In Meetings
Du hast den Überblick und sagst ihn zu spät
Im Jour fixe hörst du zu. Du merkst, wer wofür ist, wo zwei aneinander vorbeireden und wo der eigentliche Knoten liegt.
Dann meldest du dich. Meistens gegen Ende, meistens mit einer Zusammenfassung: „Wenn ich das richtig verstanden habe, wollen die einen schnell starten und die anderen zuerst die Kosten klären.“
Die Runde ist dankbar. Endlich ist sortiert, worüber man eigentlich redet. Nur dein eigener Vorschlag kommt in diesem Beitrag nicht vor.
Auf Dauer bist du damit die Person, die sortiert. Entscheidungen treffen dann die, die etwas vorschlagen.
Als geplanter Typ willst du erst etwas sagen, wenn dein Gedanke fertig ist. Als zurückhaltender Typ wartest du auf eine Lücke. In lebhaften Runden kommen beide Bedingungen selten gleichzeitig.
Dazu kommt deine Rücksicht. Du willst niemandem ins Wort fallen und niemanden übergehen. Das ist anständig.
Es führt aber dazu, dass die Lauteren die Richtung festlegen, bevor du dich gemeldet hast. Dann fasst du am Ende eine Diskussion zusammen, deren Ergebnis schon feststeht.
Zusammenfassen und dann einen Satz dazu
Dafür brauchst du dich nicht zu verbiegen. Du hängst an deine Zusammenfassung einen einzigen Satz an: was du vorschlägst.
So klingt es, wenn der Vorschlag fehlt: „Also, ich sehe bei beiden Seiten gute Punkte. Vielleicht könnten wir uns das noch einmal anschauen.“
So klingt es mit Vorschlag: „Ich höre zwei Positionen, schnell starten oder erst die Kosten klären. Ich schlage vor, wir starten mit dem Pilotprojekt in Graz und klären die Kosten bis Monatsende.“
Der zweite Beitrag ist kaum länger. Er endet mit einer Aussage, über die man entscheiden kann.
Erst zusammenfassen, dann vorschlagen. Ein Satz reicht.
Den ersten Beitrag vorbereiten
Deine Stärke ist die Vorbereitung. Nutz sie auch für Besprechungen und nicht nur für Präsentationen.
Für ein wichtiges Meeting brauchst du keine Folien. Du brauchst einen Satz, den du in den ersten Minuten sagst. Wer sich früh einmal gemeldet hat, steigt später leichter wieder ein.
Übung
Der vorbereitete erste Satz
- Nimm die nächste Besprechung in deinem Kalender, in der eine Entscheidung fällt.
- Schreib am Vortag deine Position zu einem Tagesordnungspunkt in einen Satz, höchstens 15 Wörter. Beginn mit „Ich schlage vor …“ oder „Ich bin dafür, dass …“.
- Sag den Satz zweimal laut, am besten im Stehen. So klingt er im Meeting nicht zum ersten Mal.
- Bring ihn in den ersten zehn Minuten der Besprechung ein, auch wenn die Diskussion noch nicht ganz an diesem Punkt ist.
- Notier dir danach: Wurde dein Vorschlag aufgegriffen? Wie leicht ist es dir später gefallen, dich noch einmal zu melden?
Sätze, die deine Position sichtbar machen
Die folgenden Formulierungen passen zu deinem ruhigen Stil. Lauter werden musst du dafür nicht.
„Ich fasse kurz zusammen und sage dann, wofür ich bin.“ Damit kündigst du deine Position an und niemand hält die Zusammenfassung für das Ende deines Beitrags.
„Mein Vorschlag ist …“ statt „Man könnte eventuell …“. Das Wort „mein“ zeigt, dass du dahinterstehst.
„Bevor wir zum nächsten Punkt gehen, möchte ich etwas ergänzen.“ So holst du dir das Wort, ohne jemanden zu unterbrechen.
Achte am Satzende auf deine Stimme. Geht sie nach oben, klingt dein Vorschlag wie eine Frage. Geht sie nach unten, klingt er wie eine Aussage, die man annehmen oder ablehnen kann.
Wenn sich zwei festgefahren haben
Zwei Kollegen streiten seit zwanzig Minuten über denselben Punkt. Alle anderen schauen auf ihre Laptops. In solchen Momenten bist du oft die Person, die den Knoten lösen könnte.
Dein Reflex ist, beide Seiten zu würdigen und zu hoffen, dass sie sich einigen. Das beruhigt die Stimmung. Eine Lösung bringt es selten.
Bau eine Brücke mit Richtung. „Ihr wollt beide, dass der Kunde im März beliefert wird. Ich schlage vor, wir liefern zuerst die Standardteile und klären die Sonderanfertigung bis Freitag.“
Das gemeinsame Ziel ist der erste Satz, dein Vorschlag der zweite. So bleibst du die Person, die verbindet, und wirst gleichzeitig die, die weiterhilft.