Nervosität und Druck
Bei dir sieht Druck anders aus
Wenn du an Nervosität denkst, denkst du vielleicht an zittrige Hände und einen leeren Kopf. Das kennst du womöglich kaum. Auftritte machen dir in der Regel wenig aus.
Druck zeigt sich bei dir trotzdem, nur in einer anderen Form. Du sprichst schneller und lauter und bringst noch ein Argument und noch eins.
Der Kopf liefert unter Druck mehr Gedanken statt weniger. Bei manchen Typen ist der leere Kopf das Problem.
Bei dir ist es der übervolle.
Unter Druck wird dein Kopf nicht leer, sondern zu voll.
Wann steigt bei dir der Druck?
Die große Bühne ist es selten. Eher sind es Momente, in denen du nicht so mitreden kannst, wie du willst.
Jemand aus der Chefetage würgt dich ab. Dir fehlt eine Zahl, die du sonst immer parat hast. Oder du merkst, dass du eine Diskussion verlierst, obwohl du recht hast.
Auch das Gefühl, nicht gehört zu werden, setzt dich unter Druck. Dann versuchst du, mit mehr Nachdruck durchzukommen. Genau das macht es meistens schlimmer.
Manchmal ist es sogar umgekehrt. Ein Termin, in dem du nur zuhören sollst und nicht mitreden darfst, kann dich mehr anstrengen als jede hitzige Diskussion.
Wenn Spontanität zur Falle wird
Weil dir spontan viel einfällt, verlässt du dich darauf. Meistens zu Recht. Aber gerade vor den Terminen, auf die es ankommt, ist dein Kopf mit vielem anderen beschäftigt.
Dann stehst du vor dem Vorstand. Die Gedanken, die sonst von allein kommen, kommen plötzlich alle gleichzeitig. Du sortierst im Sprechen.
Und man hört es.
Zehn Minuten vorher reichen, um das zu verhindern. Schreib deinen ersten Satz auf, deinen letzten und die zwei Gründe dazwischen. Mehr Vorbereitung brauchst du nicht, weniger aber auch nicht.
Woran du merkst, dass du kippst
Bevor du in den Modus kippst, in dem du nur noch gewinnen willst, gibt es Signale. Wenn du sie kennst, kannst du gegensteuern, bevor es die anderen merken.
- Tempo
Du sprichst schneller als sonst und lässt zwischen den Sätzen keine Pausen mehr.
- Unterbrechen
Du fällst anderen ins Wort, bevor sie ihren Satz beendet haben, weil du die Antwort schon zu kennen glaubst.
- Wiederholen
Du sagst denselben Punkt zum zweiten oder dritten Mal, nur lauter.
- Haltung
Du beugst dich nach vorn, die Stimme geht nach oben, die Hände werden schneller.
Was dir im Moment hilft
Eines dieser Signale reicht, um kurz innezuhalten. Dann hilft vor allem eines: langsamer werden. Im Kopf gelingt dir das unter Druck kaum, mit dem Körper schon.
Atme einmal bewusst länger aus als ein, bevor du antwortest. Ein langes Ausatmen dauert vier, fünf Sekunden und fällt niemandem auf. Es nimmt das Tempo aus deinem nächsten Satz.
Senk dann die Stimme am Satzende ab, wie bei einem Punkt. Eine ruhige Aussage wirkt unter Druck stärker als drei schnelle Argumente.
Und sag einen Satz weniger, als du sagen willst. Wenn du merkst, dass du kippst, ist dein bestes Argument meistens schon gefallen.
Ein gewisser Druck gehört dazu und hält dich wach. Ziel ist, dass du ihn steuerst und er nicht dich.
Übung
Der Ankersatz
- Schreib vor einem Termin, bei dem es hitzig werden könnte, deine Kernaussage in einem Satz auf.
- Leg dir den Satz sichtbar hin, auf den Block oder als erste Zeile in deine Notizen.
- Bemerkst du eines der Signale, atme einmal lang aus und sprich nur diesen einen Satz, ruhig und mit der Stimme nach unten.
- Stell danach eine Frage an dein Gegenüber, statt ein neues Argument zu bringen.
- Notier nach dem Termin, wann du den Ankersatz gebraucht hast und was danach im Gespräch passiert ist.