Vor Geschäftsleitung und Kunden
Was die Geschäftsleitung zuerst hören will
Deine Unterlagen sind gebaut wie ein Gutachten: Ausgangslage, Analyse, Ergebnis. Für eine Fachabteilung ist das die richtige Reihenfolge.
Eine Geschäftsleitung hört anders zu. Sie hat an diesem Vormittag viele Themen und will zuerst wissen, was du empfiehlst und was es kostet. Die Herleitung interessiert sie erst, wenn sie zweifelt.
Dreh den Aufbau deshalb um. Empfehlung zuerst, dann die zwei stärksten Gründe, dann das, was du brauchst. Die Analyse wandert in den Anhang.
„Ich empfehle, das Lager in Wels bis Juni zu schließen. Das spart Miete und Personalkosten. Die Lieferzeiten bleiben gleich. Dafür brauche ich heute Ihre Freigabe für die Kündigung.“
Vor der Geschäftsleitung kommt die Empfehlung zuerst und die Herleitung auf Nachfrage.
Wenn dich jemand nach zwei Minuten unterbricht
„Was ist jetzt Ihre Empfehlung?“ Für dich ist dieser Satz besonders unangenehm, weil er deinen Ablauf mittendrin zerschneidet.
Plane ihn deshalb ein. Bereite neben deiner Präsentation eine Fassung für 60 Sekunden vor: Empfehlung, ein Grund, eine Bitte. Wenn die Unterbrechung kommt, hast du keine Lücke im Plan, sondern einen zweiten Plan.
Das passt genau zu dir. Improvisieren brauchst du dabei nicht. Du schaltest nur auf die kürzere Fassung um.
Danach bietest du an: „Wenn Sie möchten, zeig ich Ihnen die Zahlen dahinter.“ Oft reicht die kurze Fassung. Wenn nicht, hast du alles da.
Im Kundentermin weniger beweisen, mehr fragen
Vor Kunden neigst du dazu, deine Kompetenz zu beweisen. Du erklärst die Lösung vollständig, mit allen technischen Details.
Der Kunde will aber vor allem wissen, ob du sein Problem verstanden hast. Frag deshalb früh nach und greif seine Worte auf. Spricht er von Ausfallzeiten, sprichst du auch von Ausfallzeiten und nicht von Verfügbarkeit.
Die Detailtiefe steuerst du über ein Angebot: „Ich kann Ihnen zeigen, wie das technisch gelöst ist. Oder sollen wir zuerst über den Zeitplan reden?“ So entscheidet der Kunde, wie tief es geht, und du musst nicht raten.
Die fünf Minuten vor dem eigentlichen Termin
Bevor es losgeht, wird geplaudert. Der Kunde holt Kaffee, die Geschäftsführerin fragt nach dem Wochenende. Für dich ist das oft der unangenehmste Teil, weil es dazu keine Unterlagen gibt.
Du darfst auch diesen Teil vorbereiten. Überleg dir vorher eine Frage, die mit deinem Gegenüber zu tun hat und nicht mit dem Wetter. „Wie ist der neue Standort in Graz angelaufen?“
Dann hörst du zu und fragst einmal nach. Mehr braucht es nicht. Du bist im Gespräch, bevor der offizielle Teil beginnt, und der erste Satz deiner Präsentation fällt dir leichter.
Status ohne Lautstärke
Vor ranghohem Publikum wirst du leiser. Lauter zu werden passt nicht zu dir und ist auch nicht nötig.
Ruhige Menschen zeigen Status über andere Signale. Ein Satzende, das nach unten geht. Eine Pause nach einer Zahl. Ein Blick, der hält, bis der Satz fertig ist.
Deine Ruhe kann vor einer Geschäftsleitung souverän wirken. Unsicher wirkt sie nur, wenn sie aus Anspannung kommt statt aus Klarheit.
Übung
Die 60-Sekunden-Fassung
- Nimm deinen nächsten Termin mit Geschäftsleitung oder Kunde.
- Schreib deine Empfehlung in einen Satz mit höchstens 15 Wörtern.
- Ergänze den stärksten Grund und eine konkrete Bitte, zum Beispiel eine Freigabe bis Freitag.
- Sprich diese Fassung laut und stopp die Zeit. Kürze so lange, bis sie unter 60 Sekunden bleibt.
- Beginne den echten Termin mit genau dieser Fassung und biete die Details erst danach an.