Nervosität und Druck
Dein Druck hängt am Raum, nicht am Thema
Fachlich macht dir kaum ein Thema Sorgen. Unter vier Augen kannst du über fast alles reden, auch spontan.
Mulmig wird es bei dir aus anderen Gründen. Die Runde ist groß, jemand Ranghohes sitzt am Tisch oder plötzlich schauen alle zu dir. Es ist der Moment, in dem aus einem Gespräch ein Auftritt wird.
Das ist ein wichtiger Unterschied zu Menschen, die vor allem vor dem Inhalt nervös sind. Mehr Vorbereitung bringt dir deshalb wenig. Dir hilft, was den Raum kleiner macht.
So zeigt sich Druck bei dir
Bei dir zeigt sich Druck selten als großes Drama. Er zeigt sich leise.
Deine Stimme wird dünner und schneller. Du nickst und lächelst mehr als sonst.
Deine Sätze enden mit der Stimme nach oben. Dein Blick sucht ein freundliches Gesicht und bleibt dort hängen.
Manchmal kürzt du deinen Beitrag spontan ab, damit du schneller wieder aus der Aufmerksamkeit kommst. Und nach dem Meeting fallen dir die Sätze ein, die du eigentlich sagen wolltest.
Dazu kann das kommen, was viele kennen: Herzklopfen, ein warmer Kopf, ein trockener Mund. Das ist eine normale Reaktion auf Aufmerksamkeit und kein Zeichen, dass du etwas falsch machst.
Was dir vor dem Termin hilft
Mach den Raum kleiner, bevor es losgeht. Komm ein paar Minuten früher und sprich mit zwei, drei Leuten einzeln. Ein kurzer Satz über den Weg her, eine Frage zum Projekt.
Wenn das Meeting beginnt, sitzen dann keine Unbekannten mehr am Tisch. Es sitzen Menschen dort, mit denen du gerade gesprochen hast. Genau dort bist du stark.
Bereite außerdem deinen ersten Satz vor. Nur den ersten, nicht mehr. Er ist die Brücke ins Sprechen, danach kommt deine Spontaneität von allein.
Und in den Minuten davor atmest du bewusst länger aus als ein: vier Sekunden durch die Nase ein, sechs bis acht Sekunden langsam aus, etwa zehnmal. Das geht unauffällig, auch am Besprechungstisch.
Je mehr Menschen du vorher einzeln begegnet bist, desto kleiner wirkt der Raum.
Nach dem Termin kreisen die ungesagten Sätze
Am Abend fällt dir ein, was du hättest sagen sollen. Klar, präzise, genau richtig. Nur eben fünf Stunden zu spät.
Dieses Grübeln kostet dich Kraft und macht den nächsten Termin nicht leichter. Gib dem Satz deshalb eine Aufgabe.
Schreib ihn auf. Ist das Thema noch offen, schick ihn als kurze Nachricht an die Person, die entscheidet: „Mir ist nach dem Meeting noch ein Punkt zum Zeitplan eingefallen.“ Ist es erledigt, wird er dein erster Satz beim nächsten Mal. So wird aus dem Ärger über dich selbst Vorbereitung.
Was dir im Moment selbst hilft
Wenn du merkst, dass deine Stimme dünner wird, sprich zu einer einzelnen Person, nicht in die Runde. Such dir jemanden, der zuhört, und erklär es ihr, als wärt ihr allein.
Spür kurz deine Füße am Boden, bevor du weitersprichst. Das dauert eine Sekunde und holt dich aus dem Kopf zurück in den Raum.
Wenn dir der Faden reißt, sag es ruhig: „Lass mich den Gedanken kurz ordnen.“ Dann eine Pause. Niemand nimmt dir das übel, im Gegenteil: Es wirkt überlegt.
Übung
Den Raum vorher kleiner machen
- Such dir in deinem Kalender eine Besprechung der nächsten zwei Wochen, vor der dir mulmig ist.
- Schreib deinen ersten Satz für diese Besprechung auf und sag ihn dreimal laut.
- Komm fünf Minuten früher und sprich mit mindestens zwei Teilnehmern einzeln, egal worüber.
- Atme in den letzten Minuten davor zehnmal länger aus als ein.
- Sprich deinen ersten Beitrag zu einer der Personen, mit denen du vorher geredet hast.
- Notier danach in einem Satz, was anders war als sonst.