Präsentation Einstieg: Sechs Hooks für die ersten zehn Sekunden

Von Jakob Dürnberger · Veröffentlicht:

Der Einstieg hat eine einzige Aufgabe: Aufmerksamkeit holen, bevor du informierst. Dafür gibt es sechs bewährte Wege, vom Nutzenversprechen über die Frage bis zur kurzen Geschichte. Womit du nie beginnen solltest: mit „mein heutiges Thema ist“, mit Dank oder mit der eigenen Vorstellung. Die kommt erst nach der Hook.

10 Sekentscheiden, ob du die Aufmerksamkeit bekommst
6Arten von Hooks, alle mit Beispielsatz
5Schritte hat eine vollständige Einleitung

Wenn du deine Präsentation nicht richtig beginnst, kannst du sie fast lassen. Das klingt hart, ist aber die nüchterne Beschreibung dessen, was in den ersten Sekunden passiert: Es entscheidet sich, ob dir das Publikum seine Aufmerksamkeit gibt. Diese Entscheidung fällt nicht rational und sie fällt, bevor du beim Inhalt bist.

Ein Urteil über deinen Vortrag ist das noch nicht. Aber ohne Aufmerksamkeit kommt der Inhalt nicht an. Der Einstieg hat deshalb genau eine Aufgabe. Information ist es nicht.

Warum entscheiden die ersten Sekunden so viel?

Ich erkläre das im Training mit einem Türsteher. Information geht nie direkt in den Neocortex, also in den Teil des Gehirns, der Argumente prüft und analysiert. Sie kommt zuerst am limbischen System vorbei, das für Emotion und Verhalten zuständig ist.

Das limbische System steht wie ein Türsteher vor dem Club und fragt: Ist das spannend, ist das neu, ist das eine Gefahr? Löst es etwas aus, bringt es mir etwas? Wenn nein, bleibt die Tür zu und deine Argumente kommen nie dort an, wo sie geprüft würden.

Wir müssen also erst den Türsteher der Aufmerksamkeit bestechen und dann informieren. In der Reihenfolge, nie umgekehrt.

Die drei Fragen, die dieser Türsteher stellt, lassen sich auf eine Regel bringen: Mach es neu, mach es aufregend, mach es unkompliziert. Was alt, flach oder zu kompliziert wirkt, wird abgewiesen.

Der Türsteher der Aufmerksamkeit Erst bestechen, dann informieren
Information Türsteher neu? aufregend? unkompliziert? Tür auf Tür zu Neocortex abgewiesen prüft die Argumente
  1. Der TürsteherDas limbische System. Information kommt immer zuerst bei ihm vorbei.
  2. Die drei FragenMach es neu, mach es aufregend, mach es unkompliziert.
  3. Tür zuWas alt, flach oder zu kompliziert wirkt, wird abgewiesen.
  4. Tür aufErst dann kommen deine Argumente im Neocortex an, wo sie geprüft werden.

Eine Rede ist eine Transaktion. „Ich gebe Ihnen etwas, dafür brauche ich Ihre Aufmerksamkeit.“ Aus Sicht des Publikums klingt das so: „Warum soll ich dir meine Aufmerksamkeit schenken, ich habe so viel zu tun?“

Die Hook ist die Antwort auf diese Frage. Sie hängt den Zuhörer an, wie einen Fisch an den Haken. Daher kommt auch der Name.

Die Forschung zur Neugier beschreibt denselben Mechanismus von der anderen Seite. George Loewenstein hat 1994 die Informationslücke als Quelle von Neugier beschrieben: Sobald wir merken, dass uns etwas fehlt, das wir wissen wollen, entsteht ein unangenehmer Zug, die Lücke zu schließen. Ein guter Einstieg reißt genau so eine Lücke auf. Und was zuerst kommt, bleibt: Bennet Murdock hat 1962 gezeigt, dass die ersten Elemente einer Reihe deutlich besser erinnert werden als die mittleren.

Was die ersten Sekunden nicht entscheiden, ist das Urteil über deinen Vortrag. Gheorghiu, Callan und Skylark haben 2020 geprüft, ob stumme Kurzausschnitte von TED-Rednern vorhersagen, wie die ganzen Vorträge bewertet werden. Das tun sie nicht. Weder der Eindruck von Kompetenz oder Sympathie noch Alter, Geschlecht oder Aussehen haben vorhergesagt, wie Qualität und Unterhaltungswert beurteilt wurden.3 Untersucht wurden allerdings nur inhaltsreiche Vorträge und die Ausschnitte waren ohne Ton.

Für den Einstieg heißt das: Die Hook holt die Aufmerksamkeit, die du für alles Weitere brauchst. Ein verpatzter erster Satz beendet die Präsentation aber nicht.

Womit solltest du nie beginnen?

Mit dem, womit die meisten beginnen.

Vier Anfänge, die ich täglich höre Und was sie beim Türsteher auslösen
„Sehr geehrte Damen und Herren, mein heutiges Thema ist …“→Nicht neu, nicht aufregend. Tür zu.
„Vielen Dank, dass wir heute hier sein dürfen.“→Bittstellerhaltung ab Sekunde eins.
„Mein Name ist, ich bin seit drei Monaten im Unternehmen …“→Information vor Aufmerksamkeit. Und „seit drei Monaten“ schwächt.
„Ich möchte Ihnen heute gerne präsentieren, warum wir vielleicht …“→Drei Weichmacher in einem Satz. Nichts davon klingt nach Expertise.

Wenn du nicht als Erste sprichst, kommt ein fünfter dazu: „Wie mein Vorredner schon gesagt hat …“ Damit erklärst du dich selbst zur Wiederholung. Knüpf an die Diskussion an, aber mit dem, was neu ist: „Was in der Diskussion bisher gefehlt hat, ist …“

Ein Hinweis zur Abgrenzung: Sich absetzen heißt nicht, um jeden Preis aufzufallen. Wer eine Oper singt, setzt sich ab, aber es passt nicht. Der Einstieg muss zum Rahmen passen, zum Publikum und zu dir.

Ein Ingenieur vor Eigentümern braucht eine andere Hook als eine Keynote-Rednerin vor 300 Leuten. Aber beide brauchen eine.

Und noch etwas gehört zum Anfang, das nichts mit Worten zu tun hat: dein Auftreten ab Sekunde eins. Stimme, Stand, Blick, Energie. Der erste Eindruck entsteht, bevor der erste Satz fertig ist. Eine gute Hook mit hängenden Schultern und Blick auf den Boden bleibt ein schwacher Anfang.

Welche sechs Hooks gibt es?

Sechs Arten, die sich im Training bewährt haben, jeweils mit einem Sprachmuster, das du füllen kannst. Die Beispiele stammen aus einem Übungsfall: Ein Abteilungsleiter spricht nach einer schweren Phase zu seinem Team.

Sechs Wege in die Präsentation Der erste ist der zuverlässigste
Mehrwert„Ich bin hier, um Ihnen nicht nur zu sagen, dass wir in einer Krise stecken, sondern um Ihnen einen klaren dreistufigen Plan zu präsentieren, der uns hindurchführen wird.“
Frage„Wie viele von Ihnen sind bereit, das zu tun, was jetzt nötig ist?“
Provokante Aussage„Sehen wir der Wahrheit ins Auge. Wir stehen vor der härtesten Herausforderung, die diese Firma je erlebt hat.“
Besonderer Anlass„Heute sind wir hier, um einen Wendepunkt in der Geschichte des Unternehmens zu markieren.“
Geschichte„Bevor ich starte, eine kurze Geschichte. Vor zehn Jahren stand ich mit meinem Großvater auf einer Wiese …“
ZitatEin Satz, der die Botschaft bündelt. Kurz deuten und am Ende wieder aufgreifen. Nicht erklären.

Für jeden der sechs gibt es ein leeres Muster, das du mit deinem Thema füllst:

Die Sprachmuster zum Ausfüllen Eines pro Hook, aus meinem Skript
  • Provokant: „Es mag überraschend klingen, aber ich bin hier, um Ihnen zu sagen, dass …“
  • Mehrwert: „Was ich Ihnen heute präsentiere, hat das Potenzial, Ihre Sicht auf … zu verändern.“ Oder: „Heute geht es darum, wie Sie … erreichen, ohne je wieder … zu haben, und das in nur …“
  • Frage: „Haben Sie sich jemals gefragt, warum …?“
  • Anlass: „Heute ist nicht nur ein gewöhnlicher Tag.“
  • Geschichte: „Lassen Sie mich Ihnen eine Geschichte erzählen.“
  • Zitat: „Ein Satz, den ich seit Jahren mit mir trage: …“

Die Mehrwert-Hook ist mein Standard, weil sie in jedem Rahmen funktioniert. Das Sprachmuster dahinter lautet: „Wie Sie ein bestimmtes Ergebnis bekommen, ohne einen bekannten Schmerz.“

„Heute geht es darum, wie Sie dreißig Prozent mehr Klienten gewinnen, ohne mehr Verwaltungsaufwand.“ Oder, vom Fitnesstrainer: „Wie Sie bis zum Sommer in Form kommen, ohne jeden Tag im Studio zu sein.“ Ergebnis, dann Schmerz, den es nicht mehr gibt. Deshalb hört jemand zu.

Bei langen Fachvorträgen kann der Mehrwert auch die Relevanz sein. Eine Wissenschaftlerin, die anderthalb Stunden vor Fachleuten gesprochen hat, hat mit drei Schlagzeilen aus der Tagespresse zu ihrem Thema begonnen. Die Botschaft dahinter: Das ist nicht nur akademisch wichtig, sondern gesellschaftlich. Danach hat der Saal anders zugehört.

Die provokante Aussage funktioniert über die Lücke: „So, wie wir das bisher gemacht haben, kann es nicht weitergehen.“ Der Satz erzeugt Spannung, die jeder im Raum verarbeiten will. Setz ihn nur ein, wenn du ihn auch einlöst.

Wie setzt du die Frage als Einstieg richtig ein?

Die Frage ist die Hook mit der größten Wirkung und der größten Falle. Wenn niemand die Hand hebt, stehst du da. Drei Regeln aus dem Training:

Erstens: Stell die Frage so, dass die Antwort klar ist. „Wer möchte einmal einen wirklich tollen Urlaub erleben?“ Ein Klient hat damit eine Übungsrede über Mallorca begonnen und dann sofort weitergemacht: „Ich sehe ganz viele Hände.“

Ob sie oben waren oder nicht, hat keine Rolle mehr gespielt. Der Satz hatte die Antwort schon gegeben.

Dasselbe gilt für Sätze, die dein Publikum vereinnahmen: Auf „Sie alle kennen das“ sagt irgendwann jemand laut „ich nicht“. „Die meisten von Ihnen haben vermutlich schon erlebt, dass …“ lässt niemanden draußen.

Zweitens: Frag nach etwas, das die Leute besitzen oder erleben, nicht nach einer Meinung. Eine Klientin, die über Kreislaufwirtschaft gesprochen hat, hat gefragt: „Wer hat eine elektrische Zahnbürste zu Hause?“ Die Hälfte des Saals hat die Hand gehoben. Damit hatte sie ihr Beispiel im Raum stehen.

Drittens: Wenn du das Publikum in Bewegung bringst, plane den Ausstieg. Ein Klient hat eine Keynote über Energie im Alltag vorbereitet und wollte alle aufstehen lassen: Wer sich bei zehn von zehn fühlt, setzt sich. Wer bei neun, setzt sich. Und so weiter.

Das ist ein starker Einstieg, weil Stehen ein Investment ist. Aber spätestens bei sechs oder sieben muss Schluss sein, sonst wird es peinlich für die, die noch stehen. Und du musst mit jedem Ergebnis spontan umgehen können, auch wenn sich schon bei neun alle setzen.

Aufstehen lassen, Ausstieg planen Stehen ist ein Investment, aber nicht zu lange
spätestens hier Schluss danach peinlich 10 9 8 7 6 stehen noch Wer sich bei zehn von zehn fühlt, setzt sich, dann neun und so weiter.

Interaktion hat einen Preis: Du gibst Kontrolle ab und es dauert. Bei einem Pitch von drei Minuten lässt du sie weg. Bei einer Keynote oder einem Workshop ist sie der schnellste Weg, den Türsteher zu überzeugen.

Wie arbeitest du mit einem Zitat?

Ein Zitat ist die Hook, die Teilnehmende am liebsten wählen und am häufigsten falsch einsetzen. Zwei Fehler sehe ich immer wieder.

Der erste: Das Zitat wird erklärt. Ein Klient, der bei der Versammlung seines Verbands für den Vorsitz kandidiert hat, hat mit einem Satz über Segelschiffe begonnen: Wer den Hafen nicht kennt, für den ist kein Wind der richtige. Dann hat er drei Minuten lang erklärt, was das mit Wind von vorne zu tun hat. Damit war das Bild kaputt.

Die Lösung: das Zitat in einem Satz kurz deuten und dann als roten Faden durch die Rede ziehen. „Auch in meinem Leben musste ich oft mit dem Wind gehen, aber ich hatte das Ziel vor Augen.“ Am Ende taucht das Bild ein letztes Mal auf. So hält ein Zitat eine ganze Rede zusammen.

Der zweite: Das Zitat ist für dich schwer, nicht für das Publikum. Eine Ärztin wollte mit einem berühmten Satz über ihr Fach beginnen. Für sie selbst war dieser Satz ein großer Stein, mit dem sie gekämpft hat. Damit ins kalte Wasser zu springen wäre schiefgegangen.

Wir haben das Zitat als Zusammenfassung an den Schluss gestellt und vorne eine Mehrwert-Hook gesetzt: „Sie werden verstehen, warum mein Fach mehr mit dem Leben zu tun hat als mit dem Sterben.“ Ein Zitat am Ende ist oft stärker als am Anfang, weil das Publikum dann weiß, was es bedeutet.

Wo das Zitat steht Erklärt, als roter Faden oder am Schluss
Erklärt Zitat drei Minuten erklärt Das Bild ist kaputt. Als roter Faden Zitat Bild in einem Satz gedeutet, am Ende ein letztes Mal Am Schluss Mehrwert-Hook Zitat am Ende weiß das Publikum, was es bedeutet

Und prüf die Zuschreibung. Die Hälfte der Zitate, die im Umlauf sind, stammt nicht von der Person, der sie zugeschrieben werden. Ein Zuhörer, der das weiß, ist für den Rest des Vortrags mit dem Fehler beschäftigt.

Was kommt nach der Hook?

Die vollständige Einleitung hat fünf Schritte, von denen nur der erste die Hook ist. Bei kurzen Präsentationen brauchst du nicht alle.

  1. Aufmerksamkeit: die Hook.
  2. Thema, in einem Satz: „Heute geht es um die Frage, ob wir in die neue Software investieren.“
  3. Verbindung zum Publikum, optional: „Das betrifft jeden hier, weil …“
  4. Vorschau, nur bei längeren Präsentationen: „Dazu drei Punkte: die Kosten, der Zeitplan, die Risiken.“
  5. Übergang: „Beginnen wir mit dem ersten Punkt.“

Und die Vorstellung? Die kommt als Bindeglied nach dem Thema und vor dem Hauptteil, wenn dich das Publikum nicht kennt. Ein Satz reicht: „Kurz zu meiner Person, damit Sie wissen, wer hier vorne steht.“ Wer sich zuerst vorstellt, informiert, bevor jemand zuhört.

Die Einleitung unter der Lupe Etwa ein Zehntel der Zeit, fünf Schritte
ein Zehntel: zwei Minuten zwanzig Minuten „Guten Morgen“: Anstand 1 Aufmerksamkeit: die Hook 2 Thema, in einem Satz Vorstellung, wenn dich niemand kennt 3 Verbindung zum Publikum, optional 4 Vorschau, nur bei längeren 5 Übergang zum ersten Punkt Hauptteil

Ich sage es im Training oft gegen ein deutliches Gefühl der Teilnehmenden, die sich zuerst vorstellen wollen, weil es sich höflich anfühlt. Es ist nicht unhöflich, zuerst interessant zu sein.

Die Begrüßung selbst bleibt natürlich vorne: „Guten Morgen“ dauert eine Sekunde und ist kein Einstieg, sondern Anstand. Danach kommt die Hook.

Wenn du von jemandem vorgestellt wirst, entfällt die eigene Vorstellung ganz. „Danke für die freundliche Einführung“ und direkt die Hook. Alles andere wiederholt, was der Saal gerade gehört hat.

Die Vorschau ist bei zehn Minuten überflüssig und bei einer Stunde Pflicht. Bei langen Vorträgen braucht das Publikum eine Landkarte. Du brauchst dann einen Übergangssatz von der Vorschau zum ersten Punkt, damit es keinen Bruch gibt. Wie der Hauptteil dann weitergeht, mit drei Punkten und Übergängen, ist ein eigenes Thema.

Was du dabei weglässt: Weichmacher. „Ich möchte“, „vielleicht“, „ich glaube, Sie werden etwas mitnehmen“. Wer eingeladen wurde, ist eine Bereicherung und darf das auch sagen: „Sie werden nach diesen zwanzig Minuten wissen, was zu tun ist.“

Bei einem Studienergebnis ist Vorsicht angemessen. Beim eigenen Nutzenversprechen nicht. Wie stark einzelne Wörter die Wirkung schwächen, steht im Artikel zum souveränen Auftreten.

Funktioniert eine Hook auch im nüchternen Geschäftstermin?

Ein Einwand, den ich oft höre: In meinen Kundengesprächen ist das unüblich, da geht man die Folien durch. Stimmt. Und genau deshalb wirkt es.

Eine Hook muss nicht nach Unterhaltung klingen. Sie kann vollkommen sachlich sein, solange sie Aufmerksamkeit holt statt zu informieren. Wie das vor Entscheidern aussieht, steht im Artikel zur Präsentation vor der Geschäftsleitung.

Derselbe Termin, zwei erste Sätze Bankberater vor einem Firmenkunden
Statt

„Ich möchte Ihnen heute unsere Bank präsentieren und zeigen, warum wir für Sie attraktiv sein könnten.“

Besser

„Ich gebe Ihnen heute drei Punkte mit, wie unsere Bank Ihnen im nächsten Jahr unter die Arme greifen wird.“

Der zweite Satz sagt, was der Kunde davon hat. Der erste sagt, was der Berater vorhat.

Ein Klient, Geschäftsführer eines Ingenieurbüros, hat sich gegen alles gewehrt, was verkäuferisch klingen könnte. Seine Hook ist deshalb ganz neutral geworden: „Durch diesen Vortrag werden Sie auf die Veränderungen vorbereitet sein, die in den nächsten Monaten auf Sie zukommen. Dafür gebe ich Ihnen einen Überblick über die drei Bereiche.“ Kein Showeffekt und trotzdem ein Grund zuzuhören.

Ein anderer Klient hat von seinem früheren Vorstand erzählt, der jede Rede mit demselben Satz begonnen hat: „Ich habe euch heute drei Punkte mitgebracht.“ Nach Jahren ein Gag, der jedes Mal funktioniert hat.

Wovon ich abrate: mit dem Schmerzpunkt zu beginnen. „Sie wissen, wie schwierig es ist, gutes Personal zu finden.“ Das Publikum nickt und ist schlecht gelaunt.

Besser positiv: „Heute zeigen wir Ihnen, wie Sie qualifizierte Fachkräfte bekommen, damit Sie sich wieder auf Ihre eigentliche Aufgabe konzentrieren können.“ Wenn du dabei den Leitsatz des Kunden aufgreifst, zeigst du nebenbei, dass du weißt, wofür er steht. Nur müssen dann Namen und Bezeichnungen stimmen.

Ein falsch ausgesprochener Firmenname in der Hook macht mehr kaputt, als die beste Hook gutmachen kann.

Aus meiner Coaching-Praxis: Der Entwurf von Tobias (Name geändert) hat mit „Mein Name ist, ich bin, ich mache seit“ begonnen. Er kommt aus dem Gesundheitsbereich und hat eine Keynote über seinen Alltag mit Methoden zur Verlangsamung des Alterns vorbereitet. Wir haben den Anfang umgedreht. Die erste Folie zeigt jetzt nur zwei Zahlen: sein tatsächliches Alter und sein gemessenes biologisches Alter.

Sein erster Satz lautet: „Sie fragen sich, was diese Zahlen bedeuten? Beides bin ich.“ Dann kommt das Thema und erst dann, wer er ist. Als Alternative hatten wir eine Frage vorbereitet, bei der das Publikum die Augen schließt: „Wie alt fühlen Sie sich gerade und wie alt würden Sie sich gerne fühlen?“ Bei einer Keynote passt das, bei einem Vorstandstermin würde ich es lassen.

Die Vorstellung ist durch den Umbau nicht kürzer geworden. Ich sehe das bei vielen Vorträgen: Sie muss gar nicht schrumpfen, sie muss nur an die Stelle rücken, an der schon jemand zuhört.

Wie übst du den Einstieg?

Nicht an der eigenen Präsentation zuerst. An der eigenen hängt zu viel, deshalb verteidigst du jeden Satz. Im Training gehen wir in drei Stufen vor.

Drei Übungen für den Einstieg Von fremd zu eigen
Alle sechs an einem fremden FallSzenario: Eine Personalleiterin stellt vor dem Management ein neues Programm zur Mitarbeiterentwicklung vor. Schreib alle sechs Hooks dafür, jeden in ein bis drei Sätzen, mit den Sprachmustern oben. Sprich jeden laut. Du merkst schnell, welche zwei dir liegen.
Drei für deine nächste PräsentationNimm einen echten Termin. Bau drei verschiedene Einstiege, etwa Mehrwert, Frage und Anlass. Sprich alle drei vor einer Person, die das Publikum nicht kennt. Frag sie nur: Bei welchem wolltest du weiterhören?
Der Zehn-Sekunden-TestNimm den gewählten Einstieg mit dem Handy auf. Hör die Aufnahme ab und stopp nach zehn Sekunden. Würdest du als Fremder weiterhören? Wenn nein, ist es noch nicht der richtige, oder du sprichst ihn noch nicht so, dass er ankommt.

Für die erste Übung eignen sich auch leichtere Themen: das Lieblingsrestaurant, ein Hobby, ein Vorbild. Und schwerere: eine Herausforderung im Unternehmen mit drei Lösungsansätzen. Die Hook ändert sich mit dem Thema nicht in der Bauart, nur im Ton.

Wie lang darf die Einleitung sein?

Etwa ein Zehntel der Gesamtzeit. Bei zwanzig Minuten sind das zwei Minuten, bei fünf Minuten dreißig Sekunden. Die Hook selbst ist kurz. Wie lang deine Präsentation insgesamt dauert, zeigt dir der Redezeit-Rechner.

Die Einleitung, von der Hook bis zur Nennung des Themas, ist zusammen mit dem Schluss das Einzige, was ich Wort für Wort ausformulieren und üben lasse. Der Hauptteil bleibt in Stichworten. Der Grund steht im Artikel zum Üben von Präsentationen: Die Anspannung ist am Anfang am höchsten. Eine auswendig sitzende Einleitung hilft über die Klippe.

Ein letzter Hinweis, weil er oft erstaunt: Auch Schweigen ist eine Hook. Ein Kollege von mir hat bei einem großen Vortrag die ersten Sekunden nichts gesagt und ist nur herumgegangen. Dann: „Selbst wenn ich nichts rede, denken Sie sich etwas. Vielleicht, dass ich den Text vergessen habe. Man kann nicht nicht kommunizieren.“ Das ist ein Musterbruch, der Mut braucht. Aber er zeigt, worum es beim Einstieg geht: nicht um den perfekten Satz, sondern darum, dass etwas passiert, bevor du informierst.

Und wenn sich jeder Einstieg beliebig anfühlt?

Wenn du deine Einstiege selbst als beliebig empfindest und nicht weißt, welche Art zu dir und deinem Rahmen passt. Viele Führungskräfte haben ein feines Gespür dafür, was in ihrem Umfeld zu viel wäre. Deshalb trauen sie sich gar nichts.

Im Einzeltraining bauen wir für deine nächste Präsentation drei verschiedene Einstiege. Du sprichst alle drei vor mir und wir behalten den, der zu dir passt. Hier findest du mehr Informationen zum Coaching.

Häufige Fragen

Wie beginnt man eine Präsentation am besten?

Mit einer Hook, also einem Satz, der Aufmerksamkeit holt, bevor du informierst. Am zuverlässigsten ist das Nutzenversprechen: „Heute geht es darum, wie Sie X erreichen, ohne je wieder Y zu haben.“ Alternativen sind eine Frage, eine überraschende Aussage, der besondere Anlass, eine kurze Geschichte oder ein Zitat.

Womit sollte man eine Präsentation nicht beginnen?

Nicht mit „Sehr geehrte Damen und Herren, mein heutiges Thema ist“, nicht mit Dank dafür, dass du sprechen darfst, und nicht mit der eigenen Vorstellung. Alle drei verschenken die ersten zehn Sekunden, in denen sich entscheidet, ob du die Aufmerksamkeit bekommst.

Soll ich mich am Anfang der Präsentation vorstellen?

Ja, aber erst nach der Hook und der Nennung des Themas. Im ersten Schritt geht es nicht um Information, sondern um Aufmerksamkeit. Eine kurze Vorstellung als Bindeglied vor dem Hauptteil reicht: „Kurz zu meiner Person, damit Sie wissen, wer hier vorne steht.“

Wie lang darf die Einleitung einer Präsentation sein?

Etwa ein Zehntel der Gesamtzeit. Bei zwanzig Minuten sind das zwei Minuten für Hook, Thema, Bezug zum Publikum und Überblick. Die Einleitung, von der Hook bis zur Nennung des Themas, solltest du Wort für Wort ausformulieren und üben, weil die Anspannung dort am höchsten ist.

Passt eine Hook auch in einen nüchternen Geschäftstermin?

Ja, wenn er zum Rahmen passt. Vor einer Bank oder einem Vorstand ist kein Showeffekt gefragt, aber ein Nutzenversprechen wirkt immer: „Ich gebe Ihnen heute drei Punkte mit, wie wir Sie im nächsten Jahr entlasten werden.“ Das ist eine Hook, die nicht nach Verkauf klingt.

Was ist eine Hook in der Rhetorik?

Eine Hook ist der erste Satz oder die erste Handlung einer Präsentation, die das Publikum emotional abholt, bevor der Inhalt beginnt. Der Name kommt vom Angelhaken: Erst hängt das Publikum am Haken, dann kann man es führen.

Wie setzt man eine Frage als Einstieg richtig ein?

So, dass die Antwort klar ist. Danach kommt ein Satz, der sie vorwegnimmt: „Ich sehe viele Hände.“ Frag nach etwas, das die Leute besitzen oder erleben, nicht nach einer Meinung. Wenn du das Publikum aufstehen lässt, plane den Ausstieg, bevor es peinlich wird.

Wie übt man den Einstieg einer Präsentation?

Zuerst an einem fremden Fall alle sechs Hook-Arten schreiben und laut sprechen. Dann für die eigene nächste Präsentation drei Einstiege bauen und vor jemandem sprechen, der das Publikum nicht kennt. Zuletzt der Zehn-Sekunden-Test: die Aufnahme nach zehn Sekunden stoppen und fragen, ob man weiterhören würde.

Quellen

  1. Loewenstein, G. (1994). The psychology of curiosity: A review and reinterpretation. Psychological Bulletin.
  2. Murdock, B. B. (1962). The serial position effect of free recall. Journal of Experimental Psychology.
  3. Gheorghiu, A. I., Callan, M. J. & Skylark, W. J. (2020). A thin slice of science communication: Are people’s evaluations of TED talks predicted by superficial impressions of the speakers? Social Psychological and Personality Science, 11(1), 117-125. doi 10.1177/1948550618810896. Nur inhaltsreiche Vorträge, stumme Ausschnitte.
  4. Watzlawick, P., Beavin, J. H. & Jackson, D. D. (1967). Pragmatics of Human Communication. Norton. Erstes Axiom: Man kann nicht nicht kommunizieren.
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