Als Führungskraft
Dein Team versteht, was du willst
Als Führungskraft hast du einen Vorteil, den viele unterschätzen. Du erklärst Entscheidungen so, dass dein Team sie nachvollziehen kann.
Neue Mitarbeiter schulst du gründlich ein. Eine Veränderung kündigst du nicht einfach an. Du erklärst, was sie für die einzelnen Leute im Team bedeutet.
So räumst du viele Missverständnisse aus, bevor sie zu Ärger werden. Dein Team fühlt sich mitgenommen und weiß, warum es etwas tut.
Wo deine Wertschätzung zu weich wird
Schwierig wird es, wenn du etwas fordern musst, das nicht allen gefällt: eine Deadline, die hält, Kritik an einer Arbeit oder eine Entscheidung gegen den Wunsch des Teams.
Dann wird dein Ton so vorsichtig, dass die eigentliche Botschaft verschwindet. „Wäre es vielleicht möglich, dass wir den Bericht etwas früher bekommen?“ klingt freundlich.
Ob du den Bericht am Donnerstag brauchst, weiß danach niemand.
Klarheit ist keine Härte. Eine klare Erwartung hilft deinem Team, weil es weiß, woran es ist.
Unklarheit dagegen lässt die Leute raten. Wer rät, liegt manchmal daneben.
Klarheit ist eine Form von Wertschätzung.
So klingt eine klare Ansage im ruhigen Ton
Dafür brauchst du weder Lautstärke noch Strenge. Es reicht, wenn drei Dinge im Satz stehen: was, bis wann und warum.
„Ich brauche den Bericht bis Donnerstag, 12 Uhr, weil ich ihn am Nachmittag der Geschäftsführung vorlege.“ Das ist freundlich und lässt nichts offen.
Bei Kritik hilft dir dieselbe Ordnung. Beschreib zuerst, was du beobachtet hast, und dann, was du brauchst: „Im Angebot fehlen die Lieferzeiten. Die brauche ich bei jedem Angebot, bevor es rausgeht.“
Lass das Polster aus „eigentlich“, „vielleicht“ und „ein bisschen“ weg. Jedes dieser Wörter macht den Satz für dich angenehmer und für dein Gegenüber unklarer.
Übung
Die Polsterwörter streichen
- Nimm eine Erwartung, die du diese Woche an jemanden im Team hast und bisher nur angedeutet hast.
- Schreib den Satz so auf, wie du ihn normalerweise sagen würdest.
- Streich alle Wörter wie „eigentlich“, „vielleicht“, „ein bisschen“ und „eventuell“. Ergänze, was fehlt: bis wann und warum.
- Sag den neuen Satz laut, mit der Stimme am Ende nach unten.
- Führ das Gespräch noch diese Woche. Schau danach, ob die Erwartung erfüllt wurde, und notier, was du beim nächsten Mal anders sagst.
Wenn du nach einer Diskussion entscheiden musst
Du lässt dein Team gern mitreden. Alle sollen ihre Sicht einbringen, bevor etwas beschlossen wird. Das ist eine gute Gewohnheit.
Heikel wird es am Ende der Diskussion. Wenn keine Einigung kommt, wartest du oft noch eine Runde und dann noch eine. Dein Team wartet in der Zwischenzeit auf dich.
Mitreden heißt nicht mitentscheiden. Mach am Anfang klar, wer am Ende entscheidet: „Ich will alle Meinungen hören. Die Entscheidung treffe ich dann bis morgen.“
Am Ende sagst du sie in zwei Sätzen: „Ich habe alle Argumente gehört. Wir starten im April, weil bis dahin die neue Kollegin eingeschult ist.“ Wer nicht recht bekommen hat, weiß dann wenigstens, warum.
Vor dem ganzen Team sprechen
Im Einzelgespräch fühlst du dich als Führungskraft sicher. Bei der Ansprache vor der ganzen Abteilung, bei der Betriebsversammlung oder bei der Weihnachtsfeier kommt die bekannte Anspannung zurück.
Dein Team kennt dich. Es erwartet von dir keine Bühnenshow. Es erwartet, dass du sagst, wohin es geht.
Halte solche Ansprachen deshalb kurz: was passiert ist, was jetzt kommt und was du vom Team brauchst. Drei Teile, für jeden ein Stichwort.
Den ersten Satz bereitest du wörtlich vor. Beim Sprechen schaust du in die Gesichter der Menschen, mit denen du täglich arbeitest. Bei ihnen ist das Vertrauen schon da und das macht es leichter, auch vor allen ruhig zu bleiben.