Präsentationen und Vorträge
Deine Präsentation ist fertig, bevor du es bist
Inhaltlich sind deine Präsentationen meist sehr gut. Der Aufbau passt, die Beispiele sind für genau dieses Publikum ausgewählt und die Folien erklären sich selbst.
Was sie schwächt, ist die Anspannung. Der Einstieg zittert, der Blick hängt an den Folien und nach den ersten Sätzen wird die Stimme leiser.
Das Publikum bekommt dann eine gute Präsentation, die unsicher vorgetragen wird. Hängen bleibt leider oft die Unsicherheit.
Wenn der Körper ruhig ist, kommt das, was du vorbereitet hast, auch an.
Warum auswendig lernen dich unsicherer macht
Viele Vermittler lernen den Anfang Wort für Wort, manchmal die ganze Präsentation. Das fühlt sich am Schreibtisch sicher an. Im Termin wird es zur Falle.
Ein auswendig gelernter Text hat nur einen Weg. Kommt eine Zwischenfrage, ein Versprecher oder ein Satz, der dir plötzlich fehlt, ist der Faden weg. Du suchst dann nicht mehr den Inhalt, sondern das nächste Wort.
Dazu kommt die Wirkung. Auswendig gelernte Sätze klingen wie vorgelesen. Damit verlierst du genau das, was dich ausmacht: den Kontakt zu den Leuten im Raum.
Was du stattdessen vorbereitest
Deine Gründlichkeit bleibt. Du steckst sie nur in andere Teile der Präsentation.
Wörtlich bereitest du nur zwei Stellen vor: den ersten und den letzten Satz. Nur die beiden darfst du auswendig können. Am Anfang ist die Anspannung am höchsten, am Ende soll die Kernaussage sitzen.
Für alles dazwischen merkst du dir Stichworte. Pro Folie ein Wort, das dir sagt, worum es geht. Die Formulierung entsteht im Moment und darf jedes Mal ein bisschen anders klingen.
Leg die Stichworte groß geschrieben auf den Tisch oder das Pult. In der Hand wandert ein Zettel unter Anspannung automatisch vor die Augen.
Ein Blick auf die Notiz ist erlaubt: kurz hinschauen, Stichwort lesen, Blick zurück zu den Leuten, erst dann weitersprechen. Für dein Publikum sieht das wie eine Denkpause aus.
Übung
Dreimal anders erzählt
- Nimm eine Präsentation, die in den nächsten zwei Wochen ansteht.
- Schreib den ersten und den letzten Satz wörtlich auf. Für jede Folie notierst du nur ein Stichwort.
- Halte die Präsentation laut und nur mit den Stichworten. Nimm dich dabei mit dem Handy auf.
- Am nächsten Tag hältst du sie noch einmal, bewusst mit anderen Formulierungen. Am dritten Tag ein drittes Mal.
- Hör dir die dritte Aufnahme an. Wo bist du ins Stocken gekommen? Genau dort brauchst du ein besseres Stichwort, keinen ausformulierten Satz.
Mit dem Publikum anfangen, nicht mit dir
Die ersten Sätze sind für dich die schwierigsten. Viele beginnen dann mit sich selbst: „Ich möchte Ihnen heute kurz vorstellen …“ oder „Ich hoffe, man hört mich hinten.“
Damit liegt die Aufmerksamkeit genau dort, wo du sie am wenigsten brauchst, nämlich bei dir. Fang stattdessen mit der Situation deiner Zuhörer an.
„Jedes Quartal sitzt ihr zwei Tage an der Auswertung und am Ende fehlen trotzdem Zahlen.“ Mit so einem Satz sind die Leute sofort bei sich und bei ihrem Alltag.
Für dich ist das ein natürlicher Einstieg, weil du ohnehin vom Publikum her denkst. Du sprichst über das, was du am besten kennst, und das beruhigt dich gleich mit.
Vor großen Gruppen wird deine Stimme kleiner
Im Besprechungsraum mit sechs Leuten passt deine Lautstärke. Im Saal mit vierzig Leuten passt sie nicht mehr, auch wenn sie sich für dich gleich anfühlt.
Sprich für die letzte Reihe. Such dir vor dem Start eine Person ganz hinten aus. Sie soll jedes Wort verstehen.
Für dich fühlt sich das zu laut an. Hinten kommt es gerade richtig an.
Dein Tempo hilft dir dabei. Wenn du langsamer sprichst, fällt es dir leichter, die Lautstärke bis zum Satzende zu halten. Mach nach jeder Folie eine Pause von zwei Sekunden, bevor du weitersprichst.