Präsentation üben: Wie oft, wie lange und was du dabei falsch machst

Von Jakob Dürnberger · Veröffentlicht:

Üben heißt nicht auswendig lernen. Wer den Text Wort für Wort im Kopf hat, klingt abgelesen und kommt nach dem ersten Aussetzer nicht mehr hinein. Wirksam sind drei bis fünf laute Durchgänge im Stehen, verteilt auf mehrere Tage, mit Stichworten statt Manuskript. Nur zwei Stellen gehören ausformuliert: die Einleitung und der Schluss.

3 bis 5laute Durchgänge im Stehen
2 StellenWort für Wort: Anfang und Schluss
10 Minan den Tagen zwischen den Durchgängen

Die meisten Menschen üben ihre Präsentation falsch. Sie lesen den Text zehnmal durch, gehen ihn im Kopf durch und lernen die heiklen Passagen auswendig. Und dann wundern sie sich, dass sie im Termin nach dem ersten Aussetzer nicht mehr hineinfinden.

Üben heißt etwas anderes und dauert weniger lang, als du vermutlich denkst.

Warum ist Auswendiglernen die schlechteste Übungsform?

Menschen, die wir beim Reden bewundern, können zwei Dinge: Sie strukturieren schnell und formulieren im Moment. Das eine ist das Konzept, das andere ist das Ausführen.

Ich vergleiche das gern mit dem Hausbau. Die Struktur ist die Blaupause des Architekten: Wo steht das Haus, woher kommt das Licht, wie viele Räume. Das spontane Sprechen ist der Innenausbau: Boden, Türen, Fenster, Luster.

Beides lässt sich trainieren. Auswendiglernen trainiert keines von beiden.

Auswendiglernen geht aus drei Gründen nach hinten los. Erstens klingt es nicht authentisch, weil du nicht mehr denkst, sondern abrufst. Zweitens merkst du dir den Text unter Druck ohnehin nicht zuverlässig. Drittens baut es zusätzlichen Druck auf, weil jetzt nicht nur die Präsentation gelingen muss, sondern auch die Wiedergabe.

Das Gleiche gilt fürs Ablesen. Sobald du vorliest, wirst du monoton und verlierst Überzeugungskraft. Du rufst dein Wissen nicht ab, du ratterst es herunter. Und wenn du aussteigst, kommst du nicht mehr hinein, weil du die Stelle im Text suchst statt den Gedanken.

Auswendig gelernt oder aus Stichworten Derselbe Inhalt, zwei Arten, ihn zu üben
Text Wort für Wort im Kopf→Nach dem ersten Aussetzer stehst du im Leeren.
Drei Stichworte pro Punkt→Du formulierst jedes Mal neu und findest immer zurück.
Notizen auf den Folien ablesen→Stimme wird flach, Blick geht zur Wand.
Anfang und Schluss ausformuliert, Rest frei→Sicher dort, wo es zählt, lebendig dazwischen.

Die Lernforschung stützt das. Jeffrey Karpicke und Henry Roediger haben 2008 in Science gezeigt, dass Lernende, die Inhalte aktiv aus dem Gedächtnis abrufen mussten, eine Woche später deutlich mehr behalten haben als jene, die den Stoff wiederholt durchgelesen haben. Der Abruf ist das Training, nicht das Lesen. Wer frei aus Stichworten spricht, trainiert genau diesen Abruf.

Wie oft und wie lange sollte man eine Präsentation üben?

Drei bis fünf vollständige Durchgänge reichen für fast jede Präsentation im Berufsalltag. Vollständig heißt: von den ersten Sätzen bis zum Schluss, ohne Abbruch, ohne Nachschauen. Als Faustregel rechnest du mit etwa dem Dreifachen der Vortragsdauer an reiner Sprechzeit, also drei vollen Durchgängen, jeder an einem eigenen Tag.

Wie viel Übung braucht deine Präsentation?

20 MinutenVortragsdauer
60 MinutenSprechzeit in den Durchgängen
3 bis 4volle Durchgänge
3 Tagemit einem vollen Durchgang

Faustregel: etwa das Dreifache der Vortragsdauer an reiner Sprechzeit, ein voller Durchgang pro Tag, dazu die Aufnahme ansehen und dazwischen kurze Einheiten für Anfang und Schluss.

Die Verteilung zählt mehr als die Summe. Nicholas Cepeda und Kollegen haben 2006 über 300 Experimente zum Lernen mit Abstand ausgewertet: Verteilte Wiederholungen bleiben zuverlässig länger haften als dieselbe Menge am Stück. Drei Durchgänge an drei Tagen schlagen sechs Durchgänge am Vorabend.

Bevor du anfängst, prüf die Länge. Ein Text, der 25 Minuten braucht, aber ein Zeitfenster von 15 Minuten hat, lässt sich durch Üben nicht retten. Der Redezeit-Rechner zeigt dir die Sprechdauer, bevor du Zeit in die falsche Fassung steckst.

Wie übt man eine Präsentation richtig?

Laut, im Stehen, am Stück. Das ist die ganze Regel. Meine Teilnehmenden bekommen als Abschlussaufgabe eine Rede von vier bis sieben Minuten, die sie im Stehen aufnehmen, eine Wasserflasche als Mikrofon in der Hand. Das wirkt auf den ersten Blick albern und ist die wirksamste Übungsform, die ich kenne.

Dass Üben vor Menschen mehr bringt als Üben allein, haben Smith und Frymier 2006 bei Studierenden eines Rhetorikkurses untersucht: Wer seine Rede vor echtem Publikum geübt hatte, wurde besser bewertet als wer allein geübt hatte, und vor mehr Zuhörern besser als vor wenigen. Die Studierenden hatten ihre Übungsform selbst gewählt, es ist also ein Zusammenhang, kein Experiment. Die Aufnahme ist der Ersatz, wenn kein Publikum da ist. Eine Kollegin, die zehn Minuten zuhört, ist besser als beides.

Ein Übungsdurchgang Einmal durch, einmal ansehen, zwei Punkte
Stichworte statt Text Aufstellen wie im Termin Durchziehen Aufnahme ansehen zwei Punkte auswählen Üben nächster Tag Wiederholen einfach fünfmal durchsagen
  1. Stichworte statt TextPro Hauptpunkt drei Wörter auf einer Karte oder in den Foliennotizen. Mehr nicht.
  2. Aufstellen wie im TerminGewicht auf beiden Beinen, Hände locker vor dem Körper, Handy auf Aufnahme.
  3. DurchziehenVon den ersten Sätzen bis zum Schluss. Bei einem Versprecher weitersprechen, nie von vorn.
  4. Aufnahme ansehenNicht auf alles achten. Zwei Dinge auswählen, die beim nächsten Durchgang besser werden sollen.
  5. Zweiter Durchgang am nächsten TagMit genau diesen zwei Punkten im Kopf. Das ist Üben. Alles andere ist Wiederholen.

Warum im Stehen? Weil das Gedächtnis an die Bedingungen gekoppelt ist, unter denen etwas gelernt wurde. Duncan Godden und Alan Baddeley haben das 1975 mit Tauchern gezeigt, die Wortlisten an Land oder unter Wasser gelernt haben: Abgerufen wurde am besten dort, wo gelernt worden war. Wer am Schreibtisch sitzend übt, übt für den Schreibtisch.

Und dann die Regel, die ich im Training am häufigsten wiederhole: lieber unvollkommen starten als perfekt zögern. Erst durchziehen, dann optimieren. Wer vor dem ersten Durchgang alles richtig machen will, macht keinen ersten Durchgang.

Welche Stellen müssen Wort für Wort sitzen?

Zwei: die Einleitung bis zur Ankündigung des Themas und der Schluss mit Zusammenfassung und Appell. Der Rest bleibt frei.

Der Anfang, weil die Anspannung dort am höchsten ist und die ersten zehn Sekunden entscheiden, ob dir zugehört wird. Wenn diese Sätze sitzen, helfen sie dir über die Klippe und danach fällt die Aktivierung bei den meisten Menschen spürbar ab. Der Schluss, weil er am längsten hängen bleibt und weil dort die meisten Präsentationen ausfransen. Was in diese Sätze gehört, steht in den Artikeln zum Einstieg und zum Schluss.

Wort für Wort nur am Rand Die Einleitung und der Schluss, dazwischen Stichworte
Anspannung Anfang: Wort für Wort Schluss: Wort für Wort Hauptteil: je Punkt drei Stichworte
Anfang und Schluss schreibst du aus und sprichst sie, bis sie sitzen. Den Hauptteil sprichst du jedes Mal ein bisschen anders. Genau das macht ihn lebendig.

Warum ist die Aufnahme wichtiger als das Gefühl?

Weil deine Eigenwahrnehmung fast immer strenger ist als der Eindruck von außen. Ich habe es noch nie erlebt, dass jemand nach einer Generalprobe gesagt hat, es habe sich besser angefühlt, als es ausgesehen hat. Umgekehrt ständig: Die Person fühlt sich verkrampft, hölzern, viel zu schnell, aber auf der Aufnahme spricht jemand ruhig und klar.

Gefühl gegen Aufnahme Dieselbe Person, zwei Eindrücke
Gefühl Aufnahme verkrampft, hölzern, viel zu schnell wie es sich anfühlt ruhig und klar

Deshalb ist die Aufnahme kein Extra, sondern der Kern des Übens. Sie ersetzt das Gefühl durch einen Befund. Und sie erlaubt, Rückmeldung von Menschen zu holen, die den Termin nicht miterleben. Ich hole mir vor großen Ansprachen selbst Feedback von Kollegen, und zwar von mehreren, weil jeder etwas anderes sieht.

Wenn du jemanden um Rückmeldung bittest, gib Fragen mit, sonst bekommst du „war gut“. Die Fragen, mit denen ich im Training arbeite:

  1. Gab es einen Einstieg, der Aufmerksamkeit geholt hat, oder ging es mit „mein heutiges Thema ist“ los?
  2. War nach einer Minute klar, worum es geht?
  3. Wurde jeder Hauptpunkt angekündigt, bevor er kam?
  4. Gab es zu jedem Punkt ein Beispiel oder einen Beleg?
  5. Kam am Ende eine Zusammenfassung oder eine Empfehlung, oder ein „Danke für die Aufmerksamkeit“?

Worauf achtest du auf der Aufnahme?

Auf drei Ebenen und pro Durchgang nur auf eine. Wer alles gleichzeitig sehen will, sieht nichts. Das sind die Dinge, die ich in Aufnahmen am häufigsten sehe, mit dem, was ich dazu sage:

Körper: was die Aufnahme zeigt Und die Korrektur, die im Training darauf folgt
Blick nicht zur Leinwand Hände locker übereinander Zeigen: die ganze Hand beim Nachdenken zur Seite oder leicht nach oben Ausgangsgeste auf Bauchhöhe Gewicht halb und halb, Beine fest
  1. Blick geht immer wieder zur LeinwandAusdruck oder Tablet vor sich hinlegen. Der Rücken zeigt nie zum Publikum, aber der Blick auch nicht zur Wand.
  2. Beim Nachdenken auf den Boden schauenZur Seite oder leicht nach oben. Der Boden liest sich als Unsicherheit.
  3. Hände verschränkt, Daumen knetenFesthalten und Beruhigen wirken unbewusst nervös. Hände locker übereinander, Gesten öffnen und betonen.
  4. Ausgangsgeste zu tief, Hände hängenDer Weg zum Gestikulieren ist zu lang, also gestikuliert man nicht. Hände auf Bauchhöhe.
  5. Mit dem Finger zeigenWirkt aggressiv. Die ganze Hand.
  6. Kippen auf Ballen und Fersen, unruhiger StandGewicht halb und halb, Beine fest. Erst der Stand, dann die Stimme.

Die zweite Ebene ist die Stimme. Rast du? Bei Unsicherheit wollen die meisten schnell fertig werden, ein Fluchtreflex. Setz Pausen dort, wo ein „ähm“ war.

Und die Weichmacher: „ich denke“, „vielleicht“, „ich glaube, Sie werden etwas mitnehmen“. Wer eingeladen wurde, ist eine Bereicherung und darf das sagen.

Die dritte Ebene ist die Struktur. Dafür gelten die fünf Fragen oben.

Nimm dir in einem Durchgang nur den Körper vor, im nächsten nur die Stimme, im dritten nur die Struktur. Wie beim Laufenlernen, nicht Atmung und Schrittfolge gleichzeitig.

Und gib dir selbst Rückmeldung wie einer Freundin. Nicht „das kann ich immer noch nicht“, sondern „das ist besser als gestern und das nehme ich mir als Nächstes vor“.

Wie übst du Zwischenfragen mit?

Mit jemandem, der dich unterbricht. Im Termin kommt die Frage mitten im Satz. Wer das nie geübt hat, bricht ab, sagt „weiß ich jetzt nicht genau“ und fragt danach, wo er war. Im Training mache ich daraus eine Pressekonferenz: Du präsentierst, ich stelle Fragen dazwischen, freundliche und weniger freundliche.

Was du dabei übst, sind drei Sätze. Erstens: „Ich bringe den Satz noch zu Ende, dann komme ich auf Ihre Frage.“ Zweitens die Wertschätzung, bevor du antwortest: „Sehr gute Frage.“ Das baut Beziehung auf und gibt dir zwei Sekunden.

Drittens die Rückfrage bei einem Einwand: „Das funktioniert nicht“ bekommt „Warum? Können Sie das ausführen?“ Wer diese drei Sätze fünfmal gesagt hat, sagt sie im Termin von allein.

Bitte beim dritten oder vierten Durchgang jemanden dazu, dem du vorher zwei Fragen mitgibst, die kommen werden, und eine, die er sich selbst ausdenkt. Und dann übst du vor allem das Zurückfinden, weniger die Antwort: „Das war die Frage zum Zeitplan. Ich war beim zweiten Punkt, den Kosten.“ Die Landkarte, die du angekündigt hast, ist dein Weg zurück.

Was tun, wenn du beim Üben blockierst?

Das passiert häufiger, als du denkst, und meist nicht mitten im Text, sondern vor dem Start. Die Person steht, will anfangen und es kommt nichts. Brett vorm Kopf.

Dann arbeite ich mit langsamem Atmen: etwa vier Sekunden ein, kurz halten, vier bis fünf Sekunden aus, kurz halten, einige Runden, bis die Anspannung spürbar sinkt. Danach anfangen, egal wie. Nicht warten, bis es sich richtig anfühlt, denn dieser Moment kommt nicht. Im Termin steht auch niemand zwei Minuten still, bis die Blockade weg ist.

Bei einem Versprecher sprichst du weiter, ohne dich zu entschuldigen, ohne zu wiederholen, ohne neu anzufangen. Wer sich beim Üben angewöhnt, bei jedem Fehler neu zu starten, hat im Ernstfall keinen Neustart zur Verfügung.

Was zusätzlich hilft, ist ein kurzer Satz, den du dir unmittelbar vor dem Start sagst. Bei einer Klientin war es: Stand, Ausgangsgeste, Lächeln. Drei Wörter, drei Dinge, die dann von allein gekommen sind.

Ich kenne das vom Sport: Vor jedem Aufschlag sage ich mir „festes Handgelenk“ und das Handgelenk ist fest.

Und dazu ein Satz zur Absicht, mit der du hineingehst. Nicht „schauen wir mal“, sondern „die drei wissen nachher, was zu tun ist“. Das ist wie der Kickstarter beim Moped: ein Ruck, dann läuft die Maschine rund.

Aus meiner Coaching-Praxis: Lorenz (Name geändert) hatte sich jahrelang vor dem Präsentieren gedrückt. Er ist Arzt in einem Krankenhaus und sollte bei einer internen Veranstaltung nach einer Kollegin einen kurzen Vortrag halten, ursprünglich zehn Minuten, zwei Tage vorher auf fünf gekürzt.

Wir haben die Generalprobe gefilmt. Sein Urteil danach: verkrampft, hölzern, viel zu schnell. Auf der Aufnahme war jemand zu sehen, der ruhig spricht, gelegentlich zur Leinwand schaut und beim Nachdenken ein „ähm“ setzt. Zwei Punkte, mehr nicht.

Wir haben den Blick auf einen Ausdruck vor ihm gelegt und aus jedem „ähm“ eine Pause gemacht. Beim zweiten Durchgang war beides weg. Und zum ersten Mal hat er den Auftritt nicht als Prüfung genutzt, sondern, wie er es genannt hat, egoistisch als Übungsfläche. Diese Lücke zwischen Gefühl und Aufnahme begegnet mir bei Generalproben ständig und schließen kann sie nur die Aufnahme.

Wie sieht ein Übungsplan für eine Woche aus?

So, dass jeder Tag ein Ziel hat. An drei Tagen steht ein voller Durchgang mit Aufnahme, die Tage dazwischen brauchen zehn Minuten oder gar nichts.

Sieben Tage bis zum Termin Für eine Präsentation von zwanzig Minuten
Tag 1 Struktur und Stichworte Tag 2 Erster Durchgang Tag 3 Anfang und Schluss Tag 4 Zweiter Durchgang Tag 5 Pause Tag 6 Dritter Durchgang Tag 7 Nur Anfang und Schluss Termin
  1. Tag 1: Struktur und StichworteDrei Punkte, je drei Stichworte, Anfang und Schluss ausformuliert. Sprechdauer messen. Noch kein Durchgang.
  2. Tag 2: erster DurchgangLaut, im Stehen, aufgenommen. Durchziehen, egal wie. Aufnahme nur auf Körper ansehen, zwei Punkte notieren.
  3. Tag 3: Anfang und SchlussNur die Einleitung und der Schluss, mit Nachdruck, so oft es in zehn Minuten geht.
  4. Tag 4: zweiter Durchgang mit ZwischenfragenJemand unterbricht zweimal. Aufnahme nur auf Stimme ansehen: Tempo, Pausen, Weichmacher.
  5. Tag 5: PauseNichts. Der Abstand ist Teil des Übens.
  6. Tag 6: dritter DurchgangAufnahme mit den fünf Strukturfragen prüfen. Wenn fünfmal ja: fertig.
  7. Tag 7, der Vortag: nur Anfang und SchlussKein ganzer Durchgang mehr. Der Kurzsatz für den Start, die Absicht für den Termin. Früh schlafen.

Übe konstant in kleinen Schritten: an den Tagen zwischen den Durchgängen zehn Minuten, an den Durchgangstagen einmal durch und die Aufnahme ansehen. Auf die Menge kommt es dabei weniger an als auf ein System, das auch in einer vollen Woche funktioniert.

Der Unterschied zwischen Wiederholen und Üben liegt im Ziel. Anders Ericsson, dessen Arbeiten zum bewussten Üben aus 1993 die Grundlage der Expertiseforschung sind, beschreibt drei Bedingungen: ein konkretes Ziel für den Durchgang, sofortige Rückmeldung und Wiederholung mit Anpassung. Genau das leistet der Plan oben.

Wer die Präsentation einfach fünfmal durchsagt, wiederholt. Wer nach jedem Durchgang zwei Dinge festlegt und beim nächsten darauf achtet, übt.

Und wenn die Nervosität das eigentliche Hindernis ist und nicht der Text, lohnt ein Blick auf den Artikel zum Lampenfieber vor Präsentationen. Üben senkt die Anspannung nur, wenn die Bewertung des Termins mitzieht.

Üben mit jemandem, der dir sagt, was er sieht

Wenn du weißt, wie Üben geht, es aber allein nicht durchhältst oder nicht beurteilen kannst, was auf der Aufnahme zu sehen ist. So geht es vielen: Die Person übt, aber sie übt das Falsche, weil ihr Blick am eigenen Gefühl hängt statt am Ergebnis.

Im Einzeltraining hältst du die Präsentation vor mir, so oft es braucht. Nach jedem Durchgang bekommst du zwei Punkte, nicht zwanzig. Wir arbeiten an Stand, Blick, Einstieg und Schluss, bis diese Dinge von allein kommen. Hier findest du mehr Informationen, wie wir im Coaching an deinen Präsentationen arbeiten.

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Häufige Fragen

Wie oft sollte man eine Präsentation üben?

Drei bis fünf vollständige Durchgänge reichen für die meisten Termine, wenn sie laut, im Stehen und ohne Unterbrechung stattfinden. Verteil sie auf mehrere Tage, einen Durchgang pro Tag. Sechs Durchgänge am Vorabend bringen weniger als drei an drei Tagen.

Soll man eine Präsentation auswendig lernen?

Nein. Auswendig Gelerntes klingt abgelesen, baut zusätzlichen Druck auf und lässt dich nach dem ersten Aussetzer im Leeren stehen. Lern nur die Einleitung und den Schluss Wort für Wort. Den Hauptteil sprichst du frei aus Stichworten.

Wie lange dauert es, eine Präsentation zu üben?

Als Faustregel etwa das Dreifache der Vortragsdauer an reiner Sprechzeit, also drei volle Durchgänge. Für zwanzig Minuten Vortrag sind das drei Durchgänge von je zwanzig Minuten an drei Tagen, dazu jedes Mal die Aufnahme ansehen und an den Tagen dazwischen zehn Minuten für Anfang und Schluss. Insgesamt eine Woche. Prüf vorher mit dem Redezeit-Rechner, ob der Text überhaupt in das Zeitfenster passt.

Warum hilft es, die Präsentation aufzunehmen?

Weil die Eigenwahrnehmung fast immer strenger ist als der Eindruck von außen. Auf der Aufnahme siehst du, was tatsächlich ankommt: Blick, Stand, Tempo, Füllwörter. Und du kannst sie jemandem zeigen, dessen Rückmeldung du ernst nimmst.

Was tun, wenn ich beim Üben immer wieder aussteige?

Nicht von vorn beginnen, sondern weitersprechen, als wäre nichts passiert. Im Ernstfall gibt es auch keinen Neustart. Wenn die Blockade vor dem Start kommt, hilft langsames Atmen: etwa vier Sekunden ein, kurz halten, vier bis fünf Sekunden aus, kurz halten, einige Runden, bis die Anspannung spürbar sinkt. Dann unvollkommen anfangen statt perfekt zögern.

Kann ich eine Präsentation auch im Kopf üben?

Gedankliches Durchgehen prüft den Inhalt, trainiert aber nicht das Sprechen. Das Formulieren unter Anspannung ist genau der Teil, der im Ernstfall schwierig wird. Er lässt sich nur laut üben.

Worauf achtet man auf der Aufnahme der Probe?

Pro Durchgang auf eine Ebene. Körper: Blick zur Leinwand, Kippen auf Ballen und Fersen, verschränkte Hände, zu tiefe Ausgangsgeste, Zeigefinger. Stimme: Tempo, Pausen statt ähm, Weichmacher. Struktur: Hook, klare Einleitung, jeder Punkt angekündigt, jeder mit Beispiel, Zusammenfassung oder Appell.

Wie übt man Zwischenfragen mit?

Mit jemandem, der beim dritten oder vierten Durchgang zweimal unterbricht. Du übst drei Sätze: „Ich bringe den Satz zu Ende, dann komme ich auf Ihre Frage.“ „Sehr gute Frage.“ Und bei einem Einwand die Rückfrage: „Warum, können Sie das ausführen?“ Dann nicht die Antwort üben, sondern das Zurückfinden zur angekündigten Landkarte.

Quellen

  1. Karpicke, J. D. & Roediger, H. L. (2008). The critical importance of retrieval for learning. Science.
  2. Cepeda, N. J., Pashler, H., Vul, E., Wixted, J. T. & Rohrer, D. (2006). Distributed practice in verbal recall tasks: A review and quantitative synthesis. Psychological Bulletin.
  3. Godden, D. R. & Baddeley, A. D. (1975). Context-dependent memory in two natural environments: On land and underwater. British Journal of Psychology.
  4. Ericsson, K. A., Krampe, R. T. & Tesch-Römer, C. (1993). The role of deliberate practice in the acquisition of expert performance. Psychological Review, 100(3), 363-406. Zur Einordnung: Macnamara, B. N., Hambrick, D. Z. & Oswald, F. L. (2014). Deliberate practice and performance in music, games, sports, education, and professions: a meta-analysis. Psychological Science, 25(8), 1608-1618. Bewusstes Üben erklärt danach rund 19 Prozent der Leistungsunterschiede, im Beruf deutlich weniger.
  5. Smith, T. E. & Frymier, A. B. (2006). Get ‘real’: Does practicing speeches before an audience improve performance? Communication Quarterly, 54(1), 111-125. doi 10.1080/01463370500270538. Korrelativ, die Übungsform war selbst gewählt.
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