SacheSpontanRaumgreifend

Rhetorik-Typ

Debattierer

Scharfdenker · raumgreifend

Du denkst schnell, argumentierst gern und scheust keine Auseinandersetzung.

Fragen, Einwände und Kritik

?!??

Gegenwind ist dein Terrain

Andere fürchten die kritische Frage. Du freust dich manchmal fast darauf. Ein Einwand ist für dich die Gelegenheit zu zeigen, dass du dein Thema durchdacht hast.

Das ist ein großer Vorteil. Du bleibst bei Gegenwind sprechfähig, wo andere ins Stocken kommen.

Die Gefahr liegt woanders.

Du willst jede Diskussion gewinnen.

Wer jeden Einwand widerlegt, gewinnt vielleicht die Runde. Aus Gesprächspartnern werden dabei aber Gegner. Und Gegner suchen beim nächsten Mal nach deinem Fehler, statt dir zuzuhören.

Recht geben und zum Punkt zurückkehren

Manchmal ist es klüger, einem Einwand recht zu geben. Das kostet dich weniger, als es sich anfühlt. Fast jeder Einwand enthält einen Teil, der stimmt.

Das Muster hat drei Schritte. Du gibst dem stimmigen Teil recht, du ordnest ihn ein und du kehrst zu deinem Punkt zurück.

Zum Beispiel: „Da hast du recht, die Schulung kostet uns zwei Wochen. Die holen wir in drei Monaten wieder herein. Deshalb bleibe ich beim Umstieg im Frühjahr.“

Schwach wäre an dieser Stelle die Gegenoffensive: „Das stimmt so nicht, erstens … zweitens … drittens …“ Selbst wenn alle drei Punkte stimmen, hört dein Gegenüber nur, dass es verloren hat.

Ein Einwand, dem du recht gibst, ist entschärft. Einer, den du widerlegst, kommt wieder.

Welche Konter-Technik passt zu dir?

Die vier Konter-Techniken der Schlagfertigkeit helfen bei schwierigen Fragen und Bemerkungen: Kurz und knapp, Umdefinieren, Rückfragen, Ebene wechseln. Als Debattierer brauchst du nicht alle gleich dringend.

Kurz und knapp ist für dich die schwerste Stufe, obwohl sie die einfachste ist. Ein Satz, ein Statement, Punkt.

„Ist das nicht viel zu teuer?“ „Nein, es rechnet sich im ersten Jahr.“ Dann schweigen. Die Zahlen bringst du erst, wenn jemand danach fragt.

Umdefinieren liegt dir ohnehin, weil du gern in Gegenargumenten denkst. Hier gilt nur eine Grenze: eine Umdeutung, nicht drei hintereinander.

Rückfragen bremsen dein Tempo auf gute Art. Statt sofort zu widerlegen, fragst du nach: „Was genau ist zu teuer, die Anschaffung oder der laufende Betrieb?“ Oft ist der Einwand dann viel kleiner, als er geklungen hat. Und du hast die zwei Sekunden gewonnen, in denen du sonst schon ausgeholt hättest.

Ebene wechseln hilft dir, wenn eine Sachdiskussion persönlich wird. Statt die Sachfrage zum dritten Mal auszufechten, sprichst du an, worum es eigentlich geht: „Ich glaube, beim Ziel sind wir uns einig. Wir streiten über den Weg. Schauen wir uns den morgen mit den Zahlen an.“

Wenn du die Antwort nicht weißt

Für einen Debattierer ist das ein unangenehmer Moment. Du bist es gewohnt, auf alles eine Antwort zu haben. Also improvisierst du, schätzt eine Zahl oder argumentierst um die Lücke herum.

Das geht oft gut.

Wenn nicht, kostet es dich mehr Glaubwürdigkeit als ein ehrliches „Weiß ich nicht“.

Sag klar, was du weißt, was nicht und wann du nachlieferst: „Die genaue Zahl habe ich nicht im Kopf. Ich schicke sie Ihnen bis morgen Mittag.“ Wer so antwortet, wirkt sicherer als jemand, der um jeden Preis eine Antwort liefert.

Wenn die Kritik dich selbst meint

Bei Kritik an deiner Sache bist du souverän. Schwieriger wird es, wenn jemand deinen Stil kritisiert. „Du lässt ja niemanden ausreden.“ Oder: „Mit dir kann man nicht diskutieren.“

Dein Reflex ist, auch das zu widerlegen. Damit bestätigst du den Vorwurf im selben Moment.

Besser ist eine Frage: „Wann hast du das zuletzt so erlebt?“ Dann hörst du zu. Du musst der Kritik nicht zustimmen, um sie ernst zu nehmen.

Oft steckt hinter so einem Satz eine konkrete Situation, in der sich jemand übergangen gefühlt hat. Kennst du sie, kannst du beim nächsten Mal anders reagieren. Und dein Gegenüber merkt, dass du auch zuhören kannst, wenn es unbequem wird.

Übung

Ein Einwand, ein Satz

  1. Nimm ein Vorhaben, das du gerade vertrittst, und schreib die drei Einwände auf, die du am häufigsten dazu hörst.
  2. Formulier zu jedem Einwand eine Antwort in einem einzigen Satz. Kein „erstens“, kein „außerdem“.
  3. Stell vor jede Antwort einen kurzen Satz, mit dem du dem stimmigen Teil des Einwands recht gibst.
  4. Sprich die drei Antworten laut, am besten als Sprachnachricht an dich selbst. Hör sie dir an und kürze alles, was länger als zwei Sätze ist.
  5. Nutz in dieser Woche bei jedem echten Einwand mindestens einmal das Muster: recht geben, ein Satz, zurück zum Punkt.

Typ Debattierer: Diese Menschen kennst du vielleicht

Unsere Einschätzung nach öffentlichen Auftritten. Diese Menschen haben den Test nicht gemacht.

Christopher Hitchens
Warum?

war für seine schlagfertigen Debatten bekannt, mit Fakten und scharfen Argumenten

Armin Wolf
Warum?

fragt in Interviews hartnäckig nach und reagiert spontan auf jede Ausweichbewegung

Marcel Reich-Ranicki
Warum?

urteilte im Literarischen Quartett schnell, scharf und mit großer Lust am Streit

Elke Heidenreich
Warum?

vertritt ihre Meinung über Bücher lebhaft und ohne Umschweife

Richard David Precht
Warum?

argumentiert in Talkshows schnell und hält auch bei Gegenwind dagegen

Harald Schmidt
Warum?

kommentierte das Tagesgeschehen spitz und reagierte schlagfertig auf jede Vorlage

Gordon Ramsay
Warum?

sagt direkt, was er denkt, und reagiert ohne Zögern

Wie wirkst du wirklich?

Der Test zeigt, wie du dich selbst siehst. Im kostenlosen Analysegespräch schauen wir uns an, wie du auf andere wirkst, und du bekommst einen konkreten Plan für deinen nächsten wichtigen Auftritt.

Kostenloses Analysegespräch sichern →