Stärken und Stolpersteine
Deine Stärken sieht man nach zehn Minuten
Manche Stärken muss man erst entdecken. Deine nicht. Wer dich zehn Minuten in einer Besprechung erlebt, weiß, was du kannst.
Die folgenden sechs Punkte beschreiben, was dir leichter fällt als vielen anderen. Prüf bei jedem, ob du ihn bewusst einsetzt oder ob er einfach passiert.
- Du bist schlagfertig
Auf eine Frage hast du meistens sofort eine Antwort, die sitzt. Du musst nicht um Bedenkzeit bitten und kommst auch dann nicht ins Schwimmen, wenn die Frage aus einer unerwarteten Richtung kommt. In Diskussionen ist das ein echter Vorteil, weil das Fenster für eine Antwort oft nur ein paar Sekunden offen ist.
- Du argumentierst mit Substanz
Deine Beiträge stehen auf Zahlen, Fakten und Logik. Wer dir widersprechen will, braucht bessere Gründe als ein Bauchgefühl. Das zwingt die ganze Runde, genauer zu denken.
- Du traust dich zu widersprechen
Du sprichst Probleme an, die andere lieber übergehen, auch wenn der Vorschlag vom Chef kommt. Damit verhinderst du Fehler, die sonst erst Monate später auffallen. Dann kosten sie richtig Geld.
- Du bringst Entscheidungen voran
Wo andere noch abwägen, liegt von dir schon ein Vorschlag auf dem Tisch. Runden, die sich im Kreis drehen, kommen durch dich wieder in Bewegung. In Projekten unter Zeitdruck holt man dich deshalb gern dazu.
- Du denkst im Gespräch
Du brauchst kein Manuskript, um klug zu klingen. Gegenbeispiele, Vergleiche und Zahlen fallen dir ein, während du sprichst. Wenn sich die Lage im Meeting dreht, drehst du mit.
- Du hältst Gegenwind aus
Kritik wirft dich selten aus der Bahn. Ein scharfer Einwand weckt bei dir eher Interesse als Unruhe. Wo andere sich wegducken, gehst du hinein.
Wo deine Stärken zu Stolpersteinen werden
Die Stolpersteine des Debattierers sind keine Schwächen im üblichen Sinn. Es sind deine Stärken, nur zu viel davon oder im falschen Moment.
Das macht sie schwer zu sehen. Du erlebst dich ja als sachlich und engagiert. Die Wirkung bemerkst du oft erst an Reaktionen, die ausbleiben.
- Zu viele Argumente
Du bringst alles, was dir einfällt, statt das stärkste auszuwählen. Jedes Argument für sich stimmt, aber in der Menge geht das beste unter. Zwei, drei Gründe kann sich ein Publikum merken. Bei zehn bleibt oft keiner hängen.
- Kein roter Faden
Frei gesprochen springst du von Punkt zu Punkt, je nachdem, was dir gerade einfällt. Für dich ergibt das Sinn, weil du die Verbindungen im Kopf hast. Dein Publikum sieht nur die Sprünge.
- Zu hart im Ton
Was für dich eine sachliche Diskussion ist, erleben andere als Angriff. Ein „Das stimmt so nicht“ vor versammelter Runde trifft die Person, auch wenn du nur die Sache gemeint hast. Wer sich vorgeführt fühlt, hört deinen Argumenten nicht mehr zu.
- Gewinnen statt überzeugen
Manchmal geht es dir in einer Diskussion mehr ums Rechthaben als um das Ergebnis. Du setzt dich durch, aber der andere ist danach nur leiser, nicht überzeugt. Ein Ja, das so zustande kommt, hält selten bis zur Umsetzung.
- Wenig Platz für andere
Weil du schnell bist, sprichst du oft als Erster und am längsten. Ruhigere Kollegen warten auf eine Lücke, die nicht kommt. Ihre Ideen gehen verloren und irgendwann melden sie sich gar nicht mehr.
- Unterschätzte Vorbereitung
Weil du spontan gut bist, bereitest du dich selten vor. Für die meisten Besprechungen reicht das. Vor einem Vorstand, der in zehn Minuten entscheiden will, fehlt dann der eine klare Satz, den man nur vorher findet.
Dasselbe Verhalten in anderer Dosis
Leg die beiden Listen nebeneinander. Schlagfertigkeit und zu viele Argumente kommen aus derselben Quelle: Dir fällt schnell viel ein. Beim Mut zum Widerspruch und beim harten Ton ist es genauso.
Daraus folgt etwas Entlastendes. Du brauchst kein anderes Naturell, um wirksamer zu sprechen. Es reicht, wenn du dosierst.
Dosieren heißt vor allem auswählen. Welches Argument bringst du, welches hebst du dir auf? Wann widersprichst du sofort, wann erst nach einer Rückfrage?
Heute triffst du diese Entscheidungen meistens nicht bewusst. Sie passieren einfach, im Tempo deines Kopfes.
Wer auswählt, wirkt stärker als jemand, der alles sagt.
Woran merkst du, welche Seite gerade überwiegt?
Ein paar Signale helfen dir, im Moment zu erkennen, ob deine Stärke gerade kippt.
Du bist beim vierten Argument und noch keiner nickt. Jemand schaut demonstrativ auf die Uhr. Dein Gegenüber antwortet nur noch mit „Ja, eh“ und schaut auf den Tisch.
Spätestens dann ist es Zeit aufzuhören. Ein Satz zum Abschluss, eine Frage an die Runde, dann still sein.
Am Anfang fühlt sich das an, als würdest du etwas verschenken. In Wahrheit gewinnst du damit Gehör für deinen nächsten Beitrag.
Welches dieser Signale kennst du aus deiner letzten Besprechung?