Ernst genommen werden im Job: Was Gewicht gibt und was es nimmt

Von Jakob Dürnberger · Veröffentlicht:

Wer nicht ernst genommen wird, hat meistens nicht das falsche Argument, sondern das falsche Gewicht. Gewicht entsteht auf vier Ebenen: im Auftreten, das vor dem Inhalt gelesen wird, in der Sprache, die Aussagen entwertet oder stärkt, in der sichtbaren Kompetenz, die man nicht riechen kann, und in der Gesprächsführung, die entscheidet, wer das Wort behält. Auf jeder Ebene gibt es zwei oder drei Handgriffe. Und darunter liegt ein Satz, der alles zusammenhält: Es ist nicht arrogant zu zeigen, was du kannst. Es ist arrogant anzunehmen, dass die anderen es schon wissen.

4 EbenenAuftreten, Sprache, Kompetenz, Gespräch
Sekundenbis das Gewicht eines Beitrags feststeht
0 Weichmacherin dem Satz, der zählen soll

Warum es selten am Inhalt liegt

Die Menschen, die mit diesem Anliegen zu mir kommen, haben fast nie ein Inhaltsproblem. Sie wissen, wovon sie reden. Sie sind vorbereitet, oft besser als die, die im Meeting das Wort haben. Und trotzdem passiert immer dasselbe: Ihr Vorschlag wird überhört, zehn Minuten später sagt jemand anderer dasselbe und alle nicken.

Der Grund ist Gewicht, nicht Inhalt. Zuhörende lesen dein Auftreten, bevor sie dein Argument verstehen. Die Attribute des Auftretens werden dir als Person zugeschrieben.

Eine Führungskraft, die ihre Erfahrung nie erwähnt, wird vom Team weniger ernst genommen, hat weniger Vertrauen und das Team ist zögerlicher, obwohl die Kompetenz dieselbe ist. Eine Aussage mit steigendem Satzende und einem „eigentlich“ davor wird als Frage gehört, nicht als Position, obwohl sie richtig ist. Es ist die gleiche Kompetenz, aber eine unterschiedliche Wirkung.

Wie weit das geht, zeigt eine Studie von Anderson und Kilduff (2009): Dominant auftretende Personen wurden als kompetenter eingeschätzt, auch wenn ihre tatsächliche Leistung kontrolliert wurde.1 Das ist ein Wahrnehmungsfehler, keine Empfehlung, dominant aufzutreten. Er erklärt aber, warum Kompetenz, die nicht sichtbar wird, im Raum wenig zählt.

Dahinter steckt etwas, das in jeder Besprechung nebenbei passiert, ohne dass es jemand ausspricht: Es wird verhandelt, wer hier welche Rolle hat. Wer das Wort bekommt, wessen Vorschlag zählt, wer als Experte gilt. Deshalb reicht guter Inhalt allein nicht.

Du bist Teil dieser Verhandlung, ob du willst oder nicht. Was jetzt folgt, sind deine Mittel darin.

Gewicht entsteht auf vier Ebenen und auf jeder gibt es Handgriffe. Ich gehe sie in der Reihenfolge durch, in der ich sie im Coaching setze: erst das Auftreten, dann die Sprache, dann die sichtbare Kompetenz, dann die Gesprächsführung. Die Reihenfolge ist wichtig, weil Techniken ohne Auftreten nicht funktionieren. Der beste Satz klingt wie eine Bitte, wenn die Stimme nach oben geht.

Vier Ebenen des Gewichts Jede Ebene steht auf der darunter
Gesprächsführung Sichtbare Kompetenz Sprache Auftreten darunter: die Frage nach der Erlaubnis
  1. Ebene 1: AuftretenWird vor dem Argument gelesen. Ohne sie funktioniert keine Technik.
  2. Ebene 2: SpracheWelche Wörter Gewicht nehmen und welche es geben.
  3. Ebene 3: KompetenzNur die Kompetenz, die du sichtbar machst, zählt im Raum.
  4. Ebene 4: GesprächsführungWer das Gespräch behält, hat Gewicht.

Ebene 1: Das Auftreten wird vor dem Argument gelesen

Drei Dinge, die in Sekunden über das Gewicht eines Beitrags entscheiden. Alle drei haben nichts mit Wörtern zu tun. Mehr zur Wirkung von Haltung, Blick und Stimme steht im Artikel zum souveränen Auftreten.

Zuerst der Satzanfang. Sehr viele Menschen beginnen Sätze leise und wachsen hinein. Die ersten zwei, drei Wörter gehen verloren. Genau dort steht, worum es geht.

Schlimmer noch, ein leiser Satzanfang klingt wie eine Bitte um Erlaubnis. Wer so beginnt, wird als unsicher gehört, egal wie stark das Argument ist. Sprich deshalb das erste Wort in voller Intensität, nicht lauter, sondern mit Energie aus dem Rumpf, als würdest du durch die Person hindurch zu jemandem dahinter sprechen.

Dann das Satzende. Wer am Ende mit der Stimme nach oben geht, klingt wie eine Frage und sucht hörbar nach Bestätigung. Zuhörende geben sie ungern. Endet der Satz unten, als stünde ein Rufzeichen, stellst du fest.

„Wir sollten die Deadline halten?“ hat die Deadline schon verloren. „Wir sollten die Deadline halten.“ nicht. Das ist der einzelne wirksamste Handgriff dieses Beitrags und er ist in zwei Wochen umgestellt. Ausführlich in Betonung beim Sprechen.

Zuletzt der Körper. Wer sich klein macht, die Hände im Schoß, die Schultern eng, den Blick auf den Tisch, sendet: Ich bin mir nicht sicher, ob ich hier sprechen darf. Wer im passenden Rahmen Platz einnimmt, Handflächen ruhig auf dem Tisch, aufrecht, den Blick zu drei, vier Personen, sendet das Gegenteil.

Und wer sich bewegt, wippt, mit dem Stift spielt, wird als unsicher gelesen, denn immer wenn wir unsicher sind, bewegen wir uns. Ruhe wird als Gewicht gelesen.

Am Tisch: klein oder präsent Was der Körper sendet, bevor du sprichst
Klein machen Hände im Schoß, Schultern eng, Blick auf den Tisch sendet Unsicherheit Platz einnehmen Handflächen am Tisch, aufrecht, Blick zu drei, vier Personen sendet Sicherheit Ruhe wird als Gewicht gelesen.

Ein Befund aus der Forschung ordnet das ein. Hall, Coats und LeBeau (2005) fanden in einer Metaanalyse, dass das, was Menschen über Statussignale zu wissen glauben, deutlich stärker ausgeprägt ist als der tatsächliche Zusammenhang zwischen Status und diesen Signalen.2 Die Ergebnisse der einzelnen Studien streuen dabei stark.

Wer Gewicht hat, sieht also nicht zwingend so aus. Zuhörende urteilen aber nach ihrer Vorstellung davon, wie Gewicht aussieht.

Was du tust und was davon ankommt

Leiser Satzanfang, dann lauter→Bitte um Erlaubnis
Stimme am Satzende nach oben→sucht Bestätigung, klingt wie eine Frage
„Vielleicht nur eine kurze Anmerkung“→Das, was jetzt kommt, ist unwichtig
„Entschuldigung, dass es etwas länger dauert“→Ich weiß selbst, dass es zu viel ist
Sofortiges Rechtfertigen nach einer Rückfrage→Ich fühle mich angegriffen
Blick nur zur ranghöchsten Person→Ich werbe um Zustimmung
Lachen am Satzende→Bitte nehmt das nicht zu ernst

Ebene 2: Wörter, die Gewicht nehmen, und Wörter, die es geben

Die zweite Ebene ist die Sprache. Hier richtet eine Wortgruppe mehr Schaden an als alle Ähms zusammen: die Weichmacher.

Eigentlich, vielleicht, irgendwie, relativ, ein bisschen, nur kurz, ich würde sagen, ich glaube. Diese Wörter lassen deine Aussage nicht stocken, sie entwerten sie. „Das ist eigentlich ein Problem“ ist etwas anderes als „Das ist ein Problem“.

Wer auf „Hält der Termin?“ mit „Also eigentlich schon, ich würde sagen, relativ wahrscheinlich“ antwortet, hat Nein gesagt, ohne es zu merken. Jeder Weichmacher liefert die Erlaubnis mit, die Aussage nicht ernst zu nehmen. Zuhörende nehmen diese Erlaubnis an.

Dazu die vorauseilende Entschuldigung: für die Länge, für die Zahlen, dafür, kein Experte zu sein. Und das Ausfransen am Ende: „… also so ungefähr halt.“ Die letzten Sekunden bleiben am stärksten hängen.

Was Gewicht gibt, ist das Gegenteil: kurz und knapp. Ein klarer Punkt ohne Rechtfertigung impliziert, dass du alles unter Kontrolle hast. Sichere Menschen rechtfertigen sich nicht.

Antworte auf „Die Idee steckt noch in den Kinderschuhen“ nicht mit einem Absatz wie „Ich verstehe natürlich, dass …, aber man muss bedenken …“, sondern mit: „Ja, irgendwo müssen wir starten.“ Die Wirkung steckt nicht im Inhalt, sondern in der Haltung. Gewicht geben auch Signalwörter, die man kaum anders als mit Nachdruck sprechen kann: sicher, garantiert, zweifellos, es ist wichtig, dass. Ausführlich in Füllwörter vermeiden.

Vorsicht bei einer zweiten Wortgruppe, die nach Nachdruck klingt und trotzdem Gewicht nimmt: Verstärker wie „unglaublich“, „total“, „extrem“, „wirklich sehr“. Sie zeigen vor allem, wie sehr du selbst betroffen bist. Damit machen sie die Aussage zu deiner persönlichen Empfindung, über die man diskutieren kann.

„Das verunsichert unsere Kunden unglaublich“ lädt zur Gegenfrage ein, ob es wirklich so schlimm sei. „Jeder Kunde muss jederzeit wissen, dass sein Geld sicher ist“ stellt eine Regel auf.

Das ist der Unterschied zu den Signalwörtern: „Sicher“ und „garantiert“ sagen, wie fest eine Aussage steht. „Unglaublich“ und „total“ sagen, wie stark du etwas fühlst. Wo du Gewicht willst, sag, was gelten soll, nicht wie sehr du es fühlst.

Vier Sätze, umgebaut Derselbe Inhalt, mit Gewicht
„Ich weiß nicht, ob das jetzt passt, aber beim Zeitplan hätte ich vielleicht eine kleine Anmerkung …“„Zum Zeitplan habe ich einen Einwand. Zwei Gründe.“ Stimme nach unten, Pause, dann die Gründe.
„Ich würde sagen, wir sollten das eigentlich ändern.“„Wir sollten das ändern.“ Punkt. Wer nachfragt, bekommt die Begründung.
„Sorry, ich bin ja kein Experte, aber ich glaube, das Budget reicht nicht.“„Das Budget reicht nicht. Nach meiner Rechnung fehlen zwanzig Prozent.“ Die Zahl gibt das Gewicht, das die Entschuldigung genommen hätte.
„Ja, das wars soweit von meiner Seite, also so ungefähr halt.“„Das ist mein Vorschlag.“ Stimme nach unten, dann Stille. Die Stille aushalten ist der schwierige Teil.

Beim ersten Satz gibt es eine Ausnahme, und zwar in der Verhandlung. Neil Rackham und John Carlisle haben in den 1970er Jahren erfolgreiche Verhandler bei der Arbeit beobachtet: Sie kündigten an, was sie als Nächstes tun, „Darf ich eine Frage stellen?“, „Mein Vorschlag ist …“, mit einer Ausnahme. Widerspruch kündigten sie nicht an, sie nannten zuerst den Grund und dann ihre abweichende Meinung.3 Das war eine Beobachtung, kein Experiment.

In der Besprechung, in der du Gewicht brauchst, bleibt „Zum Zeitplan habe ich einen Einwand. Zwei Gründe.“ also richtig.

In einer Verhandlung, in der die andere Seite nicht in Abwehr gehen soll, kommen besser zuerst die Gründe: „Die Lieferung kommt frühestens im März und das Team ist bis dahin ausgelastet. Deshalb halte ich Februar nicht für machbar.“

Ebene 3: Kompetenz, die du sichtbar machst

Die dritte Ebene ist die, die am häufigsten übersehen wird, weil sie sich falsch anfühlt. Dein Gegenüber kann nicht riechen, dass du qualifiziert bist. Kompetenz muss sichtbar werden und das ist kein Angeben.

Es ist nicht arrogant zu zeigen, was du kannst. Es ist arrogant anzunehmen, dass die anderen es schon wissen.

Der Unterschied liegt in der Form. Angeben heißt: „Ich habe fünfzehn Jahre Erfahrung, ich weiß, wovon ich rede.“

Kompetenz zeigen heißt, sie in eine Empfehlung einzubetten: „In fünfzehn Jahren habe ich gemerkt, dass genau diese Phase die kritischste ist. Deshalb schlage ich vor, hier besonders aufzupassen.“ Der Fokus liegt auf dem Hinweis, die Kompetenz schwingt mit und die Empfehlung hat plötzlich Gewicht.

Dazu die Rolle als Verstärker: „Als Konstrukteurin kann ich sagen, dass …“ „Aus rechtlicher Sicht ist …“ Ein Titel, der zum Thema passt, gibt der Aussage Gewicht, ohne dass du dich lobst.

Hast du eine Rolle, nenn sie. „Gründer“ hat sofort Gewicht, „Projektverantwortliche“ auch. Wer sie verschweigt, weil er bescheiden sein will, wird als Mitarbeiter ohne Zuständigkeit gehört.

Gewicht ohne Titel hat außerdem, wer weiß, was der Runde fehlt. Das gilt auch für den, der die Menschen kennt, die es betrifft. „Ich habe heute in der Früh mit dem Kunden telefoniert, er entscheidet erst nach der Messe“ ist ein Beitrag, an dem niemand vorbeikommt, egal wer ihn sagt.

Und wenn die Erfahrung noch dünn ist, helfen andere Wege: ähnliche Kompetenzen, Lernbereitschaft, Spezialisierung. „Ich habe mich auf diesen Bereich spezialisiert“ ist einer der einfachsten Sätze, um Gewicht zu bekommen. Alle fünf Wege, mit Sprachmustern, stehen in Kompetent wirken.

Ebene 4: Wer das Gespräch behält

Die vierte Ebene ist die, an der viele scheitern, obwohl die ersten drei stimmen: Du wirst unterbrochen, übergangen, ausgefragt und verlierst das Wort.

In großen Runden lässt du dich nicht von jeder Frage unterbrechen. Führ den Punkt zu Ende und signalisiere der Person, mit einem Blick und einer offenen Hand: Ich habe dich gesehen, ich bin gleich bei dir. Das gibt dir die Kontrolle zurück und die Person fühlt sich trotzdem wahrgenommen. Nimm dafür nicht den Finger, der wie Wegscheuchen wirkt, sondern die offene Handfläche.

Beim Vielredner hakst du in der Redepause ein, mit Begründung: „Bevor wir zum nächsten Thema gehen, hätte ich noch eine Frage zu …“ Nicht „ja, aber“, das Aber lässt du weg: „Das ist interessant und da möchte ich gleich etwas fragen.“ Nonverbal kündigst du es vorher an: nach vorne lehnen, die Hand hebt sich leicht, der Blick sucht den des Sprechers.

Zwei Signale ohne Worte Jemand will dazwischen, du willst einhaken
Jemand will dazwischen Zeigefinger wirkt wie Wegscheuchen Blick, offene Hand Ich habe dich gesehen, ich bin gleich bei dir. Du willst einhaken 1 2 3 1 nach vorne lehnen 2 die Hand hebt sich leicht 3 der Blick sucht den Sprecher dann in der Redepause einhaken, mit Begründung

Bei der Rückfrage machst du ein, zwei Sekunden Pause, bevor du antwortest, immer. Wer sofort losredet, wirkt getroffen. Wer schweigt und dann antwortet, wirkt, als hätte er die Kontrolle. Wie du solche Fragen Schritt für Schritt beantwortest, zeigt der Artikel über kritische Rückfragen.

Und wenn die Frage ein Angriff ist, „Sie sind ja erst ein Jahr hier“, dann antwortest du kurz und ohne Rechtfertigung: „Stimmt. Und genau deshalb sehe ich es frisch.“ Angriffe sagen mehr über den Angreifer aus als über dich und Gelassenheit gewinnt das Publikum. Ausführlich in Schlagfertig antworten.

Und wenn du etwas nicht weißt: „Das kann ich aus dem Kopf nicht seriös beantworten. Ich schicke Ihnen die Zahl bis morgen Mittag.“ Das wirkt stärker als jede improvisierte Schätzung, weil es Sicherheit über die eigene Wissensgrenze zeigt. Voraussetzung ist, dass du die Zusage hältst.

Der Beitrag, der ernst genommen wird Sechs Handgriffe für die nächste Besprechung
  • Vorher: Deine Empfehlung in einem Satz aufschreiben. Wenn dieser Satz steht, überstehst du auch drei Minuten statt zehn.
  • Der Anfang: aufrecht, Blick zu einer Person, erstes Wort mit voller Intensität. „Zum Zeitplan habe ich einen Einwand.“
  • Die Sätze: kurz, ohne Weichmacher, Stimme am Ende nach unten. Ein gedehntes Wort pro Satz, meist die Zahl.
  • Die Kompetenz: ein Halbsatz Erfahrung vor der Empfehlung. „Aus den letzten drei Projekten dieser Art …“
  • Das Ende: „Das ist mein Vorschlag.“ Stille. Kein Ausfransen, kein Lachen.
  • Die Rückfrage: ein, zwei Sekunden Pause, dann kurz. Bei einem Angriff noch kürzer.

Darunter liegt die Frage nach der Erlaubnis

Alle vier Ebenen sind Technik und Technik wirkt. Aber bei vielen Menschen liegt darunter etwas, das die Technik immer wieder aushebelt: die unbewusste Frage, ob du hier überhaupt sprechen darfst.

Erkennbar ist das daran, dass das Gewicht mit dem Raum schwankt. Im eigenen Team klar und laut, in der Bereichsrunde leiser, vor der Geschäftsführung mit Weichmachern und steigenden Satzenden. Dabei ändert sich weder die Kompetenz noch der Inhalt. Wie du gerade vor diesem Publikum Gewicht behältst, steht im Artikel zur Präsentation vor der Geschäftsleitung.

Es ist ein Filter im Kopf, der bei jedem Impuls fragt: Ist das gut genug? Was denken die anderen? Und dieser Filter ist umso strenger, je höher die Runde.

Für Führungskräfte hat die Frage eine zweite Seite. Mit der Rolle hast du nicht nur die Erlaubnis zu sprechen, sondern den Auftrag und dein Team erwartet, dass du den Raum füllst. Was du nicht ausfüllst, übernimmt jemand anderer, der Kollege aus der Nachbarabteilung oder der lauteste Mitarbeiter. Dir bleibt dann die Verantwortung ohne das Gewicht.

Entlastend ist eine Unterscheidung: Die Position wird dir verliehen, die Autorität erarbeitest du dir, über Fachwissen, Verlässlichkeit und darüber, dass dein Team merkt, dass du es nach außen vertrittst. Das eine hast du ab dem ersten Tag, das andere wächst.

Zwei Dinge helfen. Erstens die Technik selbst, denn sie wirkt zurück: Wer mit Sicherheit spricht, mit fallenden Satzenden und ohne Weichmacher, fühlt sich nach zwanzig Sekunden sicherer. Der Körper glaubt der Stimme.

Zweitens die Sprache über dich selbst. „Ich bin halt jemand, der sich nicht durchsetzt“ ist eine Identität und Identitäten verteidigen sich. „Ich habe die Fähigkeit noch nicht so drin“ ist eine Fähigkeit und Fähigkeiten lassen sich ändern.

Sprache schafft Realität, auch die, die du über dich verwendest. Wie du Zurückhaltung als gelernte Gewohnheit verstehen kannst, steht in Selbstbewusst vor Gruppen sprechen.

Unter der Erlaubnisfrage liegt oft noch etwas: eine Rolle, in die man reflexhaft schlüpft. Man betritt die Besprechung innerlich nicht als Fachperson, die berät, sondern als Prüfling, der auf die Note wartet. Wer sich als Prüfling fühlt, sucht Bestätigung, entschuldigt sich und relativiert, egal wie gut die Technik sitzt. Typisch ist der Fachmann, der sich in der Bereichsrunde wie der Neue fühlt, obwohl er dort der Erfahrenste ist.

Die Rolle kannst du wählen, und zwar vor dem Termin. Frag dich zwei Minuten vorher: In welcher Rolle spreche ich dort gleich? Leg bewusst eine andere fest, etwa die der Beraterin, die in ihrem Bereich einen Vorsprung hat.

Dann schreibst du drei Punkte auf, in denen du mehr weißt als die Runde. Drei, nicht einen, damit es nicht beim guten Vorsatz bleibt.

Eine Laborstudie weist in dieselbe Richtung: Joris Lammers und Kollegen ließen Bewerberinnen und Bewerber vor einem Bewerbungsschreiben oder einem Aufnahmegespräch an eine Situation denken, in der sie Macht hatten. Beurteiler, die davon nichts wussten, zogen sie denen vor, die an eine Situation ohne Macht gedacht hatten.4 Die Stichproben waren klein und solche Effekte sind in der Forschung umstritten. Ein Rezept ist das nicht, aber ein Hinweis darauf, dass die innere Rolle nach außen dringt.

Aus meiner Coaching-Praxis: In einer großen Beratungsgesellschaft ist Gudrun Managerin, verantwortlich für mathematische Modelle im Risikomanagement, mit über zehn Jahren Erfahrung und Deutsch als Fremdsprache. Ihr richtiger Name ist ein anderer. Sie hat von Gesprächen mit älteren, promovierten Kollegen erzählt, die sie behandeln, als wäre sie ein kleines Mädchen, obwohl sie die Expertin im Raum ist.

Gefragt hat sie mich, welche Techniken es für die Gesprächskontrolle gibt. Ich habe geantwortet, dass wir genau deshalb zuerst am Auftreten gearbeitet hatten: Techniken funktionieren nur mit stimmigem Auftreten. In den Sitzungen davor war ihr Stand unruhig geworden, die Gesten waren erst am Ende gekommen, der Blick war bei Details weggerutscht. Das sitzt jetzt.

Dann sind die Sätze gekommen: „Bevor wir zum nächsten Thema gehen, besprechen wir das wie folgt.“ Dazu das Einhaken in der Redepause ohne Aber und die Kompetenz, eingebettet: als Verantwortliche für die Modelle, aus der Erfahrung von zehn Jahren. Für die nächste Sitzung hat sie sich fünf Minuten Zwischensätze vorbereiten wollen.

Unterm Strich suchen viele den Satz, der ihnen Gewicht gibt. Dabei übersehen sie, dass das Gewicht vorher da sein muss, im Stand und in der Stimme.

Damit dein Vorschlag beim ersten Mal zählt

Wenn du fachlich anerkannt bist und in Besprechungen trotzdem übergangen wirst. Oder wenn dein Vorschlag erst zählt, wenn ihn jemand anderer wiederholt. Beides ist der Normalfall der Menschen, mit denen ich arbeite. Beides hat vier Ebenen, von denen du allein meist nur eine siehst.

Im 1:1-Coaching stellen wir die Situationen her, Widerspruch, Unterbrechung, eine abwertende Bemerkung. Dann arbeiten wir Ebene für Ebene: erst Stand und Stimme, dann die Weichmacher, dann die sichtbare Kompetenz, dann das Einhaken. Nach acht Wochen ist es Routine. Hier findest du mehr Informationen zum Coaching.

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Häufige Fragen

Warum werde ich im Job nicht ernst genommen?

Selten wegen des Inhalts, meistens wegen des Gewichts. Zuhörende lesen dein Auftreten, bevor sie dein Argument verstehen: steigende Satzenden, leiser Satzanfang, Weichmacher, wenig Raum, Blick nach unten. Jedes davon wird als Unsicherheit gelesen und dir als Eigenschaft zugeschrieben, unabhängig davon, wie gut du bist.

Was kann ich sofort ändern?

Drei Dinge: Beginne Sätze in voller Kraft statt hineinzuwachsen. Führe die Stimme am Satzende nach unten statt nach oben. Und streich die Weichmacher: eigentlich, vielleicht, nur kurz, ich würde sagen. Diese drei kosten nichts und verändern, wie jeder Beitrag gehört wird.

Wie zeige ich Kompetenz, ohne anzugeben?

Eingebettet in eine Empfehlung statt als Behauptung: Aus der Erfahrung von zwölf Projekten dieser Art ist es wichtig, rechtzeitig zu planen. Oder über die Rolle: Als Konstrukteurin kann ich sagen, dass … Das Gegenüber kann deine Kompetenz nicht riechen. Es ist nicht arrogant, sie zu zeigen, es ist arrogant anzunehmen, dass alle sie kennen.

Was tun, wenn ich ständig unterbrochen werde?

Den Punkt zu Ende führen und der Person signalisieren: Ich habe dich gesehen, ich bin gleich bei dir. Das gibt Kontrolle. Bei einem Vielredner in der Redepause einhaken, mit Begründung: Bevor wir zum nächsten Thema gehen, hätte ich noch eine Frage zu … Und das Aber weglassen.

Warum werde ich von älteren oder ranghöheren Kollegen übergangen?

Weil Techniken ohne Auftreten nicht greifen. Wer im Gespräch die Kontrolle behalten will, braucht zuerst Stand, Stimme und Blick, dann die Sprachmuster. Deshalb trainiere ich das Auftreten vor der Gesprächsführung. Sonst klingt der beste Satz wie eine Bitte.

Welche Wörter nehmen meiner Aussage das Gewicht?

Weichmacher: eigentlich, vielleicht, irgendwie, relativ, nur kurz, ich würde sagen, ich glaube. Und vorauseilende Entschuldigungen: dass es länger dauert, dass ich kein Experte bin. Jedes davon liefert die Erlaubnis mit, die Aussage nicht ernst zu nehmen.

Wie reagiere ich auf eine abwertende Bemerkung?

Kurz und knapp, ohne Rechtfertigung. Auf „Sie sind ja erst ein Jahr hier“ ein „Stimmt. Und genau deshalb sehe ich es frisch.“ Lange Rechtfertigungen geben dem Angriff Raum. Sichere Menschen rechtfertigen sich nicht. Und Angriffe sagen mehr über den Angreifer als über dich.

Ist es ein Mindset-Problem oder ein Technik-Problem?

Beides. Sie hängen zusammen. Wer innerlich fragt, ob er hier sprechen darf, spricht leise, nach oben und mit Weichmachern. Wer die Technik ändert, verändert das Gefühl mit: Wer mit Sicherheit spricht, fühlt sich nach zwanzig Sekunden sicherer. Deshalb beginne ich bei der Technik.

Quellen

  1. Anderson, C. & Kilduff, G. J. (2009). Why do dominant personalities attain influence in face-to-face groups? The competence-signaling effects of trait dominance. Journal of Personality and Social Psychology, 96(2), 491-503. doi 10.1037/a0014201. Beschreibt einen Wahrnehmungsfehler der Beobachter, keine Empfehlung, dominant aufzutreten.
  2. Hall, J. A., Coats, E. J. & LeBeau, L. S. (2005). Nonverbal behavior and the vertical dimension of social relations: a meta-analysis. Psychological Bulletin, 131(6), 898-924. doi 10.1037/0033-2909.131.6.898. Metaanalyse mit großer Heterogenität zwischen den einzelnen Studien.
  3. Rackham, N. & Carlisle, J. (1978). The effective negotiator, Part 1: The behaviour of successful negotiators. Journal of European Industrial Training, 2(6), 6-11. doi 10.1108/eb002297. Beobachtungsstudie aus Großbritannien, nicht nach heutigen Maßstäben kontrolliert.
  4. Lammers, J., Dubois, D., Rucker, D. D. & Galinsky, A. D. (2013). Power gets the job: Priming power improves interview outcomes. Journal of Experimental Social Psychology, 49(4), 776-779. doi 10.1016/j.jesp.2013.02.008. Zwei Experimente mit kleinen Stichproben; Effekte von Macht-Priming sind in der Replikationsdebatte umstritten.
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