Selbstbewusst vor Gruppen sprechen: Woher die Sicherheit kommt

Von Jakob Dürnberger · Veröffentlicht:

Selbstbewusst vor Gruppen zu sprechen hat wenig mit Auftreten zu tun und viel damit, woran dein Selbstwert hängt. Wer seine Sicherheit aus der Zustimmung des Raumes bezieht, verliert sie bei jedem skeptischen Gesicht. Stabil wird sie erst, wenn sie an etwas hängt, das der Raum nicht vergeben kann: an eigenen bewältigten Erfahrungen und an einer Absicht, die nicht du selbst bist.

Außenist die häufigste falsche Quelle
1 Absichthilft mehr als jede Haltung
Notizsonst zählt die Erfahrung nicht

Selbstbewusst vor Gruppen zu sprechen wird meist als Frage des Auftretens behandelt: Haltung, Stimme, Blickkontakt. Das ist nicht falsch, aber es ist die zweite Hälfte. Die erste Hälfte ist die Frage, woran deine Sicherheit überhaupt hängt, denn davon hängt ab, ob sie einen skeptischen Blick in der dritten Reihe übersteht.

Warum kippt meine Sicherheit mitten im Vortrag?

Weil sie an etwas hängt, das du nicht kontrollierst.

Der häufigste Aufbau sieht so aus: Du gehst hinein, es läuft, die Leute nicken, du fühlst dich gut. Dann runzelt jemand die Stirn, oder eine Frage klingt kritischer als gemeint und innerhalb von Sekunden ist die Sicherheit weg. Das ist kein Charakterproblem. Das ist die logische Folge davon, dass die Quelle im Raum sitzt und nicht bei dir.

Jennifer Crocker und Connie Wolfe haben 2001 beschrieben, woran Menschen ihren Selbstwert knüpfen und welchen Unterschied das macht. Nach ihrem Befund schwankt Selbstwert, der an äußere Bestätigung gebunden ist, stark und führt dazu, dass Situationen ständig auf Bestätigung hin abgesucht werden. Wer seine Sicherheit aus der Zustimmung eines Raumes bezieht, muss den Raum also permanent kontrollieren. Genau diese Kontrolle kostet die Aufmerksamkeit, die er zum Sprechen bräuchte.

Wo die Sicherheit hängt Dieselbe Rede, zwei Verläufe: Quelle im Raum oder Quelle bei dir
Nicken Stirnrunzeln kritische Frage Quelle im Raum Quelle bei dir Erfahrungen Absicht

Dass wir überhaupt so empfindlich auf Zustimmung reagieren, hat einen nachvollziehbaren Grund. Mark Leary und Roy Baumeister haben 2000 vorgeschlagen, den Selbstwert als eine Art Anzeige zu verstehen, die misst, wie sehr wir gerade dazugehören. Diese Anzeige ist nützlich. Sie ist nur kein Kompass, an dem du dich ausrichten solltest, wenn du vor einer Gruppe stehst und eine Sache zu vertreten hast.

Woran erkenne ich, dass ich mich selbst beobachte?

An vier Anzeichen, die du vermutlich wiedererkennst:

Aufmerksamkeit nach innen oder nach außen Dieselbe Situation, zwei Zustände
„Wie wirke ich gerade?“→„Kommt der Punkt an?“
„Hoffentlich merkt keiner, dass ich nervös bin.“→„Wer im Raum braucht dazu noch eine Information?“
„Das war ein blöder Satz.“→„Das war unklar, ich sage es noch einmal anders.“
„Der schaut skeptisch, was denkt der?“→„Der schaut skeptisch, ich frage ihn gleich.“

Die linke Spalte kostet dich die Hälfte deiner Kapazität. Die rechte Spalte tut das nicht, und zwar bei identischer körperlicher Anspannung. Das ist der praktisch wichtigste Punkt: Es geht nicht darum, ruhiger zu werden. Es geht darum, wohin die Aufmerksamkeit zeigt.

Wohin die Kapazität geht Bei identischer körperlicher Anspannung
„Wie wirke ich gerade?“ „Kommt der Punkt an?“ beobachten sprechen sprechen gleiche Anspannung, gleiche Kapazität die Hälfte weg ganz beim Inhalt

Wie komme ich aus der Selbstbeobachtung heraus?

Über eine Absicht, die nicht du selbst bist.

Das klingt abstrakt, ist aber sehr konkret umsetzbar. Formuliere vor jedem Auftritt einen Satz, der beschreibt, was die Zuhörer davon haben sollen. Nicht, wie du wirken willst. Was die anderen danach wissen, können oder entscheiden sollen.

Den Satz formulieren Zwei Minuten, am besten am Vorabend
Wer sitzt da?Nicht die Funktionen, die Menschen. Was beschäftigt die gerade, was wissen die schon?
Was sollen die danach tun können?Eine Entscheidung treffen, ein Risiko einschätzen, einen Auftrag vergeben. Etwas Konkretes.
Den Satz aufschreiben„Die sollen nachher wissen, warum wir umstellen und was das für ihre Abteilung heißt.“
Den Satz vorher noch einmal lesenDirekt vor dem Hineingehen. Er ersetzt die Frage, wie du wirken wirst.

Ich kenne die Wirkung dieses Wechsels sehr gut von mir selbst. Im Rhetorik-Club habe ich regelmäßig vor vielen Menschen gesprochen. Dann habe ich mein erstes Seminar gehalten, zum ersten Mal als Trainer. Ich war wie erstarrt.

Nicht wegen der Gruppe, sondern weil ich unbedingt gut sein wollte und mir keinen Fehler erlaubt habe. In dem Moment, in dem mir klar geworden ist, dass ich hier helfen will und dass es um die Teilnehmer geht, war die Blockade weg.

Woher kommt Sicherheit, die bleibt?

Aus eigenen bewältigten Erfahrungen. Das ist keine Meinung, sondern das am besten belegte Ergebnis in diesem Feld.

Albert Bandura hat 1977 beschrieben, woraus sich die Überzeugung speist, eine Situation bewältigen zu können. Er nennt vier Quellen, und die erste ist mit Abstand die stärkste:

Vier Quellen, nach Wirksamkeit geordnet Die erste ist mit Abstand die stärkste
Eigene bewältigte Erfahrungen Beobachtung von Vergleichbaren Zuspruch von außen Deutung des eigenen Körpers
  1. Eigene bewältigte ErfahrungenDu hast es getan und es ist ausgegangen. Nichts ersetzt das.
  2. Beobachtung von VergleichbarenJemand, der dir ähnlich ist, schafft es. Deshalb wirken Vorbilder aus dem eigenen Umfeld stärker als Bühnenredner.
  3. Zuspruch von außenHilft, reicht aber allein nicht. Deshalb verpufft gut gemeintes Lob so schnell.
  4. Die Deutung des eigenen KörpersOb du Herzklopfen als Alarm oder als Leistungsbereitschaft liest, verschiebt die Einschätzung spürbar.

Der Haken an der ersten Quelle: Sie zählt nur, wenn du sie verbuchst. Und genau das passiert bei den meisten Menschen nicht, weil unser Gedächtnis Misserfolge besser speichert als Erfolge. Wenn du nach einem Auftritt nur die drei misslungenen Stellen durchgehst, hast du die Erfahrung gemacht, aber nicht abgelegt.

Deshalb der praktische Rat, den ich fast jedem mitgebe: Leg eine Liste an, auf Papier oder im Handy. Nach jedem Auftritt trägst du drei Dinge ein, die funktioniert haben, plus eine Sache für das nächste Mal. Wie das im Ablauf aussieht, steht im Artikel über das Abbauen der Aufregung vor dem Auftritt.

Was ist mit Ego und Selbstdarstellung?

Ein Nachsatz, weil die Frage im Coaching oft kommt.

Ego ist ein brauchbares Werkzeug und ein schlechter Kompass. Es ist völlig in Ordnung, gut dastehen zu wollen. Problematisch wird es erst, wenn das die Ausrichtung übernimmt, weil du dann in jeder Situation die falsche Frage stellst, nämlich die nach dir selbst.

Der Unterschied lässt sich an einer Zwischenfrage zeigen. Wer aus dem Ego heraus antwortet, hört einen Angriff und rechtfertigt sich. Wer aus der Absicht heraus antwortet, hört eine Frage und erklärt. Von außen sind das zwei völlig verschiedene Auftritte, obwohl derselbe Mensch dasselbe Fachwissen hat.

Dieselbe Zwischenfrage, zwei Antworten „Haben Sie das mit dem Controlling abgestimmt?“
Rechtfertigung

„Also, ich wollte das eigentlich noch machen, aber es war zeitlich schwierig und ich dachte, das können wir auch nachher.“

Erklärung

„Noch nicht. Das ist der nächste Schritt und ich brauche dafür die Entscheidung von heute als Grundlage.“

Der Inhalt ist identisch. Der Unterschied liegt darin, ob du deine Position verteidigst oder deine Sache erklärst.

Was hilft, wenn ich gerade keine Erfolge habe, auf die ich zurückgreifen kann?

Dann fang mit kleineren Situationen an, in denen der Einsatz niedrig und das Format echt ist. Ein Wortbeitrag in einer Runde, in der du sonst schweigst. Eine Kurzvorstellung im Team. Ein Vortrag vor Kollegen, bevor du ihn vor der Geschäftsleitung hältst.

Es zählt auch dann als Erfolg, wenn das Ergebnis nicht perfekt war. Wenn du Bammel hattest und es trotzdem gemacht hast, gehört das auf die Liste. Der Maßstab ist, dass du hingegangen bist. Das Resultat zählt dafür nicht.

Und prüf, mit welchem Bild du hineingehst. Viele stehen vor einer Gruppe, als wären sie wieder in der Schule: Man trägt etwas vor, das man gerade erst gelernt hat, vor Leuten, die es besser wissen. Im Beruf stimmt das fast nie.

Du sprichst über ein Gebiet, das du aus mehreren Richtungen kennst. Im Raum weiß kaum jemand so viel darüber wie du. Notier vor dem Termin drei Dinge zu deinem Thema, die du weißt und die meisten im Raum nicht. Das ist keine Selbstüberschätzung, das ist eine nüchterne Standortbestimmung.

Aus meiner Coaching-Praxis: Gekippt ist es bei Nadine immer an derselben Stelle. Sie berät Firmenkunden bei einer Bank und hat im Gespräch unter vier Augen keinerlei Probleme. Sobald aber zehn Leute am Tisch sitzen und sie etwas erklären soll, kommt die Blockade: Sie bleibt an Wörtern hängen, plant Sätze voraus, ersetzt schwierige Wörter vorab und wird dadurch noch angespannter. Präsentationen lernt sie auswendig, weil sie perfekt sein sollen, und nach etwa zwanzig Minuten ist sie im Fluss.

Das Stocken kennt Nadine, die in Wirklichkeit anders heißt, seit der Schulzeit, und daraus hatte sie geschlossen, nicht kompetent genug zu sein. Diesen Schluss haben wir geprüft. Kennt sie Menschen, die ins Stocken kommen und trotzdem hochkompetent sind? Ja. Und Menschen, die flüssig reden und nicht kompetent sind? Viele.

Dann die Frage, ob sie einem jungen Menschen, der ihr vom Stottern in der Schule erzählt, raten würde aufzugeben. Natürlich nicht. Genau das hat sie mit sich selbst getan. Mitgenommen hat sie, sich nach einem Versprecher zu fragen, was sie daraus lernt, statt drei Tage lang sauer auf sich zu sein. Und wir haben darüber gesprochen, dass sich der Körper an Runden gewöhnt, wenn sie sich oft genug hineinbegibt.

Auswendiglernen fühlt sich nach Sicherheit an und ist in Wahrheit eine Form von Vermeidung. Und wo lernst du gerade auswendig, weil es sich sicherer anfühlt, als frei vor der Runde zu stehen?

Warum der Wunsch nach Anerkennung gegen dich arbeitet

Es gibt eine Kategorie von Vorsätzen, die zuverlässig das Gegenteil bewirkt. Der Wunsch nach Anerkennung ist ihr bekanntester Vertreter.

Eine Absicht ist dysfunktional, wenn zwei Dinge zutreffen: Du hast das Ergebnis nicht in der Hand und der Vorsatz wird zu deinem eigenen Hindernis.

„Ich möchte Anerkennung um jeden Preis“ erfüllt beides. In der Hand hast du es nicht, weil jeder Mensch im Raum etwas anderes erwartet. Der eine schätzt jemanden, der laut und zugewandt auftritt, der andere jemanden, der zurückhaltend bleibt. Du kannst nicht beides gleichzeitig sein.

Und genau daraus entsteht das Hindernis. Wenn du es trotzdem versuchst, musst du dich in jeder Runde anders geben. Das hat einen Namen: unauthentisch.

Und Menschen, die sich ständig verstellen, wirken unsicherer. Der Vorsatz führt also direkt zu dem Eindruck, den er verhindern sollte. Ein altes Sprichwort sagt es knapper: Wer jedermanns Freund ist, ist niemandes Freund.

Vier Vorsätze und ihre brauchbaren Gegenstücke Links nicht steuerbar, rechts steuerbar
„Ich möchte Anerkennung um jeden Preis.“→„Ich will authentisch sein und Rückmeldung annehmen.“
„Ich will Ablehnung vermeiden.“→„Ich sage, was ich für richtig halte.“
„Ich will es perfekt machen.“→„Ich gebe mein Bestes und lerne aus dem Durchgang.“
„Ich will niemandem auf die Zehen steigen.“→„Ich will die Sache klären, auch wenn es unangenehm wird.“

Der Nebeneffekt der rechten Spalte ist der interessante: Wer nicht mehr versucht, allen zu gefallen, wird nicht von weniger Menschen gemocht, sondern von anderen, und zwar verlässlicher. Eigenheiten wirken sympathisch. Ein glattgeschliffenes Auftreten wirkt austauschbar.

Und wenn du die Frage beantworten willst, ob dein Vorsatz vor dem nächsten Termin taugt: Prüf ihn an den zwei Bedingungen. Habe ich das Ergebnis in der Hand? Steht mir der Vorsatz selbst im Weg?

Wie viel ist ein Baum wert?

Eine Übung, die ich gern mache, bevor wir über Selbstwert reden.

Stell dir einen alten Baum auf einer Wiese vor. Wie viel ist er wert? Fragen wir ein paar Leute, die vorbeikommen.

Derselbe Baum, fünf Betrachter Jeder nennt einen anderen Wert
Holzhacker 500 Euro Joggerin kein Wert Ehepaar unbezahlbar Designerin 50.000 Euro Eichhörnchen Lebensraum
  1. Der HolzhackerBrennholz, etwa 500 Euro, kennt er schon.
  2. Die JoggerinEin Baum wie jeder andere. Kein Wert.
  3. Das EhepaarUnbezahlbar. Hier war der Heiratsantrag, vor dreißig Jahren.
  4. Die DesignerinEin Unikat. Daraus werden Möbel für 50.000 Euro.
  5. Das EichhörnchenLebensraum. Hier sind die Vorräte und die Jungen.

Und jetzt die eigentliche Frage: Was ist der Baum wert, ohne dass jemand hinsieht? Die Antwort ist unbequem und aufschlussreich. Nichts. Wert entsteht erst durch einen Betrachter, der ihn zuschreibt.

Genau daraus folgt der Punkt, um den es geht. Bei dir selbst gibt es auch Betrachter und der mit Abstand einflussreichste bist du. Was du dir zuschreibst, ist für dich in dem Moment real, in dem du es denkst. Danach verhältst du dich, danach trittst du auf, danach reagiert der Raum.

Die Runde schreibt dir einen Wert zu, das stimmt. Aber du bist der nächste Betrachter und deine Zuschreibung wirkt zuerst.

Warum die Beweisstrategie nicht funktionieren kann

Der häufigste Versuch, mit einem niedrigen Selbstwert umzugehen, ist, es allen zu zeigen. Das funktioniert nicht, und zwar aus einem strukturellen Grund.

Der Ablauf sieht so aus: Du hältst dich für nicht ausreichend. Das gefällt dir nicht, also nimmst du dir vor, es zu beweisen. Du arbeitest mehr, bereitest länger vor, setzt dir hohe Maßstäbe. Und dann passiert eines von zwei Dingen.

Entweder es geht schief, was bei sehr hohen Maßstäben schnell passiert. Dann hast du den Beleg. Oder es gelingt und dann machst du es klein: Das war ja einfach, das zählt nicht, die wollten nur nett sein. Beide Wege führen zurück zum Ausgangspunkt.

Der eigentliche Haken steckt aber schon im Vorsatz selbst: Dass du etwas beweisen willst, setzt voraus, dass du vom Gegenteil überzeugt bist. Sonst gäbe es nichts zu beweisen. Du arbeitest also auf einer Ebene, auf der das Problem gar nicht lösbar ist.

Die Schleife Warum mehr Leistung den Selbstwert nicht hebt
Annahme: nicht zu genügen „Ich beweise es.“ misslingt: der Beleg gelingt: kleingeredet Beide Wege bestätigen den Ausgangspunkt. Beim nächsten Mal ist er fester.
  1. Der AusgangspunktTief drinnen die Annahme, nicht zu genügen.
  2. Die Strategie„Ich beweise es.“ Hohe Maßstäbe, viel Vorbereitung, Perfektionismus.
  3. Der AusgangMisslingen bestätigt die Annahme. Gelingen wird kleingeredet.
  4. Die VerstärkungBeide Wege bestätigen den Ausgangspunkt. Beim nächsten Mal ist er fester.

Wer nach Perfektion strebt, muss außerdem dauernd Fehler suchen. Das ist, als würdest du einen weißen Raum betreten: Du siehst sofort den einen schwarzen Punkt, weil du weiß erwartest. Und dieses Suchen kostet genau die Aufmerksamkeit, die du zum Sprechen bräuchtest.

„Das bin ich halt nicht“ und warum der Satz nicht stimmt

Der häufigste Einwand gegen jede Veränderung im Auftreten lautet: Ich bin halt eher zurückhaltend, alles andere wäre nicht authentisch.

Dazu eine Unterscheidung, die viel löst. Persönlichkeit ist in großen Teilen eine erlernte Strategie für soziale Stresssituationen. Irgendwann ist etwas passiert, du hast dich zurückgehalten, es hat funktioniert und seither machst du es. Das ist ein antrainiertes Verhalten, keine Eigenschaft deines Wesens.

Daraus folgt etwas Unerwartetes: Das Zurückhalten ist nicht der authentische Teil, sondern der antrainierte. Authentisch ist, was von innen kommt. Wenn du tief drinnen ein Team führen willst, dann ist es authentisch, in der Sitzung den Part zu übernehmen, der dazugehört, auch wenn es sich noch ungewohnt anfühlt.

Nimm es deshalb als Rolle, und zwar bewusst und mit Leichtigkeit. Nicht als Maske, sondern als Ausdruck einer Absicht, die du wirklich hast.

Eine Rolle wählen, statt sich zu verstellen Vor dem Termin einen Satz festlegen
Statt

„Ich muss jetzt selbstbewusster wirken, als ich bin. Hoffentlich merkt das keiner.“

Besser

„In diesem Termin bin ich der, der die Entscheidung herbeiführt. Das gehört zu dem, was ich hier will.“

Der zweite Satz ist keine Verstellung, weil die Absicht dahinter deine eigene ist. Und er macht das Auftreten zur Aufgabe statt zur Charakterfrage.

Sicherheit, die nicht vom Publikum abhängt

Wenn deine Sicherheit von der Reaktion des Raumes abhängt und du allein nicht herauskommst. Das ist schwer selbst zu korrigieren, weil du im Auftritt genau die Wahrnehmung hast, die das Problem erzeugt.

Im Training läuft das über zwei Fragen nach jedem Durchgang. Erstens, was hast du vom Raum mitbekommen, wer hat genickt, wer hat gefragt? Zweitens, woran hast du zwischendurch gedacht?

Die Antworten zeigen sehr schnell, wo deine Aufmerksamkeit tatsächlich war. Das ist die Stellgröße, um die es geht. Die Rückmeldung selbst gebe ich entlang fester Punkte, damit sie überprüfbar bleibt.

Im Einzeltraining üben wir das an deinen echten Terminen, mit kritischen Zwischenfragen. Nach jedem Durchgang bekommst du eine Rückmeldung dazu, wo deine Aufmerksamkeit tatsächlich war. Hier findest du mehr Informationen zum Coaching. Wenn du vor allem in Sitzungen verstummst, lies zuerst den Artikel über die Angst vor Besprechungen.

Häufige Fragen

Wie wirkt man selbstbewusst vor einer Gruppe?

Weniger über Haltung und Stimme, als die meisten denken. Entscheidend ist, wohin deine Aufmerksamkeit geht. Wer im Auftritt beobachtet, wie er selbst wirkt, wirkt unsicher. Wer die Aufmerksamkeit auf die Sache und die Zuhörer richtet, wirkt sicher, auch bei hoher Anspannung.

Warum bin ich vor Gruppen unsicher, obwohl ich fachlich sicher bin?

Weil in der Gruppe nicht dein Fachwissen verhandelt wird, sondern deine Position. Fachliche Sicherheit hilft dagegen nur begrenzt. Was hilft, ist Routine in genau dieser Situation, also im Sprechen vor mehreren Personen.

Wie baue ich echtes Selbstbewusstsein auf?

Über eigene bewältigte Erfahrungen, das ist die mit Abstand stärkste Quelle. Entscheidend ist, dass du diese Erfahrungen festhältst. Wer sie nicht notiert, erinnert sich später vor allem an die misslungenen und hat damit eine verzerrte Grundlage.

Warum verliere ich die Sicherheit mitten im Vortrag?

Meist an einem skeptischen Gesicht oder einer kritischen Frage. Das passiert, wenn deine Sicherheit an der Zustimmung des Raumes hängt. Dann ist jedes Stirnrunzeln ein Entzug. Sicherheit, die an deiner Absicht hängt, ist davon unabhängig.

Hilft es, sich selbstbewusster zu geben, als man ist?

Nur begrenzt. Eine aufrechte Haltung hilft, weil sie die Atmung freigibt. Ein aufgesetztes Auftreten wird dagegen von Zuhörern meist bemerkt und kostet Aufmerksamkeit, die dir beim Sprechen fehlt. Besser ist, die Anspannung zuzulassen und die Aufmerksamkeit nach außen zu richten.

Was tun bei kritischen Zwischenfragen?

Die Frage aufgreifen, statt sich zu rechtfertigen. „Guter Punkt, den habe ich bewusst so entschieden, und zwar deshalb.“ Wer sich rechtfertigt, gibt die Deutungshoheit ab. Wer erklärt, behält sie.

Quellen

  1. Bandura, A. (1977). Self-efficacy: Toward a unifying theory of behavioral change. Psychological Review.
  2. Crocker, J. & Wolfe, C. T. (2001). Contingencies of self-worth. Psychological Review.
  3. Leary, M. R. & Baumeister, R. F. (2000). The nature and function of self-esteem: Sociometer theory. Advances in Experimental Social Psychology.
  4. Baumeister, R. F., Bratslavsky, E., Finkenauer, C. & Vohs, K. D. (2001). Bad is stronger than good. Review of General Psychology.
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