Nervosität und Druck
Man sieht dir den Druck selten an
Wer dich vorne stehen sieht, hält dich oft für völlig entspannt. Du redest flüssig, du lachst, du bewegst dich.
Druck kennst du trotzdem. Bei dir zeigt er sich nur anders. Statt leiser zu werden, wirst du schneller. Statt zu stocken, redest du mehr.
Viele beschreiben Nervosität mit rotem Kopf, zittriger Stimme oder Herzklopfen. Das kennst du vielleicht auch. Typischer für dich ist das Tempo: Wie schnell du warst, merkst du oft erst hinterher.
Der Puls geht hoch, die Sätze werden länger, die Witze häufiger. Für die Zuhörer sieht das nach Energie aus. Für dich fühlt es sich an, als würdest du nicht mehr lenken, sondern gelenkt werden.
Wenn Reden zur Flucht nach vorn wird
Unter Druck hältst du Stille schlechter aus. Jede Pause fühlt sich an wie ein Loch, das du sofort füllen musst.
Also füllst du es. Mit einem weiteren Beispiel, einem Nachsatz, einem „also, was ich damit sagen will“. Genau dadurch wird der Beitrag länger und der rote Faden dünner.
Besonders deutlich wird das, wenn der Raum nicht reagiert. Du lebst von Rückmeldung, von einem Nicken, einem Lachen, einer Frage. Sitzt vor dir ein Vorstand mit unbewegten Gesichtern oder schaust du im Online-Meeting auf schwarze Kacheln, fehlt dir dieses Echo. Dann redest du schneller, um es zu bekommen.
Von außen lässt sich das leichter bemerken als von innen. Bitte eine Kollegin, dir ein unauffälliges Zeichen zu geben, sobald du schneller wirst. Ein Griff zur Kaffeetasse reicht.
Unter Druck redest du mehr statt weniger. Deshalb hilft dir eine Pause mehr als jede neue Idee.
Was dir in diesen Momenten Halt gibt
Was dir hilft, ist das Gegenteil von dem, was sich im Moment richtig anfühlt: langsamer werden, kürzer werden, eine Pause machen.
Fang damit schon vor dem Termin an. Atme in den fünf Minuten davor bewusst länger aus als ein, vier Sekunden durch die Nase ein, sechs bis acht Sekunden langsam aus. Mach das zehnmal, bevor der Puls oben ist.
Leg außerdem deinen ersten Satz fest. Nicht die ganze Präsentation, nur den Einstieg. Wer weiß, womit er beginnt, muss in den ersten Sekunden keinen Anlauf suchen.
Steck dir zusätzlich eine Karteikarte mit Kernaussage und drei Punkten in den Hosensack. Meistens brauchst du sie gar nicht. Zu wissen, dass sie da ist, nimmt trotzdem Druck.
Übung
Die Pause nach dem ersten Satz
- Sag deinen vorbereiteten ersten Satz und mach danach bewusst eine Pause von zwei Sekunden.
- Schau in dieser Pause eine einzelne Person im Raum an, am besten jemanden, der freundlich schaut.
- Sprich erst weiter, wenn du ausgeatmet hast.
- Mach dieselbe Pause nach jedem deiner Hauptpunkte.
- Üb das zuerst allein mit Aufnahme, dann in einem Meeting mit vertrauten Kollegen und erst dann in einem Termin, bei dem für dich mehr auf dem Spiel steht.
Wenn dir plötzlich die Worte fehlen
Manchmal passiert das Gegenteil. Du hast mit Schwung angefangen, dann kommt eine Frage, mit der du nicht gerechnet hast, und auf einmal ist alles weg.
Für jemanden, der sonst so leicht spricht, fühlt sich das besonders unangenehm an. Gerade deshalb lohnt sich ein Satz, den du jederzeit abrufen kannst: „Lassen Sie mich das kurz ordnen.“
Danach gehst du zurück zu deiner Kernaussage und sagst sie noch einmal. Oft findest du von dort den Faden wieder, weil du an einen festen Punkt zurückkehrst.
Nervosität ist kein Zeichen dafür, dass mit dir etwas nicht stimmt. Sie ist Energie. Bei dir braucht sie vor allem eine Richtung.