„Das sind aber schon viele Änderungen.“ Der Satz fällt mitten in deine Präsentation. Es gibt zwei Antworten.
„Ja, ich weiß, das sind viele, aber das ist trotzdem in Ordnung“ und dann schnell weiter. Oder: „Genau, Vinzenz, genau so ist es. Deswegen ist es gut, dass wir das jetzt umsetzen. Schauen wir es uns gemeinsam an.“
Die erste Antwort hat den Frame des anderen übernommen: viele Änderungen sind ein Problem. Die zweite hat den eigenen gehalten: viele Änderungen sind der Grund, warum wir hier sind.
In genau diesem Moment reichen die vier Techniken aus dem Artikel zur Schlagfertigkeit oft nicht mehr aus. Bei Angriffen, Unterstellungen und Menschen, die den Raum übernehmen wollen, braucht es mehr.
Was passiert bei einem Angriff im Raum?
Zwei Sichtweisen treffen aufeinander. Jeder Mensch bringt einen Frame mit, einen unausgesprochenen Rahmen der Situation: wer hier der Experte ist, worum es geht, ob eine Frage eine Frage ist oder ein Angriff. Die meisten merken gar nicht, dass sie ihn haben.
Und wenn zwei Frames sich widersprechen, der eine sagt Apfel, die andere Banane, dann können sie nicht lange nebeneinander bestehen. Entweder man geht auseinander, oder ein Frame absorbiert den anderen. Wer den Frame vorgibt, hat die Kontrolle. Von außen gesehen ist das die Person, deren Sicht sich durchsetzt.
Das hat mit Rechthaben nichts zu tun und das ist der Punkt, an dem es kippen kann. Frame haben heißt nicht recht haben. Es heißt, sich die Meinung des anderen nicht überstülpen zu lassen und trotzdem flexibel zu bleiben. Wer das mit Rechthaberei verwechselt, wird zum Streithahn, der den Raum genauso verliert wie der, der nachgibt.
Ein starker Frame wirkt wie ein Energiefeld: Angriffe und kritische Fragen prallen ab. Ein schwacher Frame lässt sie durch.
„Das dauert aber lange.“ Und schon denkst du, jetzt stehe ich blöd da. Du antwortest schwammig, „drei Monate sind üblich“. Damit hast du den Frame verloren.
Ob du dir den Frame des anderen überstülpen lässt, hängt von deiner Basis ab, nicht von seiner Stärke. Und die Basis ist die Haltung, mit der du in den Raum gehst. Die anderen hören nur, was du sagst. Sie sehen nur, wie du dich verhältst.
Bei einem Angriff vor anderen bist du nie zu zweit. Es gibt drei Beteiligte: dich, den Angreifer und die, die zuschauen und am Ende entscheiden. Deine Antwort muss bei den Dritten bestehen. Den Angreifer musst du gar nicht überzeugen.
- Die DrittenSie schauen zu und entscheiden am Ende. Bei ihnen muss deine Antwort bestehen.
- Der AngreiferIhn musst du gar nicht überzeugen.
- DuEinen schwachen Angriff wertest du nicht durch eine lange Verteidigung auf.
Daraus folgt eine Regel: Einen schwachen Angriff wertest du nicht durch eine lange Verteidigung auf. Wer auf „Das ist doch wieder typisch Controlling“ drei Minuten lang erklärt, wie das Controlling arbeitet, hat den Satz erst wichtig gemacht.
Ruhe zahlt sich dabei aus. König und Jucks (2019) haben ein gefilmtes Streitgespräch in zwei Fassungen gezeigt, einmal sachlich, einmal aggressiv formuliert. In der aggressiven Fassung galt die Person als weniger vertrauenswürdig und ihre Information als weniger glaubwürdig.
Das war ein einzelnes Online-Experiment mit einer Debatte. Es passt aber zu dem, was ich im Training immer wieder sage: Gelassenheit gewinnt das Publikum.
Dass wir so schnell in den Verteidigungsmodus kommen, hat auch mit unserer Sprache zu tun. Wir reden über Diskussionen in Kriegsbildern, verteidigen, angreifen, zerpflücken. Wer so denkt, erlebt jede Rückfrage als Angriff. Die Sprachforscher George Lakoff und Mark Johnson haben das schon 1980 beschrieben.
Wie hältst du den Expertenframe?
Indem du ihn nicht verteidigst.
Nehmen wir ein Erstgespräch mit einem möglichen Kunden. Er setzt sich hin und sagt als Erstes: „Sie sind also der Experte.“ Der Subtext: „Dann zeigen Sie einmal.“ Er testet den Frame, den du mitgebracht hast.
Die schwache Antwort wäre eine Aufzählung, seit wann, wie viele, welche Ausbildung. Die starke: „Genau. Und keine Sorge, mit genau diesem Problem haben wir schon vielen geholfen. Schauen wir es uns gemeinsam an.“
Was da passiert: Er zweifelt den Expertenframe an und die Antwort hält ihn, ohne sich zu rechtfertigen. Im Erstgespräch ist der Frame ohnehin klar, wenn du ihn kennst: Du bist die Expertin oder der Experte und die Person bekommt ein Gespräch, in dem sie herausfinden kann, ob es passt. Wer diesen Frame hält, verhandelt aus einer anderen Position.
„Sie wollen mir nur etwas verkaufen.“ „Verkaufen will ich Ihnen heute gar nichts. Wir schauen, ob eine Zusammenarbeit Sinn ergibt, und dafür muss ich Ihr Unternehmen kennenlernen.“ Damit drehst du es um: Du bist die begehrte Person, nicht der Bittsteller, weil du entscheidest, ob es passt.
Dasselbe gilt, wenn du ein Meeting leitest. Dein Frame ist: Ich leite, ich bin offen und ich entscheide, wann welche Frage beantwortet wird. Das heißt nicht, dass du Fragen abwürgst. Es heißt, dass du die Agenda vorgibst und nicht wartest, bis jemand anderes das Zepter nimmt.
„Wunderbar, machen wir weiter mit dem zweiten Punkt.“ Wer wartet, bekommt den Frame dessen, der zuerst spricht.
Welche drei Sätze helfen bei Unterstellungen?
Drei. Keiner davon verteidigt. Wer sich auf eine Unterstellung inhaltlich verteidigt, diskutiert plötzlich über sich selbst statt über die Sache. Genau das war das Ziel des Angreifers.
Zur Relativierung noch ein Bild, das im Training gut ankommt: Aus der schlimmsten Sorge etwas Lächerliches machen, dann verpufft sie wie ein Luftballon. „Das ist eine Katastrophe.“ „Vielleicht sieht es für dich so aus. Tschernobyl war eine Katastrophe.“
Das sagst du nicht immer laut. Aber du denkst es und dann klingt deine Antwort anders.
Und zur Zustimmung eine Grenze: Sie funktioniert bei Provokationen, nicht bei Kunden oder Vorgesetzten, die eine echte Frage haben. „Du bist heute später dran.“ „Stimmt.“ So antwortest du jemandem, der provozieren will.
Auf den Kunden, der wissen will, warum die Lieferung später kommt, antwortest du mit dem Grund.
Was tun, wenn jemand unterbricht oder lauter wird?
Nicht lauter werden. Das ist die Regel, gegen die fast jeder im ersten Durchgang verstößt. Wer lauter wird, wenn jemand dazwischenredet, hofft, dass der andere durch die Lautstärke aufhört. Das sieht jeder im Raum.
Sprich normal weiter und wenn die Person aufhört, mach weiter, als wäre nichts. Wenn sie nicht aufhört, nenn den Namen: „Vinzenz, lass mich bitte ausreden, ich komme gleich zu dir.“ Das wirkt, weil ein Name nicht ignoriert werden kann.
Bei Wiederholung holst du die Gruppe: „Die Fragen sind spannend und ich nehme mir im Anschluss Zeit. Jetzt ist es für das ganze Team wichtig, dass wir in der Zeit durchkommen.“ Danach steht der Unterbrecher allein, wenn er weitermacht. Das merkt er.
- 1 Normal weitersprechenSprich normal weiter und wenn die Person aufhört, mach weiter, als wäre nichts.
- 2 Den Namen nennenWenn sie nicht aufhört: „Vinzenz, lass mich bitte ausreden, ich komme gleich zu dir.“ Ein Name kann nicht ignoriert werden.
- 3 Die Gruppe holenBei Wiederholung: „Die Fragen sind spannend und ich nehme mir im Anschluss Zeit. Jetzt ist es für das ganze Team wichtig, dass wir in der Zeit durchkommen.“
- Nie lauter werdenWer lauter wird, hofft, dass der andere durch die Lautstärke aufhört. Das sieht jeder im Raum.
Ein Profi-Tipp: Beantworte seine erste Frage kurz, damit er sich gehört fühlt. Dann fällt die zweite leichter zu parken. Wie du das mit einem Sprachmuster tust, das die Ebene wechselt, steht im Artikel zu kritischen Rückfragen.
Und bei Anschuldigungen mehr Lockerheit. Eine Klientin ist bei jeder Unterstellung sehr ernst geblieben, „nein, keine Sorge, das machen wir so und so“. Richtig, aber schwer.
„Super Frage, haben wir bedacht“, mit einem Lächeln, wirkt souveräner als dieselbe Antwort mit ernster Miene. Ernst signalisiert, dass es dich getroffen hat. Lockerheit signalisiert, dass du es nicht als Angriff nimmst.
Wie rückst du eine Rollenzuweisung zurecht?
Freundlich und mit einem Schnitt. Eine Rollenzuweisung ist eine Unterstellung, die als Kompliment kommt: „Wir sind doch beide vernünftige Menschen, da können wir das transparent besprechen.“ Wer die Handlung verneint, verneint die Rolle. Das ist die Mechanik und sie funktioniert in beide Richtungen.
Du kannst sie selbst einsetzen, für Gutes und nicht zu offensichtlich. Und erkennen solltest du sie, wenn sie gegen dich eingesetzt wird.
Die Abwehr kappt die Verbindung zwischen Rolle und Handlung: „Natürlich sind uns die Mitarbeiter wichtig. Das hat aber nichts mit dieser Frage zu tun.“ Die Rolle bleibt, die Handlung folgt nicht daraus.
Ein zweites Muster hilft in Verhandlungen, in denen die Gegenseite deine Position als Willkür rahmt: Statt Standpunkt gegen Standpunkt nennst du die Instanz. Nicht „wir haben unseren Standpunkt nicht geändert“, sondern „das ist vertraglich festgelegt, daran kann ich nichts ändern. Was wir uns überlegt haben, ist ein Entgegenkommen.“ Gegen eine Instanz lässt sich schlecht streiten, gegen eine Person schon.
Dazu ein Satz, der die Härte aus solchen Gesprächen nimmt: Nimm es nicht persönlich. Die Aufgabe des anderen ist es oft, unangenehm zu sein und so viel wie möglich herauszuholen. Deine Aufgabe ist es, für deine Seite zu handeln. Eine Bedingung davon ist, dass nicht jeder zufrieden ist.
Wer das weiß, kann locker einsteigen und bei den Standpunkten mit Nachdruck sprechen. Wie Verhandlungen darüber hinaus vorbereitet werden, steht im Artikel zum Durchsetzen im Meeting.
Was tun, wenn es persönlich wird?
Wenn jemand nicht deine Arbeit angreift, sondern dich, deine Werte, deinen Glauben, deine Art, dann gilt eine Technik, die den Instinkt umdreht. Der Instinkt sagt: weg vom unangenehmen Punkt. Bleib genau dort. „Kannst du das noch einmal wiederholen, was du gerade gesagt hast?“
Damit signalisierst du: Du hast mich nicht schockiert, ich mache das Gegenteil von dem, was du erwartest.
Dann die Rückfrage: „Was genau stört dich daran?“ Jetzt muss der andere konkret werden und das Problem, das er hat, ist seins. Oder kurz und knapp: „Okay, dann stört es dich. Ich bin damit in Ordnung.“
Es geht um Energiemanagement. Nicht zu viel Aufmerksamkeit, denn die nährt den Angriff, aber genug, um die Grenze zu ziehen. Und wenn jemand seine eigenen Grenzen auf dich projiziert, „ich könnte mir das nicht vorstellen“, dann ist die Antwort: „Ist so.“ Punkt.
Was du dir dabei abgewöhnst, wenn du ein freundlicher Mensch bist: alles zu bestätigen. Wer auf jede Aussage wohlwollend reagiert, „ja, Sicherheit ist wichtig“, wirkt wie jemand, dem alles recht ist. Der andere denkt: Egal, was ich sage, du sagst etwas Gutes dazu. Bei unsicheren Menschen ist Bestätigen richtig.
Bei selbstbewussten darfst du fordern, auch frech sein: „War die Festanstellung nicht auch limitierend?“ Dann respektiert dich die Person mehr.
Und lass Stille zu. Wer jede Pause füllt, sagt damit: Ich habe Angst vor der Stille. Das Getränk in der Hand halten, die Stille aushalten. Dann spürt der andere, dass er auch für das Gespräch verantwortlich ist.
Vor jede dieser Techniken gehört eine Frage an sich selbst: Ist das der Ort und der Moment für diesen Kampf? Vor Publikum bestimmt oft der andere, welcher Satz hängen bleibt, erst recht, wenn aufgezeichnet wird. Dann ist es meist stärker, bei der Sache zu bleiben und keine zweite Angriffsfläche zu bieten: „Darüber rede ich gern mit dir unter vier Augen. Zurück zum Budget.“
Welche Haltung braucht es dafür?
Eine, die sich lernen lässt, weil sie keine Eigenschaft ist. Unsicherheit ist nicht tief in der Psyche verankert. Sie ist eine Strategie, ein Mantel, den man sich irgendwann übergestülpt hat, weil er einmal geholfen hat. Charakterzüge sind antrainiert.
Nicht die Erfahrungen bestimmen den Charakter, sondern die Interpretation der Erfahrungen: Aus demselben dominanten Elternhaus wird der eine, der sich versteckt, der zweite, der es allen beweisen will, der dritte, der sich für den einzig Normalen hält.
Wer lange ein Beweis-Erbringer war, musste alles beweisen und stand dauernd unter Druck. Das Bild, das dabei hilft: Die Strategie hat dich von A nach B gebracht, obwohl das Auto Löcher hatte. Mit tausend anderen Autos wärst du auch angekommen, vielleicht weiter und glücklicher.
Das Größte, was wir haben, ist die Bewusstheit, in jedem Moment zu fragen: Will ich damit weitermachen?
Praktisch heißt das: Tu die Dinge als Ausdruck deiner Sicherheit und frag danach, ob sie es waren. Ergebnis, Erkenntnis, Korrektur. Komme ich meinem Ziel näher? Wenn nicht, ist das kein Fehler, sondern Information.
Und ein Hinweis, weil die Frage oft kommt: Die Energie vor einem Auftritt geht nicht weg, außer vielleicht beim hunderttausendsten Mal. Sie muss auch nicht verschwinden. Worauf es ankommt, ist die Strategie: Es geht nicht um mich, es geht um den Inhalt, ums Helfen, ich freue mich. Positive Aufregung statt Angst und dann kommt kein Blackout.
Wie das Auftreten insgesamt sicherer wird, steht im Artikel zum souveränen Auftreten.
Wie übst du das?
Mit zwei Übungen, die den Angriff herstellen, bevor er echt ist.
Ein Detail zur Pressekonferenz, das den Unterschied macht: Antworte auf Unterstellungen nicht zu ausführlich. Wer auf „woher wollen Sie das wissen“ fünf Quellen aufzählt, ist in der Rechthaberei gelandet.
„Das zeigen unsere Zahlen, ich zeige sie Ihnen gerne im Anschluss. Jetzt aber ganz wichtig: Wir bleiben nicht im Heute.“ Zahlen genannt, verzögert, weiter im eigenen Frame.
Schreib dir für deine nächste Präsentation die eine Unterstellung auf, vor der dir am meisten graut. Formulier eine Antwort mit höchstens zwei Sätzen.
Aus meiner Coaching-Praxis: Auf einer Handelsplattform verantwortet Nina ein Produkt. Ihre Einführungsrede beim neuen Arbeitgeber hat sie schon mehrfach gehalten. Was sie noch beschäftigt: sich in großen Meetings durchsetzen und der Moment, in dem jemand aufs Handy schaut und sie aus dem Konzept bringt.
Wir haben eine Pressekonferenz gespielt: Sie stellt die Produktvision vor, ich unterbreche. „Woher willst du das wissen?“ „Ein Auto wird zwölfmal verkauft? Das verstehe ich nicht.“ Sie hat es souverän gemacht: „Lass mich den Satz fertig machen“, Zahlen genannt, auf später verwiesen und dann der Satz, der den Frame zurückgeholt hat: „Jetzt aber ganz wichtig: Wir bleiben nicht im Heute, lasst uns fünf Jahre nach vorne schauen.“
Ein Punkt zum Nachschärfen: Als ich unterbrochen habe, ist sie kurz lauter geworden. Wer lauter wird, hofft, dass der andere aufhört. Besser: normal weitersprechen, oder den Namen nennen und ausreden. Und mehr Lächeln bei Anschuldigungen, sie war sehr ernst.
Ihr Fazit danach: Ich musste eigentlich nur meine Geschichte weitererzählen und dich zwischendurch einordnen, ohne dich abzubügeln. Mehr ist der eigene Frame nicht. Branche und Namen habe ich verändert.
Wenn du in bestimmten Räumen klein wirst
Wenn du die Techniken kennst und trotzdem merkst, dass du in bestimmten Räumen klein wirst: im Vorstand, in Verhandlungen, bei einem bestimmten Kollegen. Dann liegt es selten an den Sätzen. Es liegt am Frame. Der lässt sich nur unter echtem Druck verändern.
Und wenn du das Gegenteil bei dir beobachtest: dass du schnell konfrontativ wirst, weil du Bemerkungen als Angriff nimmst. Beides ist derselbe Mechanismus, nur in verschiedene Richtungen. Wie du die Sicht auf eine Bemerkung veränderst, bevor sie trifft, steht im Artikel zum Reframing.
Im Training bin ich die Person, die du nicht im Raum haben willst: den Unterbrecher, den Zweifler, den Frechen. Du hältst deinen Frame und nach jedem Durchgang bekommst du zwei Punkte, bis das Halten von allein kommt. Hier findest du alles zum Ablauf des Coachings.
Häufige Fragen
Wie antwortet man schlagfertig auf einen Angriff?
Indem du den eigenen Frame hältst statt dich zu verteidigen. Auf „das sind aber viele Änderungen“ nicht „ja, ich weiß, aber“, sondern: „Genau, deswegen ist es gut, dass wir das jetzt machen. Schauen wir es uns gemeinsam an.“ Ruhig, mit fallender Stimme und dann weiter im eigenen Thema.
Was ist ein Frame in einem Gespräch?
Der unausgesprochene Rahmen, den jeder mitbringt: wer hier der Experte ist, ob eine Frage ein Angriff ist, worum es eigentlich geht. Treffen zwei Frames aufeinander, kann nur einer bestehen. Wer den Frame vorgibt, hat die Kontrolle. Frame haben heißt nicht recht haben, sondern sich die Sicht des anderen nicht überstülpen zu lassen.
Was tun bei einer Unterstellung?
Nicht inhaltlich verteidigen, sonst diskutierst du über dich statt über die Sache. Drei Sätze: das höhere Ziel, „es geht nicht um X, es geht um Y“. Die Relativierung, „das ist Ihre Einschätzung“. Oder die überraschende Zustimmung, „stimmt, ich genieße Ruhe“, wenn sie deine Glaubwürdigkeit nicht kostet.
Was tun, wenn jemand ständig unterbricht?
Nicht lauter werden. Wer lauter wird, hofft, dass der andere aufhört. Das sieht jeder. Normal weitersprechen und, wenn er nicht aufhört, den Namen nennen: „Vinzenz, lass mich ausreden, ich komme gleich zu dir.“ Bei Wiederholung die Gruppe holen: Für uns alle ist es besser, wenn wir durchkommen. Und bei Anschuldigungen mehr Lockerheit als Ernst.
Wie reagiert man, wenn ein Angriff persönlich wird?
Auf dem unangenehmen Punkt bleiben statt zu flüchten: „Was genau stört dich?“ Oder kurz: „Okay, dann stört es dich. Ich bin damit in Ordnung.“ Das Problem liegt beim anderen. Es geht um Energiemanagement: nicht zu viel Aufmerksamkeit, aber genug, um die Grenze zu ziehen.
Was ist der Expertenframe?
Die Haltung, dass du aus einem Grund im Raum bist. Ein Kunde, der ins Gespräch kommt und sagt „du bist also der Experte“, will diesen Frame testen. Die Antwort: „Genau, und keine Sorge, wir haben vielen mit demselben Problem geholfen. Schauen wir es uns gemeinsam an.“ Nicht rechtfertigen, halten.
Warum wirkt der eine sicher und der andere nicht?
Weil Unsicherheit keine Eigenschaft ist, sondern eine Strategie, ein Mantel, den man sich irgendwann übergestülpt hat. Charakterzüge sind antrainiert. Die andere Strategie lässt sich genauso antrainieren: die Dinge als Ausdruck der eigenen Sicherheit tun und danach fragen, ob sie es waren.
Wie übt man den Umgang mit Angriffen?
Mit der Pressekonferenz: Du präsentierst, jemand unterbricht mit Unterstellungen. Und mit dem Baumdiagramm: die drei Sätze, die dich am meisten treffen, schriftlich, mit Antwort und Gegenreaktion. Wer das einmal durchgespielt hat, kommt im Ernstfall nicht in Schockstarre.
Quellen
- Goffman, E. (1974). Frame Analysis: An Essay on the Organization of Experience. Harvard University Press.
- Watzlawick, P., Beavin, J. H. & Jackson, D. D. (1967). Pragmatics of Human Communication. Norton. Zur Beziehungsebene und zur Definition der Beziehung durch die Gesprächspartner.
- Dweck, C. S. (2006). Mindset: The New Psychology of Success. Random House. Zur Veränderbarkeit von Eigenschaften, die als fest erlebt werden. Einordnung: Die Metaanalyse von Sisk et al. (2018, Psychological Science 29(4), 549-571) fand nur schwache Effekte solcher Denkweisen auf die Leistung.
- König, L. & Jucks, R. (2019). Hot topics in science communication: Aggressive language decreases trustworthiness and credibility in scientific debates. Public Understanding of Science, 28(4), 401-416. doi 10.1177/0963662519833903. Online-Experiment mit einem gefilmten Streitgespräch und einer Person, Thema Wissenschaft, nicht Besprechung.
- Lakoff, G. & Johnson, M. (1980). Metaphors We Live By. University of Chicago Press. doi 10.7208/chicago/9780226470993.001.0001 (Ausgabe 2003). Sprachanalytische Theorie zu Metaphern wie „Diskussion ist Krieg“, keine Wirkungsstudie.
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