Als Führungskraft
Im Einzelgespräch führst du fast nebenbei
Viele Führungskräfte fürchten Mitarbeitergespräche. Für dich sind sie oft der angenehmste Teil der Rolle.
Du merkst, wenn jemand unzufrieden ist, bevor er es ausspricht. Deine Leute reden mit dir offen. Dadurch erfährst du früh, wo es im Team hakt, und kannst handeln, bevor es eskaliert.
Das ist echte Führung, auch wenn sie leise passiert. Unterschätz sie nicht.
Vor dem Team klingt deine Entscheidung wie ein Vorschlag
Schwieriger wird es, wenn du vor dem ganzen Team etwas ansagen musst. Eine neue Regel, eine unbeliebte Änderung, eine Entscheidung von oben.
Aus Gewohnheit lädst du zur Diskussion ein. „Wie seht ihr das?“ Das Team hört daraus, dass die Sache noch offen ist. Zwei Wochen später wundern sich alle, warum du an der Entscheidung festhältst.
Trenn deshalb klar, was entschieden ist und wo du die Meinung des Teams wirklich brauchst. Für beides gibt es einen eigenen Satz.
Für Entschiedenes: „Das ist entschieden. Wo ich eure Meinung brauche, ist die Umsetzung.“ Für Offenes: „Dazu habe ich noch keine fertige Meinung. Ich will zuerst eure hören.“
Sag dazu, ob du entscheidest oder fragst.
Feedback, das nicht in Watte verschwindet
Beim Feedback ist deine Rücksicht ein Risiko. Du verpackst Kritik so freundlich, dass dein Gegenüber nur die Verpackung hört.
Hilfreich ist eine einfache Reihenfolge, je ein Satz: was du beobachtet hast, welche Wirkung es hatte, was du dir wünschst.
Zum Beispiel: „Im Kundentermin am Dienstag hast du den Kunden zweimal unterbrochen. Er ist danach deutlich kürzer geworden. Ich möchte, dass du ihn ausreden lässt, auch wenn du die Antwort schon weißt.“
Danach machst du das, was du am besten kannst. Du hörst zu. So bleibt das Gespräch freundlich und die Botschaft ist trotzdem angekommen.
Wenn im Teammeeting zwei aneinandergeraten
Du merkst früh, wenn sich zwischen zwei Leuten etwas zusammenbraut. Ein spitzer Satz, ein Blick zur Seite. Trotzdem wartest du oft, ob es sich von allein legt.
In der großen Runde legt es sich selten. Je länger du wartest, desto mehr Leute müssen zuschauen, wie zwei Kollegen sich verkeilen.
Greif früh ein und nutze dabei dein Zuhören. Fass beide Positionen in je einem Satz zusammen und sag dann, wie es weitergeht.
Zum Beispiel: „Ich höre zwei Anliegen: den Termin halten und die Qualität sichern. Beides ist berechtigt. Wir klären das morgen zu dritt, jetzt geht es mit dem nächsten Punkt weiter.“
Damit nimmst du beide ernst und führst trotzdem. Das ist genau die Mischung, die dir liegt, nur vor Publikum.
Die Ansprache ans ganze Team
Vielleicht beginnst du eine Teamansprache mit „Ich wollte nur kurz …“. Das „nur kurz“ macht deine Botschaft kleiner, bevor sie überhaupt da ist.
Fang mit der Sache an. „Ab Montag gilt für Kundenanfragen eine neue Regel.“ Punkt, Pause, dann die Erklärung.
Und sprich dabei nicht zum Team als Gruppe. Denk an eine bestimmte Person aus deinem Team und sprich so, als würdest du es ihr allein erklären. Dann klingst du wie du selbst, auch vor der ganzen Abteilung.
Übung
Die Ansage in drei Sätzen
- Such dir eine Entscheidung, die du in den nächsten zwei Wochen deinem Team mitteilen musst.
- Schreib drei Sätze: Was ist entschieden? Warum? Wobei brauchst du das Team?
- Sag die drei Sätze laut, im Stehen, ohne „nur“, „eigentlich“ und „vielleicht“. Nimm dich mit dem Handy auf.
- Hör dir die Aufnahme an. Klingt der erste Satz wie eine Entscheidung oder wie eine Bitte um Erlaubnis?
- In der echten Besprechung beantwortest du alle Fragen zur Umsetzung, verhandelst aber die Entscheidung nicht neu.