Präsentationen und Vorträge
Du willst nichts weglassen
Du präsentierst gern frei. Folien sind für dich eine Gedächtnisstütze und kein Drehbuch. Fragen aus dem Publikum stören dich nicht, sie machen dir eher Spaß.
Wo es bei dir hakt, ist die Auswahl. Du hast zu einem Thema zwölf gute Punkte und willst keinen davon opfern. Jeder Punkt kommt dir vor wie ein Beweisstück, das fehlt, wenn du es weglässt.
Dein Publikum sieht das anders. Es will wissen, was es tun oder entscheiden soll. Jeder zusätzliche Punkt macht diese Antwort schwerer zu finden.
Dazu kommt die Zeit. Zwölf Punkte in zwanzig Minuten heißt, dass keiner mehr als eineinhalb Minuten bekommt. Für keinen davon reicht das, um zu überzeugen.
Eine Kernaussage und höchstens drei Gründe
Eine Präsentation mit einer Kernaussage und drei Argumenten überzeugt mehr als eine mit zehn. Für dich klingt das wahrscheinlich nach Verschwendung. Das Gegenteil ist der Fall.
Die Kernaussage ist ein Satz mit höchstens 15 Wörtern. Er sagt, was du willst, und nicht, worüber du sprichst.
„Ich stelle die Ergebnisse der Kundenbefragung vor“ ist ein Thema. „Wir sollten die Hotline auf Samstag ausweiten, weil dort die meisten Beschwerden entstehen“ ist eine Kernaussage.
Mit diesem Satz fängst du an und mit diesem Satz hörst du auf. Dazwischen stehen die zwei oder drei Gründe, die ihn am besten stützen.
Das gilt auch für dein Lieblingsargument.
Was die Kernaussage nicht stützt, fliegt raus, egal wie gut es ist.
Was du streichst, ist nicht verloren
Der Trick für dich als Debattierer ist die Reserve. Die Argumente, die du streichst, verschwinden nicht. Sie wandern in den Anhang oder auf einen Zettel neben dem Laptop.
Kommt eine Zwischenfrage, holst du genau das passende Argument heraus. Das wirkt stärker, als hättest du es vorher nebenbei erwähnt. Du zeigst, dass du mehr weißt, als du gesagt hast.
Zwischenfragen liegen dir ohnehin. Mit einer Reserve im Rücken werden sie zum Heimspiel.
Zwischenfragen als kurzer Abstecher
Die Gefahr bei Zwischenfragen liegt bei dir woanders. Aus einer Antwort wird ein kleiner Vortrag im Vortrag. Nach fünf Minuten weiß dein Publikum nicht mehr, wo ihr vorher wart. Und du oft auch nicht.
Antworte deshalb in höchstens drei Sätzen und schlag danach selbst die Brücke zurück: „Damit sind wir wieder beim zweiten Punkt, den Kosten.“
Führt eine Frage weit weg vom Thema, darfst du sie parken: „Das nehme ich gern nach der Präsentation mit Ihnen auf, damit wir jetzt im Zeitplan bleiben.“ Für dich fühlt sich das vielleicht wie Ausweichen an. Dein Publikum sieht darin, dass du den Ablauf im Griff hast.
So hältst du frei gesprochen den roten Faden
Frei sprechen heißt bei dir oft, dem nächsten Gedanken zu folgen. Das macht den Vortrag lebendig, bis du merkst, dass du bei Punkt zwei bist und die Zeit fast um ist.
Hilfreich ist die Drei-Säulen-Struktur. Das Fundament ist deine Fokusfrage, darauf stehen drei Hauptpunkte als Säulen, in jeder ein Beispiel oder eine Zahl.
Mehr musst du dir nicht merken. Drei Wörter auf einer Karteikarte reichen.
Für dich hat diese Struktur einen großen Vorteil. Sie lässt dir beim Formulieren alle Freiheit. Du legst nur fest, worüber du sprichst, und nicht, wie.
Nach jedem Hauptpunkt kehrst du kurz zur Kernaussage zurück. Ein Satz genügt: „Deshalb Samstag.“ So weiß dein Publikum jederzeit, wo ihr gerade steht, und du auch.
Übung
Die Streichliste
- Nimm deine nächste Präsentation oder eine, die du in letzter Zeit gehalten hast.
- Schreib alle Argumente auf, die du bringen willst, jedes in eine eigene Zeile. Zähl sie.
- Formulier darüber deine Kernaussage in höchstens 15 Wörtern.
- Markier die drei Argumente, die diese Kernaussage am stärksten stützen. Alle anderen kommen in die Reserve.
- Halt die Präsentation einmal laut, nur mit diesen drei Argumenten, und stopp die Zeit.
- Frag danach eine Kollegin, was sie sich gemerkt hat. Deckt sich ihre Antwort mit deiner Kernaussage, passt die Auswahl.