Stärken und Stolpersteine
Deine Stärken kommen aus derselben Quelle
Fast alles, was du gut kannst, hat mit zwei Dingen zu tun. Du denkst an die Menschen im Raum und du bereitest dich vor.
Viele Redner haben eines davon. Du hast beides. Daraus entstehen Auftritte, über die Leute hinterher noch reden.
- Du baust Spannung auf
Deine Präsentationen haben einen Anfang, der neugierig macht, und ein Ende, das hängen bleibt. Einstieg und Schluss sind bei dir nie Zufall. Dazwischen gibt es einen Bogen statt einer Aufzählung.
- Du machst Abstraktes greifbar
Eine Strategie, eine Umstrukturierung, ein neues System: Du findest die Geschichte dazu. Statt „Wir verbessern die Kundenzufriedenheit“ erzählst du von dem Kunden, der dreimal anrufen musste, bis ihm jemand geholfen hat. Das versteht jeder im Raum, auch wer die Zahlen nicht kennt.
- Du bist gut vorbereitet
Du überlässt wenig dem Zufall. Du weißt, was du sagen willst, in welcher Reihenfolge und wie lange es dauert. Wer dich präsentieren lässt, bekommt keinen Auftritt aus dem Stegreif.
- Du nutzt die Bühne
Stimme, Pausen und Gestik setzt du bewusst ein. Du gehst ein paar Schritte, wenn du das Thema wechselst, und wirst leiser, wenn es ernst wird. Vieles davon hast du dir vorher überlegt. Solange du im Fluss bist, wirkt es trotzdem nicht gespielt.
- Du begeisterst für Ziele
Wenn ein Team für etwas Neues gewonnen werden soll, bist du in deinem Element. Du sagst nicht bloß, was sich ändert. Du zeigst, warum es sich lohnt, und die Leute gehen mit dem Gefühl aus dem Raum, dass es um etwas geht.
- Du denkst vom Publikum her
Bevor du eine Folie baust, fragst du dich, wer im Raum sitzt und was diese Leute gerade beschäftigt. Deshalb passen deine Beispiele meistens. Du holst dein Publikum dort ab, wo es steht, statt dort, wo du gern anfangen würdest.
Wo deine Stolpersteine liegen
Jede dieser Stärken hat eine Kehrseite. Sie zeigt sich nicht in jedem Termin, unter Druck aber ziemlich sicher.
- Aus dem Konzept gebracht
Eine unerwartete Frage trifft dich, weil sie im Ablauf nicht vorgesehen war. Du kennst die Antwort, aber du weißt nicht mehr, wo du warst. Der Bogen, den du so sorgfältig gebaut hast, bekommt einen Knick.
- Zu viel Inszenierung
Wenn das Publikum Fakten will, wirkt eine große Geschichte schnell wie Ablenkung. Eine Controllerin, die auf die Zahl wartet, hört deinen Einstieg mit wachsender Ungeduld. Was im Kick-off mit dem Team genau richtig ist, wirkt im Finanzausschuss wie Ausweichen.
- Hoher Vorbereitungsaufwand
Du investierst viel Zeit in jeden Auftritt, auch in solche, die das nicht brauchen. Der Jour fixe am Dienstag bekommt fast dieselbe Sorgfalt wie die Präsentation vor dem Vorstand. Das kostet Abende und es macht dich abhängig davon, dass du genug Zeit zum Vorbereiten hast.
- Keine Kurzfassung
Deine Präsentation hat genau eine Länge: die, die du geplant hast. Wenn jemand sagt „Wir haben leider nur noch fünf Minuten“, fehlt dir eine Fassung, die damit auskommt. Dann kürzt du im Kopf, während du sprichst, und das sieht man.
- Sendemodus in Diskussionen
Wenn du einen Punkt vorbereitet hast, wartest du auf die Gelegenheit, ihn zu bringen. In der Zwischenzeit hörst du weniger genau zu. Dein Beitrag passt dann zu deinem Plan, aber nicht mehr ganz zu dem, was gerade gesagt wurde.
- Der Bruch wird sichtbar
Unter Druck wirkst du schnell angespannt. Das Tempo zieht an, die Stimme geht hoch und die Gesten wirken plötzlich einstudiert. Andere sehen den Unterschied zwischen dem geplanten und dem spontanen Teil. Genau dieser Unterschied kostet dich Glaubwürdigkeit.
Warum du den Plan nicht über Bord werfen solltest
Die naheliegende Reaktion wäre, weniger zu planen und mehr zu improvisieren. Für dich ist das der falsche Weg.
Deine Vorbereitung ist der Grund, warum deine Auftritte funktionieren. Wer dir rät, einfach lockerer zu werden, nimmt dir dein bestes Werkzeug weg und gibt dir nichts dafür.
Sinnvoller ist es, die Vorbereitung zu erweitern. Bisher bereitest du vor, was du sagen willst. In Zukunft bereitest du auch vor, was passiert, wenn dich jemand unterbricht, kritisiert oder abkürzt.
Deine Vorbereitung bleibt. Sie bekommt nur ein Kapitel dazu, für alles, was dazwischenkommt.
Welche Seite überwiegt bei dir gerade?
Geh die beiden Listen noch einmal durch und frag dich bei jedem Punkt: Wann habe ich das zuletzt erlebt?
Bei den Stärken fällt dir vermutlich schnell ein Auftritt ein. Bei den Stolpersteinen vielleicht auch, nur denkst du weniger gern daran zurück.
Gerade dieser zweite Auftritt ist wertvolles Material. Notier dir, in welchem Moment er gekippt ist und was direkt davor passiert ist.
War es eine Frage? Ein Blick auf die Uhr? Ein Einwand, mit dem du nicht gerechnet hast?
Meistens findest du dabei ein Muster. Und für dieses Muster gibt es Werkzeuge, mit denen du beim nächsten Mal anders reagierst.