MenschenGeplantZurückhaltend

Rhetorik-Typ

Vermittler

Brückenbauer · zurückhaltend

Du erklärst verständlich und wertschätzend und bereitest dich dafür sorgfältig vor.

Nervosität und Druck

Bei dir beginnt der Druck Tage vorher

Manche spüren die Nervosität erst, wenn sie vorne stehen. Bei dir beginnt sie oft, sobald der Termin im Kalender steht.

Tage vorher kreisen die Gedanken. Du gehst die Präsentation beim Einschlafen durch, unter der Dusche, auf dem Weg ins Büro.

Kurz vorher geht der Puls hoch, die Hände werden feucht und der Mund trocken. Im Termin selbst zeigt sich die Anspannung dann so, wie andere sie sehen: Du wirst leiser, schneller oder klammerst dich an deine Notizen.

Das ist keine Schwäche deines Charakters. Dein Körper reagiert auf eine Situation, die er als Prüfung erlebt. Das ist normal und du kannst es beeinflussen.

Warum mehr Vorbereitung dich nicht ruhiger macht

Dein erster Reflex gegen Nervosität ist Vorbereitung. Noch eine Folie prüfen, noch einmal durchgehen, noch einen Satz auswendig lernen.

Das hilft beim Inhalt. Gegen den Puls hilft es kaum, weil der Puls nicht auf deine Folien reagiert. Er reagiert darauf, wie viel dir der Moment bedeutet und wie viele Menschen zuschauen.

Bei dir kommt etwas dazu. Weil du so sehr an dein Publikum denkst, denkst du unter Druck auch daran, was das Publikum über dich denkt.

Merken sie, dass ich nervös bin? Halten sie mich für unsicher?

Diese Fragen ziehen deine Aufmerksamkeit von den Menschen weg und hin zu dir selbst. Genau dort fehlt sie dann beim Erklären.

Den Inhalt sicherst du mit Vorbereitung, den Puls mit deinem Körper.

Am Vorabend Schluss machen, kurz vorher den Körper beruhigen

Weil deine Gedanken schon Tage vorher kreisen, hilft dir eine klare Grenze für die Vorbereitung.

Leg fest, wann die Präsentation fertig ist, zum Beispiel am Vortag um 17 Uhr. Danach wird nichts mehr geändert, auch keine Kleinigkeit auf Folie zwölf.

Schreib zum Abschluss auf einen Zettel, was du sagen willst: deinen ersten Satz, deine drei wichtigsten Punkte und deinen letzten Satz. Dann klappst du den Laptop zu.

Wenn dir am Abend die Präsentation wieder in den Kopf kommt, schau auf den Zettel statt auf die Folien. Er erinnert dich daran, dass alles da ist, was du brauchst.

Am Tag selbst geht es dann um den Körper. Am meisten bringt die folgende Übung vor dem Termin, nicht erst dann, wenn der Puls schon oben ist.

Sie ist unauffällig. Du kannst sie am Gang machen, im Auto oder auf dem Sessel vor dem Besprechungsraum.

Übung

Länger aus als ein

  1. Such dir in den fünf Minuten vor deinem nächsten wichtigen Termin einen ruhigen Platz, im Stehen oder im Sitzen.
  2. Atme vier Sekunden durch die Nase ein.
  3. Atme sechs bis acht Sekunden langsam aus, also deutlich länger, als du eingeatmet hast.
  4. Wiederhole das zehnmal.
  5. Übe die Atmung ein paar Tage lang auch ohne Termin, zum Beispiel nach dem Mittagessen. Dann fällt sie dir im Ernstfall leichter.

Während des Auftritts die Aufmerksamkeit nach außen lenken

Im Termin selbst hilft dir deine größte Stärke. Richte deine Aufmerksamkeit auf die Frage, die du dir beim Erklären sowieso stellst: Kommen die Leute mit?

Schau in die Gesichter und prüf, ob sie verstehen. Wer damit beschäftigt ist, hat weniger Platz für die Frage, wie er selbst gerade wirkt.

Sprich den ersten Satz bewusst langsamer, als es sich richtig anfühlt. Unter Anspannung wirst du schneller. Ein ruhiges Tempo am Anfang gibt dir den Rhythmus für alles danach.

Wenn du merkst, dass deine Stimme dünner wird, mach eine kurze Pause, atme lang aus und sprich dann weiter. Im Raum wirkt das meistens wie eine Denkpause.

Schritt für Schritt in größere Runden

Sicherheit entsteht durch Tun. Such dir deshalb bewusst kleine Gelegenheiten, in denen du vor anderen sprichst, und steigere sie langsam.

Fang dort an, wo es dir leichter fällt, zum Beispiel mit einem vorbereiteten Beitrag im Jour fixe. Danach kommt ein kurzer Bericht in der Abteilungsrunde, später eine Präsentation vor einer größeren Gruppe.

Jede dieser Situationen zeigt deinem Körper, dass der Moment vor anderen auszuhalten ist.

Das Ziel ist dabei nicht null Nervosität. Ein gutes Maß an Anspannung hält dich wach und aufmerksam. Es soll dir nur nicht mehr den Zugang zu dem versperren, was du weißt.

Typ Vermittler: Diese Menschen kennst du vielleicht

Unsere Einschätzung nach öffentlichen Auftritten. Diese Menschen haben den Test nicht gemacht.

Hugo Portisch
Warum?

erklärte Zeitgeschichte so, dass sie jeder verstand, ruhig und gut vorbereitet

Ranga Yogeshwar
Warum?

übersetzt Wissenschaft mit Alltagsbeispielen für ein breites Publikum

Mai Thi Nguyen-Kim
Warum?

erklärt Wissenschaft klar, gut vorbereitet und mit Beispielen aus dem Alltag

Harald Lesch
Warum?

übersetzt Physik in Bilder, die jeder versteht

David Attenborough
Warum?

erzählt ruhig und genau, sodass man ihm stundenlang zuhören kann

Jane Goodall
Warum?

spricht ruhig und warm und baut ihre Vorträge auf Geschichten auf

Peter Lustig
Warum?

erklärte Kindern die Welt geduldig, anschaulich und gut vorbereitet

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