Präsentationen und Vorträge
Warum du vor Gruppen leiser wirst
Im Gespräch liest du dein Gegenüber ständig. Ein Stirnrunzeln, ein Nicken, ein Blick aufs Handy. Darauf reagierst du, meistens ohne nachzudenken.
Vor zwanzig Leuten bekommst du zwanzig solcher Signale gleichzeitig. Du versuchst, mit allen in Kontakt zu sein. Das kostet enorm viel Energie.
Die Folge kennst du vielleicht. Du wirst leiser, schneller und lächelst mehr, als du willst. Dein Blick springt von Gesicht zu Gesicht und bleibt nirgends.
Sprich zu einer Person, nicht zu allen
Der Ausweg liegt in deiner Stärke. Zu einer Masse sprechen brauchst du gar nicht zu lernen. Du sprichst einfach weiter mit einzelnen Menschen.
Such dir für jeden Gedanken eine Person im Raum. Sprich den ganzen Gedanken zu ihr, bis zum Punkt am Satzende. Dann wechselst du zur nächsten Person, am besten in einem anderen Teil des Raums.
So wird aus der Präsentation eine Reihe kurzer Zweiergespräche. Das kannst du. Und für das Publikum fühlt es sich an, als würdest du jeden Einzelnen meinen.
Achte darauf, auch die Leute in der letzten Reihe dranzunehmen. Wenn du einen Satz bewusst zu jemandem ganz hinten sprichst, wird deine Stimme von allein lauter, ohne dass du dich anstrengen musst.
Ein Gedanke, eine Person. Dann die nächste.
Fang mit einem Menschen an, nicht mit der Agenda
Viele Präsentationen beginnen mit „Ich möchte Ihnen heute drei Punkte vorstellen“. Für dich ist das ein schwacher Start, weil er dich gleich in die Rolle des Vortragenden schiebt.
Steig dort ein, wo du stark bist: bei einer Person und ihrer Situation. „Wenn bei uns heute eine Kundin anruft und ihre Lieferung sucht, landet sie zuerst in der Warteschleife und dann bei der falschen Abteilung.“ Ab diesem Satz hört der Raum zu, weil er sich etwas vorstellen kann.
Auch eine Frage an den Raum liegt dir. Halte sie am Anfang aber so, dass sie mit Handzeichen beantwortet wird. „Wer von Ihnen hat diese Woche schon eine Anfrage weitergeleitet, ohne zu wissen, wer zuständig ist?“ Eine offene Diskussion gleich zu Beginn holt dich aus deiner eigenen Präsentation heraus.
Stand und Pause geben dir Gewicht
Im Sitzen beim Kaffee wirkst du präsent, weil du zugewandt bist. Im Stehen vor einer Gruppe braucht diese Präsenz einen Körper, der Ruhe zeigt.
Stell dich hüftbreit hin, das Gewicht auf beiden Beinen. Die Hände bleiben sichtbar vor dem Körper, nicht im Hosensack. Mehr musst du am Anfang nicht beachten.
Und dann die Pause vor dem ersten Satz. Du stehst, schaust eine Person an, atmest aus und beginnst erst dann.
Zwei Sekunden fühlen sich für dich lang an. Für das Publikum sehen sie nach jemandem aus, der weiß, was er will.
Spontan sprechen, mit festem Anfang und Ende
Du brauchst kein Manuskript und du solltest auch keines auswendig lernen. Das würde dir genau die Lebendigkeit nehmen, die dich stark macht.
Zwei Sätze legst du aber vorher fest: den ersten und den letzten. Der erste bringt dich ins Sprechen, der letzte holt dich sicher heraus. Dazwischen reichen Stichworte.
Für den Mittelteil hilft dir die Drei-Säulen-Struktur. Eine Aussage als Fundament, drei Punkte als Säulen darauf, zu jedem Punkt ein Beispiel.
Beispiele fallen dir ohnehin leicht, weil du von den Menschen her denkst. Die Struktur sorgt dafür, dass sie in einer Reihenfolge kommen.
Eine Falle noch. Du machst aus einer Präsentation gern ein Gespräch und lässt jede Frage sofort zu. Das ist sympathisch, kann dir aber die Führung kosten. Sag am Anfang, wann Fragen Platz haben: „Fragen nehme ich gern nach jedem Teil.“
Übung
Drei Gedanken, drei Sessel
- Nimm eine Präsentation, die bei dir in den nächsten Wochen ansteht, und wähl drei Gedanken daraus.
- Stell drei Sessel in verschiedene Ecken eines Raums, einen davon möglichst weit weg.
- Sprich jeden Gedanken vollständig zu einem Sessel, bis zum Punkt. Erst dann drehst du dich zum nächsten.
- Film dich dabei mit dem Handy, aus der Position des weitesten Sessels.
- Schau dir die Aufnahme an und prüfe: Hört man dich hinten gut? Hast du jeden Satz beendet, bevor du den Blick gewechselt hast?