Präsentationen und Vorträge
Warum deine Folien zu voll sind
Hinter einer Präsentation stecken bei dir oft Tage Arbeit. Analysen, Varianten, Rechenwege. Es fühlt sich falsch an, davon nur einen Bruchteil zu zeigen.
Dein Publikum hat aber nur diesen einen Termin. Es kann nicht zurückblättern und nicht in Ruhe nachrechnen.
Jede zusätzliche Zahl auf der Folie konkurriert mit der Zahl, auf die es ankommt.
Ein Weg, der zu deiner Gründlichkeit passt, ist ein Anhang. Alles, was stimmt, aber nicht zur Kernaussage gehört, kommt dorthin. Es ist nicht verloren. Es wartet auf die Rückfrage.
Der Anhang ist der Platz für alles, was stimmt, aber nicht gesagt werden muss.
Vom Manuskript zum Gerüst
Auswendig lernen gibt dir das Gefühl von Kontrolle. In Wahrheit macht es dich von einem einzigen Wortlaut abhängig. Fehlt ein Wort, fehlt der Satz und mit dem Satz oft der ganze Absatz.
Ein Gerüst funktioniert anders. Du lernst nicht die Sätze, sondern die Reihenfolge der Gedanken.
So baust du es: Oben steht deine Kernaussage in einem Satz. Darunter drei Punkte, die sie stützen. Zu jedem Punkt ein Beleg, eine Zahl oder ein Beispiel.
Im Grunde ist das die Drei-Säulen-Struktur: eine Aussage als Fundament, wenige Hauptpunkte als Säulen, je ein Beispiel. Die Ordnung kennst du eh aus deinen Unterlagen. Neu ist nur, dass du sie im Kopf hast statt auf dem Papier.
Auswendig lernst du genau zwei Sätze, den ersten und den letzten. Der erste bringt dich gut hinein. Der letzte sorgt dafür, dass du am Ende nicht ausfranst.
Ein erster Satz, der dir Halt gibt
Präsentationen deines Typs beginnen oft mit der Agenda. „Ich gebe Ihnen zuerst einen Überblick über die Ausgangslage, dann …“ Das ist ordentlich. In diesen ersten Sekunden ist deine Anspannung aber am höchsten und so ein Satz hilft dir nicht.
Beginne stattdessen mit deiner Kernaussage oder mit der Frage, die deine Präsentation beantwortet. „Wir können die Lieferzeit um eine Woche verkürzen. Ich zeige Ihnen, wie.“
Den Satz kennst du in- und auswendig. Er gibt dir am Anfang Halt und dem Publikum sofort eine Richtung. Die Agenda kann danach kommen, falls du sie überhaupt brauchst.
Blick und Stimme, wenn du vorne stehst
Wenn die Anspannung steigt, sucht dein Blick Halt. Den findet er auf der Folie. Dann sprichst du zur Wand und die Stimme wird leiser.
Hilfreich ist eine feste Reihenfolge. Zur Folie schauen, dich zum Publikum drehen, sprechen. Erst lesen, dann reden, nie beides gleichzeitig.
Sprich jeden Gedanken zu einer einzelnen Person, bis zum Satzende. Dann wechselst du zur nächsten. So hat dein Blick einen Halt im Raum statt an der Wand.
Bei der Stimme achtest du auf das Satzende. Eine Zahl, bei der die Stimme am Ende nach unten geht, klingt wie eine Tatsache. Geht die Stimme hoch, klingt dieselbe Zahl wie eine Vermutung.
Proben, ohne auswendig zu lernen
Du probst gern und das ist gut. Ändere nur, wie du probst.
Wer immer denselben Text wiederholt, trainiert den Wortlaut. Wer mit wechselnden Worten probt, trainiert den Gedankengang. Den brauchst du, wenn vorne etwas anders läuft als geplant.
Wenn jede Fassung etwas anders klingt, ist das kein Fehler. Es zeigt dir, dass du frei sprichst.
Übung
Dreimal mit anderen Worten
- Nimm eine Präsentation, die in den nächsten zwei Wochen ansteht, und schreib ihr Gerüst auf eine Karte: Kernsatz, drei Punkte, je ein Beleg.
- Halte die Präsentation laut, nur mit dieser Karte. Nimm dich dabei mit dem Handy auf.
- Halte sie ein zweites Mal und verwende bewusst andere Formulierungen. Der Inhalt bleibt, die Worte wechseln.
- Beim dritten Mal bittest du jemanden, dir an einer beliebigen Stelle eine Frage zu stellen. Danach steigst du beim nächsten Punkt auf der Karte wieder ein.
- Hör dir die Aufnahmen an. Wo klingst du am freiesten? Wo hast du nach einem bestimmten Wort gesucht?