sie mich bitte ausreden“. Falsch ist keiner davon. In dem Tonfall, in dem du sie unter Druck sagst, beenden sie aber das Gespräch.
Von außen sieht das nach Entschlossenheit aus. Innen fühlt es sich oft anders an: angespannt, unter Strom, mit dem Gefühl, dass dir die Sache gleich aus der Hand gleitet.
Dich setzt weniger das Publikum unter Druck als der Kontrollverlust
Bei manchen Typen bringt schon der Auftritt selbst die Anspannung. Bei dir ist es eher die Frage, ob die Sache so läuft, wie du sie geplant hast.
Deshalb geht dein Puls oft nicht am Anfang hoch, sondern mittendrin. Bei der ersten kritischen Frage oder in dem Moment, in dem der Geschäftsführer auf die Uhr schaut.
Und vorher? Am Abend vor einem großen Termin gehst du die Präsentation vielleicht noch einmal durch. Du rechnest Varianten nach und feilst an Formulierungen.
Auch danach lässt es dich oft nicht los. Wer so denkt wie du, spielt einen schwierigen Termin am Abend noch einmal durch und formuliert die Antworten, die er hätte geben sollen. Das ist verständlich, ändert aber nichts mehr. Steck die Energie lieber in die Vorbereitung auf die Einwände beim nächsten Mal.
Mehr Vorbereitung beruhigt dich kurzfristig. Gegen das, was dich im Termin unter Druck setzt, hilft sie wenig, weil sich Widerspruch nicht vorausplanen lässt.
Den Ablauf kannst du planen. Den Umgang mit Widerspruch kannst du nur üben.
Was dir im Moment hilft
Wenn du merkst, dass dein Tempo steigt, fang beim Körper an. Atme bewusst länger aus als ein und stell beide Füße fest auf den Boden.
Dann das Tempo. Mach nach der nächsten Frage eine Pause von zwei Sekunden, bevor du antwortest. Für dich fühlt sich das lang an. Für die anderen wirkt es überlegt.
Dann die Stimme. Senke sie am Ende deiner Sätze bewusst ab, statt lauter zu werden. Eine ruhige Satzmelodie klingt bestimmter als eine laute.
Ein Satz, der dir Luft verschafft: „Lassen Sie mich das kurz sortieren.“ Er klingt nach jemandem, der nicht vorschnell antwortet.
Plan B gehört zum Plan
Ein Gedanke passt besonders gut zu deiner Art zu denken. Plane den Fall, dass etwas nicht nach Plan läuft, gleich mit.
Leg vor einem wichtigen Termin fest, wo du nachgeben kannst, ohne dein Ziel zu verlieren. Was ist verhandelbar? Was nicht?
Wenn du das vorher weißt, fühlt sich ein Einwand im Moment nicht mehr an, als würde dein Plan einstürzen. Er ist ein Fall, den du schon durchdacht hast.
Übung
Ruhig bleiben, wenn es anders läuft
- Atme in den fünf Minuten vor deinem nächsten wichtigen Termin zehnmal bewusst länger aus als ein: vier Sekunden durch die Nase ein, sechs bis acht Sekunden langsam aus.
- Schreib auf eine Karte drei Dinge: dein Ziel in einem Satz, was verhandelbar ist und was nicht.
- Nimm dir für den Termin ein einziges Signal vor, auf das du achtest, zum Beispiel: Ich werde schneller.
- Sobald du das Signal bemerkst, machst du die nächste Pause doppelt so lang wie sonst.
- Notier dir danach, wann das Signal gekommen ist. Nach ein paar Terminen erkennst du, welche Momente dich verlässlich unter Druck setzen.