SacheSpontanZurückhaltend

Rhetorik-Typ

Denker

Scharfdenker · zurückhaltend

Du sagst wenig, aber wenn du etwas sagst, hat es Hand und Fuß.

Als Führungskraft

Dein Team liest dein Schweigen

Als Führungskraft hast du einen Vorteil, den laute Chefs nicht haben: Du lässt deinem Team Raum. Du hörst zu, unterbrichst selten und machst nicht jede Besprechung zu deiner eigenen.

Die Kehrseite: Dein Team weiß oft nicht, woran es bei dir ist. Wenn du nach einem Vorschlag schweigst, fragen sich die Leute, ob du einverstanden bist, ob du es schlecht findest oder ob du gar nicht zugehört hast.

Je weniger du sagst, desto mehr wird hineingedeutet. Und Menschen deuten das Schweigen ihrer Führungskraft selten zu ihren Gunsten.

Sag laut, was in dir passiert

Die einfachste Lösung ist ein Satz, der dein Schweigen erklärt. „Ich denke noch darüber nach, das ist kein Nein. Ich melde mich bis morgen Mittag.“ Damit nimmst du deinem Team die Unsicherheit, ohne dich vorschnell festzulegen.

Ähnlich ist es mit deinem Gesicht in Besprechungen. Ein ruhiges Gesicht beim Zuhören ist für dich Konzentration. Für die Person, die gerade präsentiert, sieht es nach Skepsis aus.

Ein Nicken, eine Notiz oder ein kurzes „Verstehe“ zeigt, dass du dabei bist.

Anders werden brauchst du dafür nicht. Du machst nur hörbar, was ohnehin in dir passiert.

Wer wenig sagt, muss das Wenige eindeutig machen.

Entscheidungen brauchen bei dir einen Grund mehr

Du triffst Entscheidungen oft schnell und sachlich gut begründet. Nur bleibt die Begründung in deinem Kopf. Beim Team kommt an: „Wir machen das jetzt so.“

Wer den Grund nicht kennt, setzt die Entscheidung halbherzig um oder fragt hinter deinem Rücken nach. Ein Muster in drei Sätzen hilft: was du entschieden hast, warum und was es für die Leute bedeutet.

„Wir verschieben den Start auf März. Die Schnittstelle zum Lager ist noch nicht stabil und ich will nicht, dass der Kundendienst die Fehler ausbaden muss. Für euch heißt das zwei Wochen mehr Zeit für die Tests.“

Für dich sind das vielleicht zwei Sätze zu viel. Für dein Team ist es der Unterschied zwischen einer Anordnung und einer Entscheidung, hinter der es steht.

Einmal gesagt ist für dein Team noch nicht gehört

Was du einmal klar gesagt hast, ist für dich erledigt. Wiederholungen empfindest du als Zeitverschwendung, für dich und für die anderen.

Ein Team funktioniert anders. Zwischen Kundenanrufen, Mails und dem eigenen Projekt geht ein Ziel, das im Jänner einmal genannt wurde, bis März verloren. Wer nicht weiß, wohin es geht, entscheidet im Alltag nach eigenem Gutdünken.

Sag die Richtung deshalb öfter, als es dir nötig erscheint. Ein Satz zu Beginn jedes Jour fixe reicht: „Zur Erinnerung, bis Ende Juni wollen wir die Reklamationen halbieren. Alles, was wir heute besprechen, misst sich daran.“ Für dich ist das eine Wiederholung. Für dein Team ist es Orientierung.

Lob, das auch als Lob ankommt

Bei Denkern hört man als Rückmeldung oft nur ein Wort: „Passt.“ Für dich ist das ein Lob. Für deine Mitarbeiterin ist es nichts, im schlechtesten Fall ein Zeichen, dass du unzufrieden bist.

Anerkennung wirkt, wenn sie konkret ist. Sag, was genau gut war und was es bewirkt hat. „Die Auswertung war genau das, was ich für die Geschäftsführung gebraucht habe. Die Übersicht auf Seite zwei hat mir zehn Minuten Erklärung erspart.“

Eigentlich liegt dir das, weil du genau hinschaust und Details bemerkst. Sprich sie einfach aus.

Übung

Eine Woche hörbar führen

  1. Erklär eine Woche lang jede Entscheidung, die dein Team betrifft, in drei Sätzen: was, warum und was es für die Leute bedeutet.
  2. Gib an jedem Arbeitstag einer Person eine konkrete Rückmeldung mit Beispiel und Wirkung.
  3. Wenn du in einer Besprechung nachdenkst, sag es: „Ich überlege noch kurz.“
  4. Frag am Freitag eine Person aus dem Team, der du vertraust: Was war diese Woche anders?

Typ Denker: Diese Menschen kennst du vielleicht

Unsere Einschätzung nach öffentlichen Auftritten. Diese Menschen haben den Test nicht gemacht.

Warren Buffett
Warum?

beantwortet auf seinen Hauptversammlungen stundenlang Fragen, ruhig, knapp und ohne Manuskript

Christian Drosten
Warum?

erklärte komplexe Sachverhalte sachlich und überlegt, ohne große Gesten

Charlie Munger
Warum?

antwortete auf Hauptversammlungen oft mit einem einzigen, trockenen Satz

Niki Lauda
Warum?

sagte knapp und sachlich, was Sache war, ohne Umschweife

Hannah Arendt
Warum?

dachte im Interview hörbar nach und formulierte ihre Gedanken genau

Kimi Räikkönen
Warum?

sagt in Interviews nur das Nötigste und das sehr direkt

Ernst Happel
Warum?

war als Trainer wortkarg und auf das Wesentliche bedacht

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